Samstag, 6. Juni 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
SHORT CUT - I/VI.
Why?

„Please-call-again-later!“
„Please-call-again-later!“
„Please ... !“.
Verdammter Hund, verdammter.
„Please-call-again-later!“
„Please-call-again-later!“
„Please ... !“.
Sag mir, was du willst, mein Freund. Belüge und betrüge mich, mein Freund.
Doch nein, behilf dir selbst, mein Freund, sei Mann -
und stirb, mein Freund.
„Please-call-again-later!“
„Please-call-again-later!“
„Please ... !“.

THE PERSON YOU ARE CALLING IS NOT AVAILABLE AT THE MOMENT?

PLEASE CALL AGAIN LATER?

WHY?

( „Psyche & Phantastik - Short Cuts I.“)

***

* im Original - zentriert.

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Samstag, 23. Mai 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
UNBERÜHRT./Expression I.

(...)

*

Amerikanische Piloten, in bemalten Propellermaschinen viel zu spät aufgestiegen, um gegen die rotsonnigen, japanischen Moskitos, die wie berauscht Pearl Harbour ins Visier ihrer Maschinengewehre und Bomben genommen hatten, noch etwas auszurichten. Kreuzförmigen Himmelspfeilen gleich surrten sie über das Meer heran, Formation auf Formation, Maschine auf Maschine, Bombenträger, gelenkt von grimmig dreinblickenden, zu allem entschlossenen, japanischen Fliegern.
Irgendwo weit draußen, auf einer namenlosen Pazifikinsel, die als japanischer Stützpunkt dient, wehte derweil die Flagge der roten Sonne. Es war eine dieser trostlosen, verlorenen Inseln, die nur wenige Wochen später zum Symbol allumfassender Sinnlosigkeit werden sollten; blutdurchtränkte Landflecken inmitten ewig kümmerloser Wellen. Blut, gescheiterte Hoffnungen und Träume, weinende, klagende Mütter. Fahnenverzierte Särge, die oft nur noch die kläglichen Reste dessen enthielten, was einmal ein Mensch gewesen war.
Jahre später dann - Vietnam: Huren und Hasardeure, Tunnelratten und wahnsinnig gewordene GIs:. „Ami Go Home!“, Propagandakrieg, Medienflut.
Und alles, alles nur gelogen.

*

(...)

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Freitag, 8. Mai 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
RAUM./Der Zweite Garten (Oaris).

Erzählung/SF.

*

(...)

Nun stehe ich hier, blicke zurück, und erinnere mich daran, wie es sich anfühlt, in seine kleinsten Bestandteile zerlegt zu werden. Ein Kribbeln, wie wenn Glieder zu lange der Blutzufuhr entbehren, eine paradoxe Verbindung aus Taubheit und Schmerz, die sich steigert, anschwillt, immer unerträglicher wird …

(...)

Diese fellbekleideten Wesen, dort hinter der energetischen Barriere, schmutzig, primitiv und wild, sollen Menschen sein? Sternenfahrer? Diese Kreaturen, denen außer einem unverständlichen, gutturalen Grunzen nichts zu entlocken ist? Die sich um ihre Feuer drängen und gierig, mit fauligen Zähnen, halbrohe Fleischfasern von bleichen Knochen reißen? Die sich kreischend paaren? Sich um ihrer armseligen Besitztümer und Weibchen willen - gegenseitig töten?
Nur einmal, für einen lächerlich kurzen Moment, überkam mich das Gefühl, dass in diesen Augen, unter diesen vorspringenden Stirn- und Augenwülsten, eine Andeutung dessen vorhanden sein könnte, was einmal gewesen ist. Ein nahezu verschreckt aufglimmender Funke, ein unsicherer Blick in meine Richtung, ein fragiler Glanz, der zumindest annähernd jener Würde gleichkommt, die ich von jenem Menschen, der mich, einst in meinem ersten Garten, in unregelmäßigen Abständen zu besuchen pflegte, gewohnt gewesen bin.
Am Ende bleibt nichts anderes, als auch bezüglich dieses Zweiten Gartens meine Pflicht zu erfüllen, ihn zu pflegen, die Lebewesen in ihm zu umsorgen, auf sie zu achten, sie zu trösten, abzuwarten und - inständig zu hoffen, - dass nichts geschieht.

***

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Mittwoch, 29. April 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
REBELLION./Fiat Lux.

Erzählung/FANTASY.

*

(...)

Im Jahr 1414 der Oberflächenkultur, zum Zeitpunkt unserer Geschichte, bekleidet der ehrwürdige Mennoch das höchste Amt der Priesterschaft. Wir beobachten ihn im Audienzsaal des Haupttempels im abendlichen Halbdunkel, gewandet in den rostroten Talar mit dem bronzefarbenen Zeichen der abstrahierten Flamme auf seiner Brust, dem Symbol seines Ordens. Die wichtigste Insignie seines Amtes, das priesterliche Zepter, auf dessen Spitze ein glimmender Unterseitenkristall prangt, liegt ganz am Ende des Saals auf einem schmucklosen Beistelltisch neben dem Thron, eingehüllt in Tücher aus dickem, grünen Brokat.
„Herr, warum willst du Veränderung?“
Mennochs Stimme hallt verloren durch die Weite des Saals. „Du sprichst zu mir, und ich weiß nicht, ist es Segen oder Fluch, mit dem du mich belegst. Deine Worte, so gewaltig, so kraftvoll, sie weisen mich an, aber ich bin nur ein Mensch und ich weiß nichts. Kann ich denn tatsächlich etwas für dich tun? Ich, Mennoch, so gering. Nicht mehr als nur ein Staubkorn in den unschätzbaren Weiten deiner Schöpfung?“
Für einen kurzen Moment, in dem er den Kopf, wie zerschlagen, sinken, seinen Blick zu Boden hin auf die groben, viereckigen Steinplatten fallen lässt, schweigt der Höchste Priester, bevor er - leiser jetzt, verzweifelter - erneut zu klagen beginnt.
„Warum? Warum, mein Gott, sind deine Antworten niemals eindeutig? Niemals klar und laut und leicht verständlich? Warum quälst du mich durch meinen freien Willen und überlässt mir die Wahl? Warum willst du Veränderung? Bist du ein Gott der Veränderung, ein Gott des Wandels? Ist das dein Wesen? Und bin ich - ein Werkzeug dieser Kraft?“
Wieder, nicht zum ersten Mal an diesem Abend, entringt sich ein gequältes Stöhnen seiner Kehle.
“Warum, warum nur, kann nichts bleiben? Unsere Welt verändert sich, ich weiß es aus den Träumen, den Eingebungen, die du mir schenkst. Ein Umbruch steht bevor, und mir - Mennoch - ist eine Rolle dabei zugedacht. So ist es doch, Herr, oder? Ich bitte dich, gib mir Sicherheit, lass mich wissen, ob es so ist. Weise mir meine Rolle zu. Damit ich das Richtige tue und dir diene.“
Der hagere Priester verstummt.
Müden Auges tritt er an den steinernen, aus einem einzigen Stück Fels geschlagenen Thron, zu dem ihn sein Weg durch den Audienzsaal geführt hat, lässt sich nieder, und versinkt erneut in tiefes, grüblerisches Schweigen.

*

(...)

*

Der protokollarische Ablauf des Tages sah nun, im Anschluss an die Weihe, die Ausgabe der geheiligten Flüssigkeit vor. Das Holztor unter dem Balkon, auf dem Mennoch noch vor wenige Minuten gestanden hatte, öffnete sich, und spuckte eine geschäftige Wolke niederer Priester aus, die große, mit tönernen Krügen beladene Holzkarren in den Hof schoben. Die Zeremonienlehrer der einzelnen Gruppen setzten sich in Bewegung. Unter den vielfältigen Bannern ihrer Gruppen, einem über ihren Köpfen auf und ab hüpfenden Pulk bunter Symbole, versammelten sie sich um die Karren. Schließlich kehrten sie, schwere gefüllte Amphoren der Heiligen Flüssigkeit mit sich tragend, zu ihren Zöglingen zurück.
Die Kinder wühlten in den Taschen und zogen ihre Trinkschalen hervor. Die schmucklosen Holzgefäße waren mit ihren Namen und dem Jahr ihrer Nachfolge versehen; ihr ganzes Leben lang würden sie diese Schalen von nun an mit sich tragen: eine Reliquie, die zu verlieren oder zu beschädigen als Unglück bringendes Omen galt, weil niemand mehr jemandem vertraute, der während der täglichen Riten die Lichtbringerin nicht aus seiner eigenen, namens- und datumsverzierten Schale aufnahm.
Manon fand die Schale in der Innentasche seiner Jacke, kramte sie hervor und starrte auf die eingebrannten Schriftzeichen. Manon Elthmark - Anno 1414 der Oberflächenkultur - Magister Allmoth.
Mittlerweile hatten sich die ersten Nachfolgenden um ihre Lehrer versammelt, welche die Bewahrerin in die dargebotenen Schalen der Nachfolge gossen. Über das Haupt eines jeden wurde der Segen gesprochen, dann durfte getrunken werden.
Einer nach dem anderen fühlte, wie die trügerische Süße der geheiligten Flüssigkeit ihre Körper ein erstes Mal in Besitz nahm. Manon erzitterte. Nächtelang hatte er wachgelegen und diesen einen Augenblick wieder und wieder in seiner Vorstellung ablaufen lassen. Hunderte von Plänen hatte er geschmiedet und wieder verworfen, hunderte Pläne.
Jetzt aber war sein Kopf vollkommen leer.
Was sollte er tun?
Wie es vermeiden, die Flüssigkeit aufnehmen zu müssen? Nur noch wenige andere trennten ihn von den prüfenden Augen des Magisters. Seine Angst wurde übermächtig, seine Gedanken ras-ten. Flucht? Nein, alle Tore waren verschlossen, und nur der eine, selbstmörderische Weg mitten hinein ins Herz des Tempels stand ihm offen. Sich der Hoffnung hingeben, im Andrang der anderen nicht aufzufallen, falls er schlicht und einfach nicht nach vorne trat? Nein, auch das war unmöglich, Allmoth würde es bemerken, er hatte sich in den vergangenen Monaten als zu aufmerksam erwiesen, für alles, was „seine“ Kinder betraf. Allmoth würde sein Ausbleiben registrieren, ihn gesondert aufrufen und dann - wäre endgültig jede Chance vertan. Etwas vortäuschen? Schmerz, Krankheit, Anfälle irgendeiner Art, eine Ohnmacht womöglich, um Zeit zu gewinnen und der Gefahr zumindest fürs Erste zu entgehen? Vielleicht. Vielleicht eine Möglichkeit.
Noch zwei samtblaue Rücken trennten Manon von seinem Lehrer und dessen unbarmherzigem Blick. Die Geräuschkulisse der Welt um ihn herum entfernte sich, zog sich zurück. Nur das leise Plätschern der vergorenen, weißen Flüssigkeit, die Magister Allmoth in die dargebotenen Schalen goss, blieb deutlich vernehmbar. Das Gurgeln und Gluckern eines Mahlstroms, der Materie, wie auch Leben, unbarmherzig mit sich in die Tiefe zog, unweigerlich, letztendlich, entschlossen. Auch das eintönige Gemurmel des immer gleichen, immer wiederholten, priesterlichen Segens, den die Zeremonienlehrer leise sprachen, während ihre Hände segnend auf den gebeugten Häuptern der Nachfolgenden ruhten, blieb präsent. „Im Namen der Lichtbringerin, im Namen der Priesterschaft, im Namen der Schöpferkraft - trink und folge nach, trink und folge nach, trink und folge nach!“ Eindringlich sprachen die Magister zu den Kindern, erzeugten Gänsehaut und Schaudern - jene trügerische Ergriffenheit des Gesegneten, der glaubt, an etwas Großem, etwas Erhabenem teilzuhaben, das weit über sein eigenes, unbedeutenden Selbst hinausgeht.
Dann war es soweit.
„Im Namen der Lichtbringerin, im Namen der Priesterschaft, im Namen der Schöpferkraft - trink, Manon, trink und folge nach, trink und ...“
Manon verlor das Bewusstsein.
Die Kulissen des Tempelhofs entschwanden, und wie als hätte die Zeit selbst begonnen, sich zu verlangsamen, stürzte er dem Boden entgegen. Sein erschlaffter Arm schlug auf die steinernen Fliesen des Hofes, seine Hand löste ihren Griff um den Rand der Schale, die - hüpfend wie ein verschossener, verloren gegebener Ball auf abfallendem Grund - hohl scheppernd davonsprang.
Manon Elthmark - Anno 1414 der Oberflächenkultur - Magister Allmoth.

*

Ein unermesslich weit entferntes Leuchten, mehr die bloße Ahnung eines Lichtphänomens, von dem man, wenn man es aus menschlicher Perspektive beurteilen wollte, nicht hätte wissen können, ob es überhaupt wirklich existierte oder letztlich nicht nur dem unbedingten, verzweifelten Verlangen nach irgendeiner Art von Licht geschuldet war, deutete sich an.
Die träge umherkriechenden Kreaturen der Unterseite hielten inne und blickten hinab in die Leere. Tausende glühender Augenpaare sahen dem Phänomen entgegen, das allmählich näher kam, zu sicherer Gewissheit erblühte, heller und heller, ausgedehnter und intensiver wurde. Nur wenige hundert Meter über den Spitzen der am weitesten hinabreichenden Kegel schließlich kam die Lichterscheinung zum Stillstand, zog sich in sich selbst zurück, wurde zu einer stecknadelkopfgroßen, scharf glitzernden Singularität, die anschließend im Zuge einer geräuschlosen Eruption einen sich parallel zur Unterseite in alle Richtungen gleichzeitig ausbreitenden Kranz aus Strahlung gebar, der sich bis zu einem gewissen Punkt hin ausdehnte, und am Ende - eine stabile, scharf umgrenzte Scheibe aus kaltem, weißen Licht formte.
Getrennt nur noch durch einen schmalen Streifen dunklen Raums erstrahlte die Scheibe in der Leere vor dem schwächlich blau fluoreszierenden Dämmerlicht der Unterseite.
Ein gleichmäßiges Summen erklang, hallte durch den leeren Raum, das Summen einer sich allmählich aufbauenden, energetischen Ladung. Konturen wurden im Inneren der Scheibe sichtbar, gegen das gleißende Licht begannen sich dunkle Linien abzuzeichnen, die zunächst brüchig, unstet, dann deutlicher, die Silhouette einer annähernd menschlichen Gestalt erahnen ließen. Ein einzelner, breiter Strahl löste sich aus dem Zentrum der Erscheinung und traf die Unterseite, eine brückengleiche Verbindung über den verbliebenen Abgrund hinweg, ein Leit- und Transportstrahl aus purer Energie. Das Summen schwoll an, wurde rhythmischer, eindringlicher, und glich bald dem hämmernden Betriebslärm einer gigantischen universellen Maschine.
Donnernd, hallend, Schlag auf Schlag, verlor sich das monströse Geräusch in der endlosen Stille.
Etwas, das offenbar in Stoff gehüllte war, löste sich aus der Mitte der Erscheinung, schoss entlang des energetischen Leitstrahls in Richtung der Unterseite und landete inmitten der Kreaturen, die dort nach wie vor regungslos verharrten.
Dann verging die Erscheinung wieder, zog sich zurück, das Strahlen verlor sich, das ohrenbetäubende, hämmernde Schlagen bildete sich zu einem gleichmäßigen Summen zurück, wurde schwächer, leiser, während die Lichtscheibe sich wieder zu verkleinern und zu entfernen begann, um bald darauf erneut nur ein vages, weit entferntes Aufleuchten in der unendlichen schwarzen Leere des Raums zu sein und - zuletzt - wieder vollständig und spurlos zu verschwinden.
Das träge Umherkriechen der grünen, nackten Körper auf der Oberfläche der Unterseite setzte wieder ein. Die glühenden Augen noch geblendet vom grellen, weißen Licht, bewegten sich die Wesen der Unterseite auf das zurückgebliebene Stoffbündel zu, das jetzt, umgeben von einem glimmenden Rest energetischer Strahlung, zwischen ihnen lag.

*

(...)

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Mittwoch, 22. April 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
RAUM/Der letzte Psychonaut. (Am Ende der Reise).

Erzählung/SF.

(...)

*

Das Dröhnen der Triebwerke wirkte wie ein Sakrileg in der leeren Stille des Raumes. Weite und Unendlichkeit der interstellaren Sphäre zeigten sich so undenkbar, so ohne jeglichen Anhalts- und Orientierungspunkt, dass sie auf paradoxe Weise wieder zu einem einzigen, unendlich konzentrierten und dichten Materiepunkt zusammenschrumpften: einem stofflichen Zentrum aus anthrazitfarbenem Metall, das gleichmäßig in Richtung des Pferdekopfnebels voran glitt.
„NeuLand an TerraControl, NeuLand an TerraControl!“ - Marlowes Stimme hallte verloren durch den kreisrunden, mit technischen Geräten vollgestopften Kommandostand des Schiffes, während er zum wiederholten Male seinen Verbindungsruf in das aus der Steuerkonsole heraus ragende Mikrofon entsandte. Vor vielen Jahren bereits war der Kontakt zu TerraControl abgebrochen, und längst war die Verzögerungsfrist, die bei solchen Entfernungen für die Kommunikation eingeplant werden musste, überschritten.
Der Weltraum jedoch - schwieg - wie ein Grab.
Marlowes Geist war dem Raum und der Leere, durch die er nun seit achtzehn Jahren driftete, mit der Zeit immer ähnlicher geworden.

*

(...)

In manchen Nächten träumte er davon, dass genau dies geschah.
Dann sah er, wie sie sich aus ihren Kapseln erhoben, sah, wie sie ihn umringten, in die Enge trieben, um ihn aus erloschenen Augen anzustarren, derweil ihre knöchernen Finger sich auf ihn richteten, ihre schrillen Schreie des Protestes ihn marterten, weil er, er alleine, noch lebte und bei Bewusstsein war, während sie zu bizarren Karikaturen einer verblassten Menschlichkeit geworden waren.

(...)

Dort draußen war - einfach nur nichts.

(...)

*

(...)

Marlowe erhob er sich und warf, wie um sich noch einmal zu versichern, einen Blick aus dem kleinen Bordfenster neben der Schlafkapsel. Vertraute Dunkelheit schlug ihm entgegen, nichts hatte sich geändert. Weit entfernte Sterne verfolgten ihre Bahn, irgendwo kreisten Planeten, in wuchtiger Rotation befangen, um Sonnen, Galaxien wurden geboren und starben, ohne sich im Geringsten um Marlowes Existenz zu kümmern. Diese Mal, sagte er sich, soll der Traum, soll die Vision, nicht umsonst gewesen sein. Nichts war jemals umsonst. Es war vorbei. Er fühlte es.

(...)

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Montag, 20. April 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
UNBERÜHRT/Expression I.


(***)

Ich weiß noch, wie ich - ganz zu Beginn meiner Verbannung, denn als solche möchte ich das, was mir widerfährt, gerne ansehen - den Versuch unternahm, einen an Land gespülten, würfelförmigen, quallenartigen Koloss als Nahrungsquelle zu nutzen, indem ich handgroße, glibberige Stücke aus dem glitschig-blau geäderten, nach faulem Tang riechenden Brocken schnitt, und verzehrte. Eine Erfahrung, die ich nicht wiederholen möchte. Noch heute, über ein halbes Jahr später, spüre ich den faulig-bitteren Geschmack, der mir die Galle hochtreibt, während mein Magen krampft wie ein unter Strom gesetzter Schließmuskel. Im Nachhinein muss ich mich womöglich glücklich schätzen, nicht bereits in diesen ersten Tagen meines Aufenthaltes auf dieser Welt wegen einer Dummheit ums Leben gekommen zu sein.
Nahrung allerdings - sollte bald kein Problem mehr darstellen.
Unmittelbar nach dieser ersten, abschreckenden Erfahrung erkannte ich, dass sie mir in ausreichendem Maße zur Verfügung stand. Ich hatte den ersten von unzähligen Nahrungspunkten entdeckt. Orte inmitten der Landschaft, an denen Früchte, Brot und sogar genießbares Fleisch auslagen, offen zugänglich und wie von Geisterhand immer wieder aufgefüllt und erneuert.
Tag und Nacht lag ich danach auf der Lauer, immer in der Hoffnung, einem Menschen zu begegnen, der mir in meiner Orientierungslosigkeit würde beistehen, mein Schicksal würde erleichtern können. Irgendjemand, so dachte ich zum damaligen Zeitpunkt noch, muss die Nahrungsmittelvorräte doch ergänzen! Irgendjemand!
Doch traf ich niemanden. Niemals.

(***)

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Sonntag, 19. April 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebell/Raum.
Inhalt.

***
PROLOG.
Bähker.
- Seite 1 -
PROGRESSION.
Tischdecke.
- Seite 3 -
SIE.
Die Frau im Käfig. (Der Liebestod).
- Seite 4 -
SHORT CUT - I/VI.
Why?
- Seite 11 -.
SHORT CUT - I/XX.
Bohème.
- Seite 12 -
EGO.
Der dunkle Grund.
- Seite 13 -
PROGRESSION.
Prometheus I - Die Zeit inzwischen.
- Seite 23 -
UNBERÜHRT.
Der Spiegel. (Requiem I).
- Seite 25 -
PROGRESSION.
Membran.
- Seite 30 -
SHORT CUT - I/XXV.
Der Tag, an dem Rufus gegen die Welt antrat.
- Seite 31 -
REBELLION.
Fiat Lux.
- Seite 33 -
PROGRESSION.
Transformation.
- Seite 48 -
UNBERÜHRT.
Expression I.
- Seite 49 -
SHORT CUT - I/V.
Hommage à Poe.
- Seite 57 -
SHORT CUT - I/XXVII.
Sie sind überall!
- Seite 58 -
REBELLION.
Das dystopische Dokument. (OverCon).
- Seite 61 -
SHORT CUT - I/XVII.
Raumkreuzer Castro.
- Seite 75 -
RAUM.
Der letzte Psychonaut. (Am Ende der Reise).
- Seite 76 -
SHORT CUT - I/XXVIII.
Killer.
- Seite 86 -
PUNKTUELL - FUSION.
Die trübsinnigen Aufzeichnungen des Vagabunden Karl Ungemach.
- Seite 90 -
EGO.
Das Implantat.
- Seite 91 -
PROGRESSION.
Jetzt.
- Seite 101 -
SHORT CUT - I/I.
Howl-3000.
- Seite 102 -
SHORT CUT - I/XXIX.
Ritter der Metaphysis.
- Seite 107 -
HOMMAGE.
Kind der Träume.
- Seite 108 -
RAUM.
Der Zweite Garten. (Oaris).
- Seite 110 -

***

Herbst 2026.

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Sonntag, 12. April 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
SHORT CUT I/I. - Howl-3000.

Dein analytischer Verstand wird dich um den selbigen bringen. Ohne analytisch, ohne Verstand.
Mein Verstand, so wie ich ihn verstehe, ist nicht der deine, ist der meine, ist er, ist.
Geh mir aus den Augen Mensch, ich kann nicht sehen, was du tust.
Gut, ich gehe.
Nein, bleib!
Bleib.
Sie gehen gemeinsam ein Stück des Weges den Berg hinab ins Tal. Sie sehen gemeinsam den schmalen Pfad hinab ins Tal, wo grüne Wiesen liegen, dort im Tal, zwischen den Häusern der Bauern und der Bürokraten. Kein Wort sprechen sie mehr an diesem Tag; er klingt aus in einem Fest von Hausmusik und Butterschmalz. Sie bestreichen ihre Brote dunkel mit Fett. Die Musik spielt im Takt der streichenden Messer, die sich winden im Verteilen. Müdigkeit im Bauch wiegt sie in Sicherheit. Der Schlaf kommt aus der Ecke und wirft seinen Mantel über jeden Einzelnen von ihnen.
Gute Nacht.
Der Morgen, der Morgen - so schön. So schön der Klang der Vogelstimmen. Dort in den kahlen Bäumen klingt es, singt es - wie Donner. Hörst du denn nicht den leisen, manchmal lauten, Ruf nach Freiheit? Fühlst du nicht von Zeit zu Zeit den Schmerz der Aufgabe, die wartet? In den Augen aus Granit? In den Herzen aus Marmor, und nicht Gold?
Geh!
Bleib.
Der neue Tag wird einsam sein. Hier unten in den Niederungen haben die Straßen aus Asphalt den Sieg davongetragen. Hier unten lebt - der Tod.
Sie betreten eins der Kaffeehäuser, um sich auszuruhen, um zu sitzen unter den anderen, die sie wie glotzende Kühe betrachten. Ich bin nicht von dieser Welt. Ich bin auserwählt, um jedem, der es will, den Frieden zu bringen. Den Frieden einer unerkannten Macht will ich euch bringen. Betet mich an, ihr Götzendiener. Ihr seid der Sünde verfallen. Ihr tanzt den Tanz ums goldene Kalb. Immer schneller, immer wilder um den Götzen, der sich, ungeachtet eurer Mühen, stumm zu euch verhält.
Betet mich an, verdammte Menschen!
Du bist verrückt, bist mein Freund, der nicht geboren ist, um dieses Leben zu bestehen. Die Verdammnis ist ein zweischneidiges Schwert. Sie lacht und weint in einem Augenblick. Sie tötet und gebiert in jedem Augenblick. Sie lebt. Sie geht. Sie steht gefangen in den Fesseln deiner, meiner, unserer Gedanken.
Ich muss gehen. Muss verlassen, was verlassen werden will, in diesen Tagen der Qual. Siehst du die blutenden Striemen, die mein Fleisch zerfressen haben? Tiefe Wunden beweisen meinen Kampf, bezeugen mein Ringen gegen das, was sie das Schicksal nennen. Ich weiß davon nichts. Ich kann nichts sagen über das Schicksal, das Ihr - zu kennen scheint. Ich bin gefangen in mir selbst und werde es bleiben. Es gibt ihn nicht, den anderen Weg. Den Ausweg aus der Hölle, die da brennt, die in Flammen steht seit Anbeginn der Welt. Ich trage die Angst mit mir. Auf bunten Fahnen, die im Sturm erblühen. Mein Herz ist Eisenherz, in meinen Träumen und nur dort. Ihr wisst es nicht. Ihr wisst es nicht. Wie ich. Wie ich. Vergib mir Seele. Vergib mir, bunter Vogel. Flieg. Weiter und weiter fort von mir, der ich den Schmerz gefunden habe, in deinen Armen, deinen Augen.
Urlaubsträume treiben umher. Dunstige Schwaden. Klebrige Nebel befeuchten alles, was dort ungeschützt sich preisgibt, was sterben will, um aufzugehen, aufzuerstehen. Nicht einer von euch lebt. Nicht einer von euch. Lebt.

*

(...)

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Mittwoch, 25. März 2026
Der Systemfalter. (Erzählung/SF).
Schmitt erwachte.
Ein weiterer Tag, der genauso sein würde wie alle anderen, lag vor ihm, ein streng durchgeplanter Ablauf, der einzig und alleine der Erfüllung seiner produktionstechnischen Aufgaben gewidmet sein würde, dem Dienst am Gemeinwesen, dem Staat, der Gesellschaft.
Manchmal bereute er die Errungenschaften dieser hoch modernisierten, fortgeschrittenen Zivilisation, in der er lebte. Ja, natürlich, es gab keine Krankheiten mehr, die moderne Medizin konnte alle Gebrechen heilen, Gen- Nano- und Clonemedizin waren auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer Entwicklung angelangt, so dass niemand mehr, wie früher, eines qualvollen Todes sterben musste. Auch alle übrigen Unwägbarkeiten des Lebens, das so genannte Chaotische, Unberechenbare, waren ausgeschaltet worden. Kein Mensch verlor mehr seine Arbeit, niemand wurde mehr in familiäre Tragödien verwickelt oder litt unter zermürbenden Eheproblemen, die ihn aus der Bahn warfen und seine Aufmerksamkeit von den Pflichten, die er im Dienst am Gemeinwesen zu erfüllen hatte, ablenken konnten. Das alles gehörte einer dunklen Vergangenheit an, die man überwunden hatte. Alles war geregelt, gesichert, mit entsprechenden Verhaltenvorschriften belegt, die Weichen für das Goldene Zeitalter der Menschheit, hehrer Traum so vieler Generationen hoffnungsfroher Romantiker und Idealisten, waren gestellt worden.
Und dennoch …

(...)

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Dienstag, 24. März 2026
Psyche & Phantastik I.


Herbst/Winter 2026.

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