Mittwoch, 22. April 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
RAUM/Der letzte Psychonaut. (Am Ende der Reise).

Erzählung/SF.

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Das Dröhnen der Triebwerke wirkte wie ein Sakrileg in der leeren Stille des Raumes. Weite und Unendlichkeit der interstellaren Sphäre zeigten sich so undenkbar, so ohne jeglichen Anhalts- und Orientierungspunkt, dass sie auf paradoxe Weise wieder zu einem einzigen, unendlich konzentrierten, dichten Materiepunkt zusammenschrumpften: einem stofflichen Zentrum aus anthrazitfarbener Titanlegierung, das gleichmäßig in Richtung des Pferdekopfnebels voranglitt.
„NeuLand an TerraControl, NeuLand an TerraControl!“ - Marlowes Stimme hallte verloren durch den kreisrunden, mit technischen Geräten vollgestopften Kommandostand des Schiffes, während er zum wiederholten Male seinen Verbindungsruf in das aus der Steuerkonsole ragende Mikrofon entsandte. Vor vielen Jahren bereits war der Kontakt zu TerraControl abgebrochen, und längst war die Verzögerungsfrist, die bei solchen Entfernungen für die Kommunikation eingeplant werden musste, überschritten. Der Weltraum schwieg wie ein Grab. Während Marlowes Geist, in all den Jahren, dem unendlichen Raum und der Leere, durch die er nun seit achtzehn Jahren driftete, immer ähnlicher geworden war.

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Dort draußen war - einfach nur nichts.

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Sorgfältig vermied er es, durch die Sichtfenster der Kabinen zu sehen, die den Gang säumten, und hielt den Blick starr geradeaus gerichtet. Immer wenn er diesen Weg nahm, verspürte er die gleiche Furcht davor, irgendwann womöglich eine grausige Veränderung im Dasein der anderen Crewmitglieder feststellen zu müssen. Was, wenn ihr Zustand nur eine Phase des Übergangs darstellte, eine Art Verpuppung, während im Inneren der reglosen Hüllen ungeahnte, grausame Metamorphosen vor sich gingen? Was, wenn sie eines Tages wieder erwachen würden? Lebende Tote, mutiert zu einer Daseinsform, von der er sich im Vorhinein nicht die geringste Vorstellung zu machen im Stande war?
In manchen Nächten träumte er davon, dass genau dies geschah.
Dann sah er, wie sie sich aus ihren Kapseln erhoben, sah, wie sie ihn umringten, in die Enge trieben, um ihn aus erloschenen Augen anzustarren, derweil ihre knöchernen Finger sich auf ihn richteten, ihre schrillen Schreie des Protestes ihn marterten, weil er, er alleine, noch lebte und bei Bewusstsein war, während sie zu bizarren Karikaturen einer verdorrten Menschlichkeit geworden waren. Dies waren die Nächte, in denen er schweißgebadet, mit rasendem Herzen aufwachte, nach Atemluft und um sein Leben rang, bevor er, irgendwann vielleicht, wieder einschlief, nur um anschließend erneut in Albträume zu versinken. Gelang ihm das nicht, so lag er über Stunden wach und grübelte darüber nach, wie das alles angefangen hatte, wie es soweit hatte kommen können.

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Marlowe erhob sich und warf, wie um sich noch einmal zu versichern, einen Blick aus dem kleinen Bordfenster neben der Schlafkapsel. Vertraute Dunkelheit schlug ihm entgegen, nichts hatte sich geändert. Weit entfernte Sterne verfolgten ihre Bahn, irgendwo kreisten Planeten in wuchtiger Rotation befangen um Sonnen, Galaxien wurden geboren und starben, ohne sich im Geringsten um seine Existenz zu kümmern. Diese Mal, sagte er sich, soll der Traum, soll die Vision, nicht umsonst gewesen sein. Nichts war jemals umsonst. Es war vorbei. Er fühlte es. Warum leiden, angesichts der absoluten Hoffnungslosigkeit? Warum sich immer wieder nach dorthin zurücksehnen, wohin er niemals mehr würde gelangen können?

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