Donnerstag, 16. Juli 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
PROLOG./Bähker.

„Schreibe alles auf! Das ist die Aufgabe, welche die Alten dir zugedacht haben.“
So lauteten die Worte, die Bähker immer wieder vernahm, in seinen Träumen, und manchmal sogar mitten am Tag, während ihn eigentlich ganz andere Dinge beschäftigten, jene Dinge nämlich, die seinen Alltag ausmachten - der Broterwerb (eine bedauerliche, aber leider zwingende Notwendigkeit) - die sozialen Kontakte - seine Familie.
Innerlich aber war er weit mehr, als nur ein einfacher Bankangestellter in einer kleinen Filiale im Südwesten Deutschlands, tief in seinem Inneren lebte der Chronist der Zeit, ein Welten- und Dimensionenwanderer, uralt, erfahren und weise.
Noch vor wenigen Jahren hatte er, vielleicht mehr noch, als all die Menschen, denen er seine zweite Identität bis dahin offenbart hatte, an sich selbst und seinen Wahrnehmungen gezweifelt. Denn, - wer in sich zwei Identitäten ausmacht, und dazu neigt, sie beide als real anzuerkennen, der ist nicht mehr weit entfernt von den grauen, trostlosen Ufern einer Diagnose, die ihm das vernichtende Brandzeichen der psychischen Erkrankung auf den Leib brennt. Und so etwas - hing einem ein ganzes Leben lang nach, in Personalakten, Führungszeugnissen, medizinischen Gutachten, die, egal, was auch immer SIE sagen, niemals vernichtet werden, niemals verjähren, sondern sorgfältig aufbewahrt und in entscheidenden Momenten aus abgedunkelten Archiven geholt, und gelesen werden. Gerade in einer Zeit, in der man sich unter Verwendung aller zur Verfügung stehender technischer Mittel darum bemühte, sämtliche Menschen des Planeten zu durchleuchten und final zu kategorisieren, wurde man so etwas nicht mehr los.
Bähker hatte sich am Ende nie dazu hinreißen lassen, einen Psychologen aufzusuchen (eine Tatsache, für die er sich selbst nicht genug beglückwünschen konnte), denn so - war er frei geblieben, frei, zu tun, wonach ihm der Sinn stand, frei, zu gehen, wohin auch immer er zu gehen beabsichtigte.
Und dann, nach dunklen, einsamen und schmerzvollen Stunden, Tagen, Wochen, Monaten und Jahren, begegnete er, in einer heruntergekommenen Kiezkneipe in Berlin, wohin ihn seine Bank für ein weiteres, sinnloses Fortbildungsseminar geschickt hatte, Paul Mennsfeld. Paul hatte ihn ernst genommen, ihm nickend zugehört und immer wieder sein Verständnis bekundet. „Ich weiß, wovon du sprichst.“ - Worte, deren Klang Bähker wie eine Erlösung erschienen waren.
Und so hatte er begonnen, aufzuzeichnen, was der Chronist, der Welten- und Dimensionenwanderer, der er auch war, auf seinen Reisen gesehen und erlebt hatte.

***

... link


Samstag, 6. Juni 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
SHORT CUT - I/VI. - Why?

„Please-call-again-later!“
„Please-call-again-later!“
„Please ... !“.
Verdammter Hund, verdammter.
„Please-call-again-later!“
„Please-call-again-later!“
„Please ... !“.
Sag mir, was du willst, mein Freund. Belüge und betrüge mich, mein Freund.
Doch nein, behilf dir selbst, mein Freund, sei Mann -
und stirb, mein Freund.
„Please-call-again-later!“
„Please-call-again-later!“
„Please ... !“.

THE PERSON YOU ARE CALLING IS NOT AVAILABLE AT THE MOMENT?

PLEASE CALL AGAIN LATER?

WHY?

( „Psyche & Phantastik - Short Cuts I.“)

***

***

* im Original - zentriert.

... link


Samstag, 23. Mai 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
UNBERÜHRT./Expression I.

(...)

*

Amerikanische Piloten, in bemalten Propellermaschinen viel zu spät aufgestiegen, um gegen die rotsonnigen, japanischen Moskitos, die wie berauscht Pearl Harbour ins Visier ihrer Maschinengewehre und Bomben genommen hatten, noch etwas auszurichten. Kreuzförmigen Himmelspfeilen gleich surrten sie über das Meer heran, Formation auf Formation, Maschine auf Maschine, Bombenträger, gelenkt von grimmig dreinblickenden, zu allem entschlossenen, japanischen Fliegern.
Irgendwo weit draußen, auf einer namenlosen Pazifikinsel, die als japanischer Stützpunkt dient, wehte derweil die Flagge der Roten Sonne. Es war eine dieser trostlosen, verlorenen Inseln, die nur wenige Wochen später zum Symbol allumfassender Sinnlosigkeit werden sollten; blutdurchtränkte Landflecken inmitten ewig kümmerloser Wellen; Blut, gescheiterte Hoffnungen und Träume, weinende, klagende Mütter. Fahnenverzierte Särge, die oft nur noch die kläglichen Reste dessen enthielten, was einmal ein Mensch gewesen war.
Jahre später dann - Vietnam: Huren und Hasardeure, Tunnelratten und wahnsinnig gewordene GIs:. „Ami Go Home!“, Propagandakrieg, Medienflut.
Und alles, alles nur gelogen.

*

(...)

... link


Kopfschuss.
*
**
***
****
*****
*******

DAS FORMATIEREN FÜR DEN DRUCK TREIBT MICH IN DEN WAHNSINN!

*******
*****
****
***
**
*

... link


Freitag, 8. Mai 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
RAUM./Der Zweite Garten (Oaris).

Erzählung/SF.

*

(...)

Nun stehe ich hier, blicke zurück, und erinnere mich daran, wie es sich anfühlt, in seine kleinsten Bestandteile zerlegt zu werden. Ein Kribbeln, wie wenn Glieder zu lange der Blutzufuhr entbehren, eine paradoxe Verbindung aus Taubheit und Schmerz, die sich steigert, anschwillt, immer unerträglicher wird …

(...)

Diese fellbekleideten Wesen, dort hinter der energetischen Barriere, schmutzig, primitiv und wild, sollen Menschen sein? Sternenfahrer? Diese Kreaturen, denen außer einem unverständlichen, gutturalen Grunzen nichts zu entlocken ist? Die sich um ihre Feuer drängen und gierig, mit fauligen Zähnen, halbrohe Fleischfasern von bleichen Knochen reißen? Die sich kreischend paaren? Sich um ihrer armseligen Besitztümer und Weibchen willen - gegenseitig töten?
Nur einmal, für einen lächerlich kurzen Moment, überkam mich das Gefühl, dass in diesen Augen, unter diesen vorspringenden Stirn- und Augenwülsten, eine Andeutung dessen vorhanden sein könnte, was einmal gewesen ist. Ein nahezu verschreckt aufglimmender Funke, ein unsicherer Blick in meine Richtung, ein fragiler Glanz, der zumindest annähernd jener Würde gleichkommt, die ich von jenem Menschen, der mich, einst in meinem ersten Garten, in unregelmäßigen Abständen zu besuchen pflegte, gewohnt gewesen bin.
Am Ende bleibt nichts anderes, als auch bezüglich dieses Zweiten Gartens meine Pflicht zu erfüllen, ihn zu pflegen, die Lebewesen in ihm zu umsorgen, auf sie zu achten, sie zu trösten, abzuwarten und - inständig zu hoffen, - dass nichts geschieht.

***

... link