Montag, 29. Dezember 2025
Storyidee.
laghbas, 16:50h
„The Wizards Burden“.
Fantasy/Humoreske.
Sheckley, Asprin.
Fantasy/Humoreske.
Sheckley, Asprin.
... link
Sonntag, 7. Dezember 2025
Baphomet-Sukkubus. (Erzählung - Klassische Phantastik, Gothic, Décadence).
laghbas, 00:03h
Ankunft.
Nun, hier war ich also.
Ich stieg aus der Kutsche, die mich vom nahe gelegenen Dorf herauf nach Harford Manor gebracht hatte. Kaum, dass ich mit den Füßen den Boden berührt und mein Gepäck abgeladen hatte, vernahm ich hinter mir das gellende Schnalzen eines Peitschenhiebs, begleitet von der herrisch-knappen Aufforderung einer alten, versoffenen Stimme, welche die Pferde zum unverzüglichen Aufbruch antrieb. Die Kutsche wendete in einem großen Kreis, flog unangemessen schnell über den hellen, staubigen Kies zurück in Richtung Haupttor des Anwesens, verschwand zwischen den dickstämmigen Bäumen des herbstlichen Parks, ließ mich - alleine zurück.
Das passte zu den Reaktionen, die ich bereits bei meiner Ankunft im Dorf hatte erleben können: meinem Ansinnen, dem Herrn von Harford Manor meine Aufwartung machen zu wollen, waren misstrauische, beinahe ängstliche Blicke gefolgt, ja, gar hatte ich zu fürchten gehabt, den Rest des Weges, das Gepäck im Schweiße meines Angesichts selbst tragend, zu Fuß zurücklegen zu müssen, falls niemand bereit gewesen wäre, für meine Beförderung zu sorgen. Nach wie vor war ich verwundert über dieses Verhalten, schob es aber auf die Verschrobenheit der ländlich-provinziellen Bevölkerung, die ja, wie jeder weiß, oftmals den unverständlichsten Impulsen nachgibt - und sich nichts dabei denkt.
Ich zuckte mit den Schultern und wandte mich um. In meiner Rocktasche trug ich ein Schreiben, das mein früherer Studienkamerad Allan Harford mir vor einigen Wochen hatte zukommen lassen und das der eigentliche Anlass für mein Hiersein war. Zu meinem Bedauern war ich nicht in der Lage gewesen, unmittelbar auf das Schreiben zu reagieren, unaufschiebbare Verpflichtungen in Zusammenhang mit meiner Professorenstelle an der ehrwürdigen Universität in Olford, wo selbst ich das „Institut für Strenge Komparistik“ leite, hatten mich gezwungen, den in seinen Zeilen unmissverständlich erbetenen, dringenden Besuch noch um einige lange Wochen aufzuschieben, Wochen, in denen meine Gedanken aber bereits auf seltsame und, wie ich Ihnen versichern kann, auf für meine Person ganz und gar untypische Art und Weise, mit Allan Harford und dem Inhalt seines Schreibens beschäftigt geblieben waren. Tatsächlich war es mir sogar schwer gefallen, mich noch auf die obligatorischen Jahresabschlussprüfungen zu konzentrieren, die zu jenem Zeitpunkt, an dem mich sein Schreiben erreichte, noch an meinem Institut abzuhalten gewesen waren.
Das Schreiben!
Hastig fuhr ich mit der rechten Hand in die Rocktasche, tastete fahrig nach dem gefalteten Stück Pergament, das sich meiner Ansicht nach darin befinden musste, und erschrak, als ich es nicht sofort finden konnte. Bald jedoch bemerkte ich, dass ich es bereits in der anderen Hand hielt, ich musste es wohl unbewusst aus der Tasche herausgezogen haben. Über mich selbst lächelnd, den Kopf schüttelnd, entfaltete ich, wohl zum hundertsten Male, den Brief und überflog noch einmal die an mich gerichteten Worte. Überspannt klangen sie, die Formulierungen strotzten vor, sagen wir, irritierenden Ausdrücken, deren Bedeutung zu verstehen selbst mir, im Gebrauch von Fremdwörtern nicht unbeschlagen, Schwierigkeiten bereitet hatte. Harford sprach von spiritistischen Themen. Und zwar auf eine durch und durch beängstigende, intensive Weise, so als spräche er von Dingen, an deren Realität es tatsächlich keinen Zweifel geben konnte.
Nun, ich war der angesehene Professor einer der ehrenwertesten Akademien des Landes, und mein Fach, dem ich voll idealistischer Überzeugung anhing, gründete fest im Boden der streng naturwissenschaftlichen Methodik, Physik, Chemie, Biologie, auch Astrophysik, das waren die Gebiete, die ich mittels der Strengen Komparistik erforschte, aus tiefster Überzeugung und von ganzem Herzen.
Ein - wie ich vermutete - weiterer Grund, der dafür verantwortlich war, dass ich nun hier stand.
„Da du ja, wie ich weiß, ein Mann der Rationalität bist, ein kritischer, skeptizistischer Geist, ein selbstreflektierender und objektiv abwägender Beobachter." So, oder so ähnlich, lauteten seine oft in Nebensätzen verborgenen Anspielungen auf meinen philosophischen Standpunkt, und damit, wie mir schien, auf den Gegensatz zwischen dem rationalen, gesunden Menschenverstand (den er offenbar mir zusprach) und jenen fragwürdigen Vorkommnissen, die er in seinem Brief schilderte, und die ihn, wie er meinte, „ganz bis an die Grenzen seiner nervlichen Belastbarkeit“ geführt hätten.
Das alles, hatte, wie Sie jetzt verstehen werden, meine Neugier geweckt, und so war ich endlich aufgebrochen, um Allan Harford, jenem ausgelassenen, lebenstrunkenen Kommilitonen, an den ich mich, trotz der vielen Jahre, in denen wir uns nicht sahen, immer noch eindrücklich erinnern konnte, einen Besuch abzustatten.
(...)
Justine
„Sie sucht mich heim, Tristan, sie verfolgt mich…“, bestürzt bemerkte ich, wie er plötzlich die Hände rang, „… sie quält meinen Geist, zerstört meinen Verstand. Tristan, sie degradiert mich zum Tier! Ich bin nicht mehr Herr meiner selbst, ein Schatten nur, und Tag für Tag, Nacht für Nacht, schreitet mein Verfall voran. Ich sehe in den Spiegel, Tristan, ich suche den Mann, der ich gewesen bin, - ich finde ihn nicht. Was habe ich getan? Mein Gott, was habe ich verbrochen, welcher Sünde habe ich mich schuldig gemacht?“
Noch während er die Worte ausstieß wurde ich Zeuge einer verblüffenden Veränderung. Tatsächlich! Der Mann vor meinen Augen zerfiel. Sein Wesen, seine Ausstrahlung, wurde zu einer offenen Wunde, aus der, viel zu schnell, viel zu viel Blut entwich, seine mit einem Mal von Schatten umlagerten Augen zogen sich weit in ihre Höhlen zurück, sein Antlitz schien, einerseits, in sich zusammenzufallen, andererseits sich ins Unendliche hinaus auszudehnen. Er begann zu zittern, seine Stimme klang ängstlich belegt, während er zwischendurch - wie irre - immer wieder in absurde, irritierende Anfälle selbst verhöhnenden Gelächters ausbrach. „Ich begehre sie,…“, grinste er mich, für einen Moment innehaltend, mit idiotischem Gesichtsausdruck an, „…aber diese Begierde bringt mich um, verstehst du? Sie vernichtet mich. Ich bin versklavt. Von einem Vampir, der mir die Lebenskraft aussaugt, sie, sie, - immer nur SIE!“
Kein Zweifel, ich saß wieder jener menschlichen Ruine gegenüber, die mir am Mittag bei meiner Ankunft auf Harford Manor die Tür geöffnet und mich begrüßt hatte.
Ich stellte mein Glas ab, legte die Zigarre in den Aschenbecher, beugte mich vor und ergriff seine Hand.
Wie ein einstmals stolzes, historisches Gebäude am Ende eines verheerenden Brandes - vernichtet, sackte er daraufhin in sich zusammen und schluchzte leise vor sich hin.
Eine nutz- und sinnlose Ruine.
Schutt.
(...)
Während ich müde in einem der Bände, einem psychologischen Standardwerk zum Thema der Vielfalt religiöser Erfahrung, das ich sehr mochte, zu lesen versuchte, wurde ich der Tatsache gewahr, dass mein Geist immer wieder, wie von selbst, Bilder und Szenerien erschuf, die sich um jene bemitleidenswerte, misshandelte Frau auf Allan Harfords Zeichnungen rankten. Selbst meine äußersten Bemühungen, mich zu konzentrieren und ausschließlich der Lektüre zu widmen, versagten und schienen - ganz im Gegenteil - die magische Anziehungskraft der abweichenden Gedanken nur noch zu verstärken.
Bald fand ich mich inmitten einer erbarmungslosen Schlacht wieder.
Mit nun aller Kraft setzte ich meinen Willen gegen den geistigen Zwang ein, der mich, wie es schien, in meiner Freiheit und Selbstbestimmtheit zu brechen, mich ganz und gar zu überwältigen, zu beherrschen versuchte.
Schließlich gab ich auf, griff nach den Zeichnungen und betrachtet sie.
(...)
Nun, hier war ich also.
Ich stieg aus der Kutsche, die mich vom nahe gelegenen Dorf herauf nach Harford Manor gebracht hatte. Kaum, dass ich mit den Füßen den Boden berührt und mein Gepäck abgeladen hatte, vernahm ich hinter mir das gellende Schnalzen eines Peitschenhiebs, begleitet von der herrisch-knappen Aufforderung einer alten, versoffenen Stimme, welche die Pferde zum unverzüglichen Aufbruch antrieb. Die Kutsche wendete in einem großen Kreis, flog unangemessen schnell über den hellen, staubigen Kies zurück in Richtung Haupttor des Anwesens, verschwand zwischen den dickstämmigen Bäumen des herbstlichen Parks, ließ mich - alleine zurück.
Das passte zu den Reaktionen, die ich bereits bei meiner Ankunft im Dorf hatte erleben können: meinem Ansinnen, dem Herrn von Harford Manor meine Aufwartung machen zu wollen, waren misstrauische, beinahe ängstliche Blicke gefolgt, ja, gar hatte ich zu fürchten gehabt, den Rest des Weges, das Gepäck im Schweiße meines Angesichts selbst tragend, zu Fuß zurücklegen zu müssen, falls niemand bereit gewesen wäre, für meine Beförderung zu sorgen. Nach wie vor war ich verwundert über dieses Verhalten, schob es aber auf die Verschrobenheit der ländlich-provinziellen Bevölkerung, die ja, wie jeder weiß, oftmals den unverständlichsten Impulsen nachgibt - und sich nichts dabei denkt.
Ich zuckte mit den Schultern und wandte mich um. In meiner Rocktasche trug ich ein Schreiben, das mein früherer Studienkamerad Allan Harford mir vor einigen Wochen hatte zukommen lassen und das der eigentliche Anlass für mein Hiersein war. Zu meinem Bedauern war ich nicht in der Lage gewesen, unmittelbar auf das Schreiben zu reagieren, unaufschiebbare Verpflichtungen in Zusammenhang mit meiner Professorenstelle an der ehrwürdigen Universität in Olford, wo selbst ich das „Institut für Strenge Komparistik“ leite, hatten mich gezwungen, den in seinen Zeilen unmissverständlich erbetenen, dringenden Besuch noch um einige lange Wochen aufzuschieben, Wochen, in denen meine Gedanken aber bereits auf seltsame und, wie ich Ihnen versichern kann, auf für meine Person ganz und gar untypische Art und Weise, mit Allan Harford und dem Inhalt seines Schreibens beschäftigt geblieben waren. Tatsächlich war es mir sogar schwer gefallen, mich noch auf die obligatorischen Jahresabschlussprüfungen zu konzentrieren, die zu jenem Zeitpunkt, an dem mich sein Schreiben erreichte, noch an meinem Institut abzuhalten gewesen waren.
Das Schreiben!
Hastig fuhr ich mit der rechten Hand in die Rocktasche, tastete fahrig nach dem gefalteten Stück Pergament, das sich meiner Ansicht nach darin befinden musste, und erschrak, als ich es nicht sofort finden konnte. Bald jedoch bemerkte ich, dass ich es bereits in der anderen Hand hielt, ich musste es wohl unbewusst aus der Tasche herausgezogen haben. Über mich selbst lächelnd, den Kopf schüttelnd, entfaltete ich, wohl zum hundertsten Male, den Brief und überflog noch einmal die an mich gerichteten Worte. Überspannt klangen sie, die Formulierungen strotzten vor, sagen wir, irritierenden Ausdrücken, deren Bedeutung zu verstehen selbst mir, im Gebrauch von Fremdwörtern nicht unbeschlagen, Schwierigkeiten bereitet hatte. Harford sprach von spiritistischen Themen. Und zwar auf eine durch und durch beängstigende, intensive Weise, so als spräche er von Dingen, an deren Realität es tatsächlich keinen Zweifel geben konnte.
Nun, ich war der angesehene Professor einer der ehrenwertesten Akademien des Landes, und mein Fach, dem ich voll idealistischer Überzeugung anhing, gründete fest im Boden der streng naturwissenschaftlichen Methodik, Physik, Chemie, Biologie, auch Astrophysik, das waren die Gebiete, die ich mittels der Strengen Komparistik erforschte, aus tiefster Überzeugung und von ganzem Herzen.
Ein - wie ich vermutete - weiterer Grund, der dafür verantwortlich war, dass ich nun hier stand.
„Da du ja, wie ich weiß, ein Mann der Rationalität bist, ein kritischer, skeptizistischer Geist, ein selbstreflektierender und objektiv abwägender Beobachter." So, oder so ähnlich, lauteten seine oft in Nebensätzen verborgenen Anspielungen auf meinen philosophischen Standpunkt, und damit, wie mir schien, auf den Gegensatz zwischen dem rationalen, gesunden Menschenverstand (den er offenbar mir zusprach) und jenen fragwürdigen Vorkommnissen, die er in seinem Brief schilderte, und die ihn, wie er meinte, „ganz bis an die Grenzen seiner nervlichen Belastbarkeit“ geführt hätten.
Das alles, hatte, wie Sie jetzt verstehen werden, meine Neugier geweckt, und so war ich endlich aufgebrochen, um Allan Harford, jenem ausgelassenen, lebenstrunkenen Kommilitonen, an den ich mich, trotz der vielen Jahre, in denen wir uns nicht sahen, immer noch eindrücklich erinnern konnte, einen Besuch abzustatten.
(...)
Justine
„Sie sucht mich heim, Tristan, sie verfolgt mich…“, bestürzt bemerkte ich, wie er plötzlich die Hände rang, „… sie quält meinen Geist, zerstört meinen Verstand. Tristan, sie degradiert mich zum Tier! Ich bin nicht mehr Herr meiner selbst, ein Schatten nur, und Tag für Tag, Nacht für Nacht, schreitet mein Verfall voran. Ich sehe in den Spiegel, Tristan, ich suche den Mann, der ich gewesen bin, - ich finde ihn nicht. Was habe ich getan? Mein Gott, was habe ich verbrochen, welcher Sünde habe ich mich schuldig gemacht?“
Noch während er die Worte ausstieß wurde ich Zeuge einer verblüffenden Veränderung. Tatsächlich! Der Mann vor meinen Augen zerfiel. Sein Wesen, seine Ausstrahlung, wurde zu einer offenen Wunde, aus der, viel zu schnell, viel zu viel Blut entwich, seine mit einem Mal von Schatten umlagerten Augen zogen sich weit in ihre Höhlen zurück, sein Antlitz schien, einerseits, in sich zusammenzufallen, andererseits sich ins Unendliche hinaus auszudehnen. Er begann zu zittern, seine Stimme klang ängstlich belegt, während er zwischendurch - wie irre - immer wieder in absurde, irritierende Anfälle selbst verhöhnenden Gelächters ausbrach. „Ich begehre sie,…“, grinste er mich, für einen Moment innehaltend, mit idiotischem Gesichtsausdruck an, „…aber diese Begierde bringt mich um, verstehst du? Sie vernichtet mich. Ich bin versklavt. Von einem Vampir, der mir die Lebenskraft aussaugt, sie, sie, - immer nur SIE!“
Kein Zweifel, ich saß wieder jener menschlichen Ruine gegenüber, die mir am Mittag bei meiner Ankunft auf Harford Manor die Tür geöffnet und mich begrüßt hatte.
Ich stellte mein Glas ab, legte die Zigarre in den Aschenbecher, beugte mich vor und ergriff seine Hand.
Wie ein einstmals stolzes, historisches Gebäude am Ende eines verheerenden Brandes - vernichtet, sackte er daraufhin in sich zusammen und schluchzte leise vor sich hin.
Eine nutz- und sinnlose Ruine.
Schutt.
(...)
Während ich müde in einem der Bände, einem psychologischen Standardwerk zum Thema der Vielfalt religiöser Erfahrung, das ich sehr mochte, zu lesen versuchte, wurde ich der Tatsache gewahr, dass mein Geist immer wieder, wie von selbst, Bilder und Szenerien erschuf, die sich um jene bemitleidenswerte, misshandelte Frau auf Allan Harfords Zeichnungen rankten. Selbst meine äußersten Bemühungen, mich zu konzentrieren und ausschließlich der Lektüre zu widmen, versagten und schienen - ganz im Gegenteil - die magische Anziehungskraft der abweichenden Gedanken nur noch zu verstärken.
Bald fand ich mich inmitten einer erbarmungslosen Schlacht wieder.
Mit nun aller Kraft setzte ich meinen Willen gegen den geistigen Zwang ein, der mich, wie es schien, in meiner Freiheit und Selbstbestimmtheit zu brechen, mich ganz und gar zu überwältigen, zu beherrschen versuchte.
Schließlich gab ich auf, griff nach den Zeichnungen und betrachtet sie.
(...)
... link
Donnerstag, 4. Dezember 2025
Gefahr.
laghbas, 18:07h

(12/25)
... link
Samstag, 1. November 2025
Der Geist in der Zelle. (Erzählung/SF).
laghbas, 09:04h
Die Originalaufzeichnungen des Zellenbewohners Ohio-33467.
(Im Anschluss an seinen Selbstmord im Juni 2095 aufgefunden in seiner Zelle).
Ich erhielt meine Zuweisung, und wurde am 24. November 2093 - es war ein für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalter Tag - in meiner Zelle gebracht. Ich trat ein, hinter mir schloss sich unter laut vernehmlichen Geräuschen die stählerne Rundtür, sie verschwand, ohne vom Inneren der Zelle her noch eine Spur ihrer Existenz zu hinterlassen. Ich war glücklich. Auch in diesem entscheidenden Moment zweifelte ich keinen Augenblick an meiner Entscheidung. Endlich war ich der materiellen Welt, mit ihrer unendlichen Mühsal, ihren komplizierten Reglementierungen und Vorschriften, die inzwischen bis in die privatesten Bereiche des Daseins hineinlangten, weitestgehend entkommen, um, zumindest geistig, ein freies, mir selbst zugehöriges Leben zu führen.
Zu meiner allergrößten Freude hatte man mich dem Zellenverband Ohio zugeteilt. Was ich als große Ehre empfand, denn - das Ohio-System hatte große Leistungen hervorgebracht, nicht zuletzt, wie sie ja wissen, die auf der Arbeit des Bewohners O-18184 beruhende „Erste Allgemeingültige Formel des Allgeistes/AFA1“.
Ich blickte mich um.
Die Zelle, in Form eines doppelten Würfels angelegt, bot ein Bett, einen großflächigen Schreibtisch, Bücherregale, den unverzichtbaren Rechner, sowie eine auf den ersten Blick einladend erscheinende Sitzgruppe aus braunem Kunstleder, die um einen niedrigen, rechteckigen Glastisch herum aufgestellt worden war. Alles in allem - so mein erster Eindruck - konnte man sich nicht beschweren.
Unmittelbar begann ich mit der Arbeit.
Ich befreite meine Bücher, die noch in Kisten verpackt im Raum standen, und erstellte im Anschluss eine Liste neuer Literatur, die ich für meine Forschung benötigen würde.
Ich beabsichtigte, mich mathematisch-theologischen Spekulationen zu widmen, mein erklärtes Ziel bestand darin, in Anlehnung an die Arbeit meines Vorbilds O-18184, ein logisch-semantisches System zur Erweiterung der „AFA1“, ihrer logischen Struktur und den entsprechenden, semantischen Zugehörigkeiten zu erschaffen, das, basierend auf jener Methode jüdisch-mystischer Spekulation, die auch O-18184 in seiner Arbeit angewandt hatte, vor allem auch die Möglichkeit neuer praktischer Anwendungen erkunden sollte.
Der erste Tag meines neuen Lebens verging, und erst spät in der Nacht begab ich mich, zufrieden mit mir selbst und meiner Zukunft, zu Bett.
Doch ich kam nicht zur Ruhe.
(...)
(Im Anschluss an seinen Selbstmord im Juni 2095 aufgefunden in seiner Zelle).
Ich erhielt meine Zuweisung, und wurde am 24. November 2093 - es war ein für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalter Tag - in meiner Zelle gebracht. Ich trat ein, hinter mir schloss sich unter laut vernehmlichen Geräuschen die stählerne Rundtür, sie verschwand, ohne vom Inneren der Zelle her noch eine Spur ihrer Existenz zu hinterlassen. Ich war glücklich. Auch in diesem entscheidenden Moment zweifelte ich keinen Augenblick an meiner Entscheidung. Endlich war ich der materiellen Welt, mit ihrer unendlichen Mühsal, ihren komplizierten Reglementierungen und Vorschriften, die inzwischen bis in die privatesten Bereiche des Daseins hineinlangten, weitestgehend entkommen, um, zumindest geistig, ein freies, mir selbst zugehöriges Leben zu führen.
Zu meiner allergrößten Freude hatte man mich dem Zellenverband Ohio zugeteilt. Was ich als große Ehre empfand, denn - das Ohio-System hatte große Leistungen hervorgebracht, nicht zuletzt, wie sie ja wissen, die auf der Arbeit des Bewohners O-18184 beruhende „Erste Allgemeingültige Formel des Allgeistes/AFA1“.
Ich blickte mich um.
Die Zelle, in Form eines doppelten Würfels angelegt, bot ein Bett, einen großflächigen Schreibtisch, Bücherregale, den unverzichtbaren Rechner, sowie eine auf den ersten Blick einladend erscheinende Sitzgruppe aus braunem Kunstleder, die um einen niedrigen, rechteckigen Glastisch herum aufgestellt worden war. Alles in allem - so mein erster Eindruck - konnte man sich nicht beschweren.
Unmittelbar begann ich mit der Arbeit.
Ich befreite meine Bücher, die noch in Kisten verpackt im Raum standen, und erstellte im Anschluss eine Liste neuer Literatur, die ich für meine Forschung benötigen würde.
Ich beabsichtigte, mich mathematisch-theologischen Spekulationen zu widmen, mein erklärtes Ziel bestand darin, in Anlehnung an die Arbeit meines Vorbilds O-18184, ein logisch-semantisches System zur Erweiterung der „AFA1“, ihrer logischen Struktur und den entsprechenden, semantischen Zugehörigkeiten zu erschaffen, das, basierend auf jener Methode jüdisch-mystischer Spekulation, die auch O-18184 in seiner Arbeit angewandt hatte, vor allem auch die Möglichkeit neuer praktischer Anwendungen erkunden sollte.
Der erste Tag meines neuen Lebens verging, und erst spät in der Nacht begab ich mich, zufrieden mit mir selbst und meiner Zukunft, zu Bett.
Doch ich kam nicht zur Ruhe.
(...)
... link
... older stories