Mittwoch, 29. April 2026
Psyche & Phantastik I. - Ego/Rebellion/Raum.
REBELLION./Aus dem Nichts. (Downside).

Erzählung/FANTASY.

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Zum Zeitpunkt unserer Geschichte, im Jahr Eintausendvierhundertvierzehn der Oberfläche, bekleidet der ehrwürdige Mennochus das höchste Amt der Priesterschaft. Wir sehen ihn im Audienzsaal des Haupttempels, im abendlichen Halbdunkel, gewandet in den rostroten Talar mit dem bronzefarbenen Zeichen der abstrahierten Flamme auf seiner Brust, dem Symbol seines Ordens. Die wichtigste Insignie seines Amtes, das priesterliche Zepter, auf dessen Spitze ein glimmender Unterseitenkristall prangt, ruht ganz am Ende des Saals auf einem schmucklosen Beistelltisch neben dem Thron, eingehüllt in Tücher aus grünem Brokat.
„Herr, warum willst du Veränderung?“
Die Stimme des Höchsten Priesters hallt verloren durch die Weite des Saals. „Du sprichst zu mir, und ich weiß nicht, ist es Segen oder Fluch, mit dem du mich belegst. Deine Worte, so gewaltig, so kraftvoll, sie weisen mich an, aber ich bin nur ein Mensch und ich weiß nichts. Kann ich denn tatsächlich etwas für dich tun? Ich, Mennochus, so gering, nicht mehr als nur ein Sandkorn in den unschätzbaren Wüsten deiner Schöpfung?“
Für einen kurzen Moment, in dem er den Kopf wie zerschlagen sinken, seinen Blick zu Boden auf die groben, viereckigen Steinplatten fallen lässt, schweigt der Höchste Priester, bevor er - leiser, verzweifelter jetzt - seine Klage fortsetzt. „Warum? Warum, mein Gott, ist keines deiner Worte jemals klar, jemals eindeutig und leicht verständlich? Warum quälst du mich durch meinen freien Willen und überlässt mir die Wahl? Warum willst du Veränderung? Bist du ein Gott der Veränderung, ein Gott des Wandels? Ist das dein Wesen? Und bin ich - ein Werkzeug dieser Kraft?“
Wieder, nicht zum ersten Mal an diesem Abend, entrang sich ein gequältes Stöhnen seiner Kehle.
“Warum, warum nur - kann nichts bleiben? Unsere Welt verändert sich, ich weiß es aus den Träumen, den Eingebungen, die du mir schenkst. Ein Umbruch steht bevor, und mir - Mennochus - ist eine Rolle dabei zugedacht. So ist es doch, Herr, oder nicht? Ich bitte dich, gib mir Sicherheit, lass mich wissen, ob es so ist. Weise mir meine Rolle zu, damit ich das Richtige tue und dir diene.“
Der hagere Priester verstummt erneut.
Müden Auges tritt er an den aus einem einzigen Stück Fels geschlagenen Thron, zu dem ihn sein Weg durch den Audienzsaal geführt hat, lässt sich nieder, und versinkt in tiefes, grüblerisches Sinnen.


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Ein weit entferntes Leuchten, mehr die bloße Ahnung eines Lichtphänomens, von dem man, wenn man es aus menschlicher Perspektive beurteilen wollte, nicht hätte wissen können, ob es überhaupt existierte oder letztlich nur dem unbedingten, verzweifelten Verlangen nach irgendeiner Art von Licht geschuldet war, deutete sich an.
Die träge umherkriechenden Kreaturen der Unterseite hielten inne und blickten hinab in die Leere. Tausend glühende Augenpaare sahen dem Lichphänomen entgegen, das allmählich näher kam, zu sicherer Gewissheit erblühte, heller und heller, ausgedehnter und intensiver wurde.
Nur wenige hundert Meter unter den Spitzen der am weitesten hinabreichenden Kegel kam das Lichtphänomen zum Stillstand, zog sich in sich selbst zurück, wurde zu einer unendlich dichten, messerscharf glitzernden Singularität, welche anschließend, im Zuge einer geräuschlosen Eruption, einen sich parallel zur Unterseite ausbreitenden Kranz aus Strahlung gebar, der sich weiter und weiter vergrößerte, um - am Ende - eine stabile, scharf umgrenzte Scheibe aus kaltem, weißen Licht zu formen.

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Der weiter protokollarische Ablauf des Tages sah nun, im Anschluss an die Anrufung durch den Höchsten Priester, die Ausgabe der geheiligten Flüssigkeit vor. Das Holztor unter dem Balkon, auf dem Mennochus noch vor wenige Minuten gestanden hatte, öffnete sich und spuckte eine geschäftige Wolke niederer Priester aus, die große, mit tönernen Amphoren beladene Holzkarren in den Hof schoben.
Die Zeremonienlehrer der einzelnen Gruppen setzten sich in Bewegung. Unter den vielfältigen Bannern ihrer Gruppen, einem über ihren Köpfen auf und ab tanzenden Pulk naiv gemalter, bunter Symbole, versammelten sie sich um die Karren, und kehrten schließlich, schwere, mit Heiliger Flüssigkeit gefüllte Amphoren tragend, zu ihren Zöglingen zurück.
Die Kinder wühlten in den Taschen und zogen ihre Trinkschalen hervor. Die schmucklosen Holzgefäße waren mit ihren Namen, den Namen ihrer Lehrer und dem Jahrgang der Nachfolge versehen; ihr ganzes Leben lang würden sie diese Schalen von nun an mit sich tragen: eine Reliquie, die zu verlieren oder zu beschädigen als Unglück bringendes Omen galt, weil niemand mehr jemandem vertraute, der während der täglichen, privaten Riten der Einnahme die Lichtbringerin nicht aus seiner eigenen, namens- und datumsverzierten Schale zu sich nahm.
Manon fand die Schale in der Innentasche seiner Jacke, kramte sie hervor und starrte auf die eingebrannten Schriftzeichen. Manon Elth-Mark - Im Jahr 1414 der Oberfläche - Magister Allmoth.

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