Montag, 13. November 2023
Kristallwelt (Henry und June/Erzählung/SF) - Part II.
laghbas, 09:36h
(...)
Unter brummenden Motorengeräuschen ließ er das Stadtzentrum hinter sich und gelangte an die Auffahrt zu der in den östlichen Stadtbezirken gelegenen Universität. Es war der Ort, an dem er sich mit Eloise verabredet hatte. Er sah sich um und bemerkte ihre Gestalt in einiger Entfernung vor dem Campustor - eine elegante, spielpuppenartige Erscheinung, die größer und größer wurde, je näher er kam.
Sie war bezaubernd.
Immer schon war er von ihrer Erscheinung wie geblendet gewesen. Auch heute verhielt es nicht anders: ein mit schwarzen Symbolen gespicktes, metallic-silbernes Tuch, das nur wenige, ungezähmte Strähnen ihres brünetten Haars über der Stirn freiließ, bedeckte ihren leicht seitlich geneigten Kopf, sie glich einer der vergangenen, europäischen Königinnen, deren zeitloser Stil ihnen allen aus den Pflichtprogrammen des staatlichen Bildungsfernsehens bekannt war.
Finn hielt an, und mit der Umdrehung des Zündschlüssels im Schloss verstummte auch die Musik. Er öffnete die Tür, stieg aus, ging auf Eloise zu und - verharrte, als plötzlich hinter den Natursteinmauern, zwischen denen das schmiedeeiserne Tor der Universität verhängt war, zwei Fremde hervortraten: eine ungepflegte, männliche Gestalt in Begleitung einer billig wirkenden Blondine, deren Brüste unter dem hellblauen, viel zu engen Häkelpulli wie Styroporkugeln hervorstießen.
Nur wenig später, noch ehe er den Schock verdaut und seine Überraschung zu Ende überspielt hatte, befand er sich bereits wieder auf dem Rückweg zum Wagen, fühlte sich desillusioniert, nicht jedoch letztgültig entmutigt. „Henry und June…“, so hatte Eloise die beiden in einer lässigen Geste vorgestellt, „…würden gerne mit uns kommen!“ Und, gefolgt von einem Augenaufschlag: „Sie haben sich kürzlich dazu entschieden, den ewigen Bund fürs Leben zu schließen!“
Doch auch damit hatte das Unglück noch nicht wirklich begonnen. Der entscheidende Satz sollte noch folgen: „Lass doch Henry ans Steuer!“, hatte sie noch hinzugefügt und dabei erneut auf den zotteligen Hünen und seine Verlobte neben sich gedeutet, „Vielleicht können wir beide dann ein wenig rummachen, hinten auf dem Rücksitz!“.
Damit hatte sie gelächelt, schlangengleich.
Finn fand nicht mehr die Zeit, seiner Entscheidung logisch auf den Grund zu gehen oder über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Wichtige Teile seiner kognitiven Funktionen bis hinein in die tief verkapselten Areale seines amphibischen Stammhirns quittierten den Dienst und begaben sich zur Ruhe, während zugleich ein Kurzschluss - irgendwo in den Verklebungen seiner ins Leere feuernden Synapsen - ihn dazu veranlasste, das Angebot sofort und augenblicklich anzunehmen. Und so - verschlungene Wege des Schicksals - begriff er erst viel zu spät, dass der langhaarige Typ, der jetzt hinter dem Lenkrad saß und seinen Sportwagen steuerte, völlig zugedröhnt und damit - vollkommen fahruntauglich sein musste.
(...)
Unter brummenden Motorengeräuschen ließ er das Stadtzentrum hinter sich und gelangte an die Auffahrt zu der in den östlichen Stadtbezirken gelegenen Universität. Es war der Ort, an dem er sich mit Eloise verabredet hatte. Er sah sich um und bemerkte ihre Gestalt in einiger Entfernung vor dem Campustor - eine elegante, spielpuppenartige Erscheinung, die größer und größer wurde, je näher er kam.
Sie war bezaubernd.
Immer schon war er von ihrer Erscheinung wie geblendet gewesen. Auch heute verhielt es nicht anders: ein mit schwarzen Symbolen gespicktes, metallic-silbernes Tuch, das nur wenige, ungezähmte Strähnen ihres brünetten Haars über der Stirn freiließ, bedeckte ihren leicht seitlich geneigten Kopf, sie glich einer der vergangenen, europäischen Königinnen, deren zeitloser Stil ihnen allen aus den Pflichtprogrammen des staatlichen Bildungsfernsehens bekannt war.
Finn hielt an, und mit der Umdrehung des Zündschlüssels im Schloss verstummte auch die Musik. Er öffnete die Tür, stieg aus, ging auf Eloise zu und - verharrte, als plötzlich hinter den Natursteinmauern, zwischen denen das schmiedeeiserne Tor der Universität verhängt war, zwei Fremde hervortraten: eine ungepflegte, männliche Gestalt in Begleitung einer billig wirkenden Blondine, deren Brüste unter dem hellblauen, viel zu engen Häkelpulli wie Styroporkugeln hervorstießen.
Nur wenig später, noch ehe er den Schock verdaut und seine Überraschung zu Ende überspielt hatte, befand er sich bereits wieder auf dem Rückweg zum Wagen, fühlte sich desillusioniert, nicht jedoch letztgültig entmutigt. „Henry und June…“, so hatte Eloise die beiden in einer lässigen Geste vorgestellt, „…würden gerne mit uns kommen!“ Und, gefolgt von einem Augenaufschlag: „Sie haben sich kürzlich dazu entschieden, den ewigen Bund fürs Leben zu schließen!“
Doch auch damit hatte das Unglück noch nicht wirklich begonnen. Der entscheidende Satz sollte noch folgen: „Lass doch Henry ans Steuer!“, hatte sie noch hinzugefügt und dabei erneut auf den zotteligen Hünen und seine Verlobte neben sich gedeutet, „Vielleicht können wir beide dann ein wenig rummachen, hinten auf dem Rücksitz!“.
Damit hatte sie gelächelt, schlangengleich.
Finn fand nicht mehr die Zeit, seiner Entscheidung logisch auf den Grund zu gehen oder über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Wichtige Teile seiner kognitiven Funktionen bis hinein in die tief verkapselten Areale seines amphibischen Stammhirns quittierten den Dienst und begaben sich zur Ruhe, während zugleich ein Kurzschluss - irgendwo in den Verklebungen seiner ins Leere feuernden Synapsen - ihn dazu veranlasste, das Angebot sofort und augenblicklich anzunehmen. Und so - verschlungene Wege des Schicksals - begriff er erst viel zu spät, dass der langhaarige Typ, der jetzt hinter dem Lenkrad saß und seinen Sportwagen steuerte, völlig zugedröhnt und damit - vollkommen fahruntauglich sein musste.
(...)
... link
Freitag, 10. November 2023
Aufgerüstet: I/Flucht (Fragmente).
laghbas, 05:27h
Jetzt, in diesem Moment, in dem er auf einem Stein saß und den kläglichen Rest Fleisch von einem schmutzigen Knochen nagte, verfluchte er alles, was ihm zugestoßen war: den Umstand, dass er zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen war, das Weltentor – einfach alles. Früher hätte man ihn einen glücklichen, einen ganz normalen Mollock nennen können, auch wenn ihm das zu jener Zeit nicht bewusst gewesen war. Er hatte zufrieden vor sich hingelebt, Menschen gejagt, ihr süßlich-rotes Fleisch verzehrt und damit das Bild eines respektablen Mitglieds seines Stammes abgegeben. Alles war also in Ordnung gewesen, bis zu jenem Tag in den Wäldern, an dem der seltsame Fremde aufgetaucht war, eine lächerliche Erscheinung in einem klobigen Anzug, mit einem gigantisch erscheinenden Helm über dem Kopf - eine zwingend notwendige Vorrichtung, um die Leere zwischen den Welten zu überwinden, wie Olmo inzwischen wusste.
Er erinnerte sich noch genau an die Worte, die er und das seltsame Wesen miteinander gewechselt hatten.
„Sei gegrüßt, mythisches Wesen einer unbekannten Welt“, hatte die Gestalt ihn - ein wenig zu pathetisch, wie Olmo damals fand - begrüßt und ihm dabei die behandschuhte Pranke entgegengestreckt.
„Ach, wäre ich nur davongelaufen“, seufzte Olmo, für einen Augenblick aus seinen Erinnerungen in die Gegenwart zurückgeworfen, wobei er den inzwischen restlos abgenagten Knochen wie nebenbei ins Feuer warf, „dann wäre das alles nicht passiert.“
Doch Jammern, das wusste er selbst am besten, half nichts. Es war zu spät. Die Vergangenheit war nicht zu ändern.
Die pure Neugier hatte ihn seinerzeit dazu getrieben, auf den Kontaktversuch des Fremden einzugehen. Stumm hatte er zunächst dabei zugesehen, wie der Mensch, als der er nach und nach erkennbar wurde, seinen schmächtigen Körper aus der voluminösen Hülle geschält und sich von diversen Gerätschaften, die größtenteils auf seinem Rücken befestigt gewesen waren, befreit hatte. Dann waren sie ins Gespräch gekommen. Zu Olmos größtem Erstaunen, hatte der Fremde seine Sprache beherrscht. Ebenfalls eine Tatsache, die er sich mittlerweile zu erklären wusste, denn schließlich war es aus irgendeinem Grund einfach völlig normal, dass ein Weltenreisender, sobald er den Übergang bewältigt hatte, die Sprache der jeweiligen Sphäre, die er betrat, automatisch beherrschte.
Und darüber hinaus hatte das ganze ja auch umgekehrt funktioniert.
Ja, Olmo selbst war bereits einmal in eine andere Welt gereist, hatte selbst einen jener merkwürdig unförmigen Anzüge getragen und war dem Fremden durch die schwarze Leere, die wie ein dunkles Nichts gewesen war, in dessen Welt gefolgt.
„Ach, wenn mir der Anzug doch ein Stück zu klein gewesen wäre, sodass ich ihn nicht hätte tragen können.“, seufzte Olmo erneut und erhob sich von seinem Stein, um das Feuer zu löschen.
Während er über die Feuerstelle urinierte und dem von wütendem Zischen begleiteten Plätschern lauschte, das er hervorrief, drifteten seine Gedanken wieder in die Vergangenheit ab.
Wie ungewöhnlich war doch diese Welt gewesen, in die er hinübergewechselt war. Völlig anders als FantasyIsland. Glänzende Städte aus Metall und Glas hatte es dort gegeben und Menschen, Menschen, Menschen – so viele, dass man sie wohl kaum hätte zählen und erst recht nicht alle jemals hätte verspeisen können.
Besonders dieser Umstand hatte Olmo mehr als alles andere verunsichert, denn das dünnhäutige Volk war ihm bis zu diesem Zeitpunkt nur als schwach bekannt gewesen, wenig intelligent und nur in begrenzter Anzahl vorhanden. Hier, auf FantasyIsland, waren sie nicht mehr als eine leichte Beute, eine bequeme Nahrungsquelle, nicht nur für Mollocks, wie ihn, nein, auch für die Zyklopen und die Rocks, die ebenfalls ganz versessen auf ihr zartes Fleisch waren.
Das Feuer erlosch, und Olmo machte sich auf den Weg zu der Felsenklippe, die ihm in den vergangenen Tagen, in denen er hier gelagert hatte, als Aussichtspunkt gedient hatte. Ein steil nach oben vorspringender Fels, von dem aus er den Talkessel, welcher den einzigen Zugangsweg zu den Bergwäldern, in denen er sich versteckt hielt, darstellte, in seiner Gesamtheit überblicken konnte.
Unterwegs versuchte er ein weiteres Mal die nutzlosen Gedanken an die Vergangenheit zu verdrängen, aber es war nicht einfach. Seit der Aufrüstung funktionierte sein Verstand außergewöhnlich präzise, und so standen ihm seine Erinnerungen stets beängstigend plastisch vor Augen, wann immer er sie abrief oder zufällig mit ihnen konfrontiert wurde. Was haben sie mir nicht alles versprochen, dachte er, während er zielstrebig den steilen Abhang weiter hinaufstieg, Macht, Einfluss, eine führende Stammesposition - Verlockungen, denen er nicht hatte widerstehen können. Wer schließlich träumte nicht von Macht und Reichtum oder den vielen, üppig ausgestatteten Mollockmädchen, die sich unvermeidlich um einen Helden, der in unbekannte Welten gereist war, reißen würden? Alles Illusion, alles Lug und Trug, dachte Olmo noch, bevor es ihm endlich doch gelang, die Vergangenheit für eine Weile hinter sich zu lassen.
Mühsam kletterte er die letzten Meter hinauf auf den hoch gelegenen Felsvorsprung. Die gewaltigen Silhouetten der Rocks kreisten am wolkenlos blauen Himmel, das gleißende Sonnenlicht des Mittags zwang ihn, die behaarte Hand an die vorspringenden Augenwülste zu legen, um sie für einen Moment zu beobachten, bevor er seine Aufmerksamkeit auf den unter ihm gelegenen Talkessel richtete.
Der etwa sechs Meilen breite Kessel lag still und friedlich zwischen den grau aufragenden Felswänden, ein im Sonnenlicht glitzernder Bachlauf, der sich zwischen Grasmatten und kleinen Baumgruppen aus dunklem Tann hindurchschlängelte, teilte ihn der Länge nach.
Dann sah er sie.
Zunächst war er sich nicht sicher. Womöglich handelte es sich ja auch nur um eine Herde wilder Bergziegen, die das fruchtbare Höhental als Futterplatz nutzte. Dann jedoch gab es plötzlich keinen Zweifel mehr: der dunkle Pulk vorwärts drängender Punkte in der Ferne ergoss sich wie eine Lawine durch den schmalen Zugang am anderen Ende des Tals. Mollocks.
Olmo fluchte.
Fünf oder sechs Stunden - mehr Zeit blieb ihm nicht. Er musste das Tor finden - so schnell wie möglich.
Kurz wägte er die Möglichkeiten ab, die ihm noch blieben.
Natürlich wäre es möglich, immer weiter hinauf in die Berge zu flüchten, aber je höher er kommen würde, daran bestand kein Zweifel, umso schwerer würde es werden, zu überleben. Nicht nur die Kälte bereitete ihm Sorgen, nein, auch Nahrung würde, sobald er über eine gewisse Grenze hinausgelangte, nur noch schwer zu finden sein.
Er wandte sich ab und kletterte von seinem Aussichtpunkt hinab. Zwei Stunden Wegstrecke lagen noch vor ihm, ehe er an die Stelle gelangen würde, an der er das Weltentor letztmalig durchschritten hatte - damals, anlässlich seiner Rückkehr aus der Welt der Menschen.
(...)
Er erinnerte sich noch genau an die Worte, die er und das seltsame Wesen miteinander gewechselt hatten.
„Sei gegrüßt, mythisches Wesen einer unbekannten Welt“, hatte die Gestalt ihn - ein wenig zu pathetisch, wie Olmo damals fand - begrüßt und ihm dabei die behandschuhte Pranke entgegengestreckt.
„Ach, wäre ich nur davongelaufen“, seufzte Olmo, für einen Augenblick aus seinen Erinnerungen in die Gegenwart zurückgeworfen, wobei er den inzwischen restlos abgenagten Knochen wie nebenbei ins Feuer warf, „dann wäre das alles nicht passiert.“
Doch Jammern, das wusste er selbst am besten, half nichts. Es war zu spät. Die Vergangenheit war nicht zu ändern.
Die pure Neugier hatte ihn seinerzeit dazu getrieben, auf den Kontaktversuch des Fremden einzugehen. Stumm hatte er zunächst dabei zugesehen, wie der Mensch, als der er nach und nach erkennbar wurde, seinen schmächtigen Körper aus der voluminösen Hülle geschält und sich von diversen Gerätschaften, die größtenteils auf seinem Rücken befestigt gewesen waren, befreit hatte. Dann waren sie ins Gespräch gekommen. Zu Olmos größtem Erstaunen, hatte der Fremde seine Sprache beherrscht. Ebenfalls eine Tatsache, die er sich mittlerweile zu erklären wusste, denn schließlich war es aus irgendeinem Grund einfach völlig normal, dass ein Weltenreisender, sobald er den Übergang bewältigt hatte, die Sprache der jeweiligen Sphäre, die er betrat, automatisch beherrschte.
Und darüber hinaus hatte das ganze ja auch umgekehrt funktioniert.
Ja, Olmo selbst war bereits einmal in eine andere Welt gereist, hatte selbst einen jener merkwürdig unförmigen Anzüge getragen und war dem Fremden durch die schwarze Leere, die wie ein dunkles Nichts gewesen war, in dessen Welt gefolgt.
„Ach, wenn mir der Anzug doch ein Stück zu klein gewesen wäre, sodass ich ihn nicht hätte tragen können.“, seufzte Olmo erneut und erhob sich von seinem Stein, um das Feuer zu löschen.
Während er über die Feuerstelle urinierte und dem von wütendem Zischen begleiteten Plätschern lauschte, das er hervorrief, drifteten seine Gedanken wieder in die Vergangenheit ab.
Wie ungewöhnlich war doch diese Welt gewesen, in die er hinübergewechselt war. Völlig anders als FantasyIsland. Glänzende Städte aus Metall und Glas hatte es dort gegeben und Menschen, Menschen, Menschen – so viele, dass man sie wohl kaum hätte zählen und erst recht nicht alle jemals hätte verspeisen können.
Besonders dieser Umstand hatte Olmo mehr als alles andere verunsichert, denn das dünnhäutige Volk war ihm bis zu diesem Zeitpunkt nur als schwach bekannt gewesen, wenig intelligent und nur in begrenzter Anzahl vorhanden. Hier, auf FantasyIsland, waren sie nicht mehr als eine leichte Beute, eine bequeme Nahrungsquelle, nicht nur für Mollocks, wie ihn, nein, auch für die Zyklopen und die Rocks, die ebenfalls ganz versessen auf ihr zartes Fleisch waren.
Das Feuer erlosch, und Olmo machte sich auf den Weg zu der Felsenklippe, die ihm in den vergangenen Tagen, in denen er hier gelagert hatte, als Aussichtspunkt gedient hatte. Ein steil nach oben vorspringender Fels, von dem aus er den Talkessel, welcher den einzigen Zugangsweg zu den Bergwäldern, in denen er sich versteckt hielt, darstellte, in seiner Gesamtheit überblicken konnte.
Unterwegs versuchte er ein weiteres Mal die nutzlosen Gedanken an die Vergangenheit zu verdrängen, aber es war nicht einfach. Seit der Aufrüstung funktionierte sein Verstand außergewöhnlich präzise, und so standen ihm seine Erinnerungen stets beängstigend plastisch vor Augen, wann immer er sie abrief oder zufällig mit ihnen konfrontiert wurde. Was haben sie mir nicht alles versprochen, dachte er, während er zielstrebig den steilen Abhang weiter hinaufstieg, Macht, Einfluss, eine führende Stammesposition - Verlockungen, denen er nicht hatte widerstehen können. Wer schließlich träumte nicht von Macht und Reichtum oder den vielen, üppig ausgestatteten Mollockmädchen, die sich unvermeidlich um einen Helden, der in unbekannte Welten gereist war, reißen würden? Alles Illusion, alles Lug und Trug, dachte Olmo noch, bevor es ihm endlich doch gelang, die Vergangenheit für eine Weile hinter sich zu lassen.
Mühsam kletterte er die letzten Meter hinauf auf den hoch gelegenen Felsvorsprung. Die gewaltigen Silhouetten der Rocks kreisten am wolkenlos blauen Himmel, das gleißende Sonnenlicht des Mittags zwang ihn, die behaarte Hand an die vorspringenden Augenwülste zu legen, um sie für einen Moment zu beobachten, bevor er seine Aufmerksamkeit auf den unter ihm gelegenen Talkessel richtete.
Der etwa sechs Meilen breite Kessel lag still und friedlich zwischen den grau aufragenden Felswänden, ein im Sonnenlicht glitzernder Bachlauf, der sich zwischen Grasmatten und kleinen Baumgruppen aus dunklem Tann hindurchschlängelte, teilte ihn der Länge nach.
Dann sah er sie.
Zunächst war er sich nicht sicher. Womöglich handelte es sich ja auch nur um eine Herde wilder Bergziegen, die das fruchtbare Höhental als Futterplatz nutzte. Dann jedoch gab es plötzlich keinen Zweifel mehr: der dunkle Pulk vorwärts drängender Punkte in der Ferne ergoss sich wie eine Lawine durch den schmalen Zugang am anderen Ende des Tals. Mollocks.
Olmo fluchte.
Fünf oder sechs Stunden - mehr Zeit blieb ihm nicht. Er musste das Tor finden - so schnell wie möglich.
Kurz wägte er die Möglichkeiten ab, die ihm noch blieben.
Natürlich wäre es möglich, immer weiter hinauf in die Berge zu flüchten, aber je höher er kommen würde, daran bestand kein Zweifel, umso schwerer würde es werden, zu überleben. Nicht nur die Kälte bereitete ihm Sorgen, nein, auch Nahrung würde, sobald er über eine gewisse Grenze hinausgelangte, nur noch schwer zu finden sein.
Er wandte sich ab und kletterte von seinem Aussichtpunkt hinab. Zwei Stunden Wegstrecke lagen noch vor ihm, ehe er an die Stelle gelangen würde, an der er das Weltentor letztmalig durchschritten hatte - damals, anlässlich seiner Rückkehr aus der Welt der Menschen.
(...)
... link
Montag, 30. Oktober 2023
Schachtelstadt - I/Torhaus (Kurzroman/Fantasy).
laghbas, 17:23h
„Ich denke, es wird Zeit, die Dinge miteinander zu vermischen.“
Mehr brauchte ich nicht zu sagen, denn wir alle wissen, oder sollten wissen, dass, wenn der Moment, das Momentum, die Zeit für etwas gekommen ist, keine Macht der Welt mehr imstande ist, die Sache aufzuhalten, keine.
Das gedrungene Warzenschwein mit den Riesenhauern, die aufwärts gekrümmt seine Lefzen teilten, sah mich regungslos an. Ich wiederholte meine Worte nicht, warum auch? Der tief in den glasigen Knopfaugen meines Gegenübers aufglimmende Funke tat mir die erzielte Wirkung bereits in ausreichendem Maße kund.
Hinter mir, in der Schlange der Wartenden, die - wie ich - Einlass in die Stadt begehrten, wurde es unruhig. Ohne mich umzudrehen oder sonst in irgendeiner Weise zu reagieren, vernahm ich das Gezeter der Bauersfrauen mit den großen, geflochtenen Weidenkörben auf den gekrümmten Schultern, hier und da wurden die knurrenden Stimmen einzelner Bauern laut, die – zwischen Ausspucken, Schnäuzen, Rülpsen und Furzen – unwillige Unmutsäußerungen von sich gaben.
Endlich kam Leben in den Torwächter.
Mit einem kehligen Grunzen machte er seinen Mitwächter auf sich aufmerksam, wies ihn an, die Vertretung zu übernehmen, und verschwand durch einen schmalen, für seinen Körper beinahe zu engen Durchgang in der Mauer hinter sich. Ich vernahm noch seine schweren Tritte auf der Holztreppe, die im Inneren des Stadttores nach oben führen musste, dann war es wieder an der Zeit zu warten.
Gelangweilt beobachtete ich den zweiten Torwächter, der inzwischen damit begann, die Wartenden an mir vorbei zu lotsen, sie zügig abzufertigen, einzulassen oder ihnen den Einlass zu verweigern, offensichtlich gerade so, wie es ihm in den Sinn kam. Ich zumindest, für meinen Teil, konnte seinen Entscheidungen nicht die geringste Spur von Methodik oder System abringen, seine Auswahl gestaltete sich völlig willkürlich.
Nach einer Weile vernahm ich erneut das Poltern schwerer Tritte aus dem Torhaus und Sekunden später trat, mit einem einzigen, weit ausladenden Schritt, mein mir bereits vertrauter Torwächter wieder hinaus in den Schlamm des feuchten Morgens. Dass er mein rotes Beinkleid dabei mit schmierigen Erdklumpen besudelte, ignorierte er. Stumm hielt er mir ein violettes Papier entgegen. Schweigend nahm ich es entgegen, entfaltete es und las - erst einmal nichts. Die Runen der Schachtelstadt waren mir nicht vertraut, interessante halbmondförmige, breit gestrichene Vertikale; kurz aufs Papier geschossene Haken, die hin und wieder winzigen Ohren oder Augen glichen; und schließlich Punkte. Aber darüber hinaus?
Kurze Zeit später befand ich mich mit meinem Schriftstück, das meiner Einschätzung nach einen Laufzettel darstellte, auf dem Weg durch den tunnelartigen Durchlass des Stadttores, dessen Mauerstärke ich, wie ich bald feststellen musste, grob unterschätzt hatte.
Und dann, als der steinerne Tunnel schließlich doch noch endete, trat ich hinaus in meinen ersten, kühlen Märzmorgen innerhalb der Mauern der Stadt.
Mehr brauchte ich nicht zu sagen, denn wir alle wissen, oder sollten wissen, dass, wenn der Moment, das Momentum, die Zeit für etwas gekommen ist, keine Macht der Welt mehr imstande ist, die Sache aufzuhalten, keine.
Das gedrungene Warzenschwein mit den Riesenhauern, die aufwärts gekrümmt seine Lefzen teilten, sah mich regungslos an. Ich wiederholte meine Worte nicht, warum auch? Der tief in den glasigen Knopfaugen meines Gegenübers aufglimmende Funke tat mir die erzielte Wirkung bereits in ausreichendem Maße kund.
Hinter mir, in der Schlange der Wartenden, die - wie ich - Einlass in die Stadt begehrten, wurde es unruhig. Ohne mich umzudrehen oder sonst in irgendeiner Weise zu reagieren, vernahm ich das Gezeter der Bauersfrauen mit den großen, geflochtenen Weidenkörben auf den gekrümmten Schultern, hier und da wurden die knurrenden Stimmen einzelner Bauern laut, die – zwischen Ausspucken, Schnäuzen, Rülpsen und Furzen – unwillige Unmutsäußerungen von sich gaben.
Endlich kam Leben in den Torwächter.
Mit einem kehligen Grunzen machte er seinen Mitwächter auf sich aufmerksam, wies ihn an, die Vertretung zu übernehmen, und verschwand durch einen schmalen, für seinen Körper beinahe zu engen Durchgang in der Mauer hinter sich. Ich vernahm noch seine schweren Tritte auf der Holztreppe, die im Inneren des Stadttores nach oben führen musste, dann war es wieder an der Zeit zu warten.
Gelangweilt beobachtete ich den zweiten Torwächter, der inzwischen damit begann, die Wartenden an mir vorbei zu lotsen, sie zügig abzufertigen, einzulassen oder ihnen den Einlass zu verweigern, offensichtlich gerade so, wie es ihm in den Sinn kam. Ich zumindest, für meinen Teil, konnte seinen Entscheidungen nicht die geringste Spur von Methodik oder System abringen, seine Auswahl gestaltete sich völlig willkürlich.
Nach einer Weile vernahm ich erneut das Poltern schwerer Tritte aus dem Torhaus und Sekunden später trat, mit einem einzigen, weit ausladenden Schritt, mein mir bereits vertrauter Torwächter wieder hinaus in den Schlamm des feuchten Morgens. Dass er mein rotes Beinkleid dabei mit schmierigen Erdklumpen besudelte, ignorierte er. Stumm hielt er mir ein violettes Papier entgegen. Schweigend nahm ich es entgegen, entfaltete es und las - erst einmal nichts. Die Runen der Schachtelstadt waren mir nicht vertraut, interessante halbmondförmige, breit gestrichene Vertikale; kurz aufs Papier geschossene Haken, die hin und wieder winzigen Ohren oder Augen glichen; und schließlich Punkte. Aber darüber hinaus?
Kurze Zeit später befand ich mich mit meinem Schriftstück, das meiner Einschätzung nach einen Laufzettel darstellte, auf dem Weg durch den tunnelartigen Durchlass des Stadttores, dessen Mauerstärke ich, wie ich bald feststellen musste, grob unterschätzt hatte.
Und dann, als der steinerne Tunnel schließlich doch noch endete, trat ich hinaus in meinen ersten, kühlen Märzmorgen innerhalb der Mauern der Stadt.
... link
Sonntag, 22. Oktober 2023
Kristallwelt (Henry und June/Erzählung/SF).
laghbas, 12:17h
Alles schien vorbereitet für einen wundervollen Abend und, wie er hoffte, eine ebenso wunderbare Nacht. Er war frisch gebadet, Gel formte seine Haare, der Anzug, den er sich extra zu diesem Anlass gekauft hatte, stand ihm prächtig. Es war sein erstes, offizielles Date mit Eloise, und eigentlich - hätte nichts schiefgehen dürfen.
Als es so weit war, trat er aus der Tür, stieg in den Wagen und befand sich auf dem Weg. Im lauwarmen Schein des Sonntagnachmittags trieb er sein Fahrzeug federnd über die Straßen der Vorstadt, das Fenster heruntergekurbelt, den Arm weit hinausgelehnt. Aus den Boxen seines altmodischen Autoradios dröhnte laut eines seiner Lieblingslieder aus den Siebziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts.
Kurz hielt er an einem Blumenautomaten und zog ein paar blaue, künstliche Lilien aus einem der Fächer, dann trieb es ihn auf den Sternenboulevard hinaus, dessen Verlauf ihn, gerade wie eine sorgsam ausgelegte Schwarzpulverspur, durch das kristallene Zentrum der Stadt führen würde: vorbei an all den prunkvoll-klassizistischen Palästen aus geschnittenem Bergkristall, vorbei am kürzlich erst eröffneten Zeitdom, einem architektonischen Monstrum aus Marmor, honigfarbenem Bernstein und Glas. Finn erschauerte, als vor seinem geistigen Auge das Bild des Kristallgottes auftauchte, dessen Statue hoch oben in der Kuppel des Doms frei in der Luft schwebte, die Arme, wie um alles und jeden in sich zu begreifen, zu beiden Seiten hin ausgestreckt.
Er erinnerte sich an den Tag, an dem er den majestätischen Bau das erste Mal besichtigt hatte, erinnerte sich daran, wie ihm der Atem gestockt hatte, während er hinauf in die bunte Explosion des prismenhaft erstrahlenden Lichts gestarrt hatte - voller erhabener Gefühle, voller Ehrfurcht, ein staunend aufgesperrter Mund unter vielen.
Die nörgelnde Hupe eines rostigen Pick-Ups warf ihn in die Wirklichkeit zurück. Er stieß einen Fluch aus, und seine Augen hinter den Gläsern der verspiegelten Sonnenbrille fokussierten sich wieder auf die Straße.
(...)
Als es so weit war, trat er aus der Tür, stieg in den Wagen und befand sich auf dem Weg. Im lauwarmen Schein des Sonntagnachmittags trieb er sein Fahrzeug federnd über die Straßen der Vorstadt, das Fenster heruntergekurbelt, den Arm weit hinausgelehnt. Aus den Boxen seines altmodischen Autoradios dröhnte laut eines seiner Lieblingslieder aus den Siebziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts.
Kurz hielt er an einem Blumenautomaten und zog ein paar blaue, künstliche Lilien aus einem der Fächer, dann trieb es ihn auf den Sternenboulevard hinaus, dessen Verlauf ihn, gerade wie eine sorgsam ausgelegte Schwarzpulverspur, durch das kristallene Zentrum der Stadt führen würde: vorbei an all den prunkvoll-klassizistischen Palästen aus geschnittenem Bergkristall, vorbei am kürzlich erst eröffneten Zeitdom, einem architektonischen Monstrum aus Marmor, honigfarbenem Bernstein und Glas. Finn erschauerte, als vor seinem geistigen Auge das Bild des Kristallgottes auftauchte, dessen Statue hoch oben in der Kuppel des Doms frei in der Luft schwebte, die Arme, wie um alles und jeden in sich zu begreifen, zu beiden Seiten hin ausgestreckt.
Er erinnerte sich an den Tag, an dem er den majestätischen Bau das erste Mal besichtigt hatte, erinnerte sich daran, wie ihm der Atem gestockt hatte, während er hinauf in die bunte Explosion des prismenhaft erstrahlenden Lichts gestarrt hatte - voller erhabener Gefühle, voller Ehrfurcht, ein staunend aufgesperrter Mund unter vielen.
Die nörgelnde Hupe eines rostigen Pick-Ups warf ihn in die Wirklichkeit zurück. Er stieß einen Fluch aus, und seine Augen hinter den Gläsern der verspiegelten Sonnenbrille fokussierten sich wieder auf die Straße.
(...)
... link
Montag, 2. Oktober 2023
Mommsen - und der Fluch der 11. (Sneak 1).
laghbas, 13:13h
(...)
Mommsen verspürte nicht die geringste Lust, sich noch einmal in jene Regionen des Geistes zu begeben, für die er auch heute noch keine andere Bezeichnung finden konnte, als den wahrlich zweifelhaften Begriff der „Hölle“.
Während er also derart nachdenklich von seinem Appartement im vierundsechszigsten Stock des NestorBuildings über die Silhouette der nächtlichen Stadt sah, hinab auf die Dächer der unter ihm liegenden Gebäude, hinein in die von Laternen beleuchteten Straßen, die wie tief ausgestanzte Gräben zwischen den Häusern verliefen, und auf denen - um diese Zeit - nur noch spärlicher gewordenen Betrieb herrschte, zog sich sein Blick plötzlich zurück, und er sah nichts mehr, als nur noch das durchscheinende Abbild seines eigenen Gesichts, das ihn aus der Sicherheitsglasscheibe direkt vor ihm heraus anstarrte. Ein fahles, furchtsames, zerfurchtes, vorzeitig gealtertes Antlitz, das just in diesem Augenblick die Lippen zu einem bizarren Totenkopfgrinsen verzog.
War der Wahnsinn, fragte er sich, zurückgekehrt, um seinen alten Bekannten Moses Mommsen in die Arme zu schließen, ihn nachhause zu holen - wie einen verlorenen Sohn?
(...)
Mommsen verspürte nicht die geringste Lust, sich noch einmal in jene Regionen des Geistes zu begeben, für die er auch heute noch keine andere Bezeichnung finden konnte, als den wahrlich zweifelhaften Begriff der „Hölle“.
Während er also derart nachdenklich von seinem Appartement im vierundsechszigsten Stock des NestorBuildings über die Silhouette der nächtlichen Stadt sah, hinab auf die Dächer der unter ihm liegenden Gebäude, hinein in die von Laternen beleuchteten Straßen, die wie tief ausgestanzte Gräben zwischen den Häusern verliefen, und auf denen - um diese Zeit - nur noch spärlicher gewordenen Betrieb herrschte, zog sich sein Blick plötzlich zurück, und er sah nichts mehr, als nur noch das durchscheinende Abbild seines eigenen Gesichts, das ihn aus der Sicherheitsglasscheibe direkt vor ihm heraus anstarrte. Ein fahles, furchtsames, zerfurchtes, vorzeitig gealtertes Antlitz, das just in diesem Augenblick die Lippen zu einem bizarren Totenkopfgrinsen verzog.
War der Wahnsinn, fragte er sich, zurückgekehrt, um seinen alten Bekannten Moses Mommsen in die Arme zu schließen, ihn nachhause zu holen - wie einen verlorenen Sohn?
(...)
... link
Dienstag, 28. März 2023
Rahel (Erzählung/SF).
laghbas, 11:20h
Es wummert.
Dumpf gräbt sich der Bass durch das Gemäuer. Nebenan geht die Jugend ihren Liebesspielen nach. Auch ich bin einmal jung gewesen, ich kann mich noch entsinnen. Zudem befand ich mich gerade auf dem Sprung, ebenfalls auf eine Party eingeladen, ein - für mich, in meinem Leben - prägnant spärliches Vorkommnis.
Obwohl es eigentlich zu warm war für die Jahreszeit, die herrschte, zog ich die Wollmütze über, band meinen Schal um und kroch in den Mantel. Die Party, zu der mich ein Freund eingeladen hatte, stand unter dem Motto „American Diner“. Sie wissen schon: Petticoats, Pomade, Schmalzlocken, eine verfrühte Korova-Milchbar der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre.
Dieser Freund, der mir die Ehre erwies mich einzuladen, ein Spross aus reichem Haus, hatte, soweit ich wusste, mit dem Geld seiner Mutter eine entsprechenden Themenblase in einem Zeitpark gemietet. Für diese eine, besondere Nacht.
Während ich noch vor der Tür auf das Flugtaxi wartete, das mich ans Ziel bringen sollte, fragte ich mich, ob Rachel auch auf der Party anwesend sein würde. Rachel ist einmal meine Frau gewesen. Vor langer Zeit. Sie war - sagen wir - speziell.
Zu speziell für meinen Geschmack.
Die eiförmige Kapsel des Flugtaxis summte aus der Nacht heraus heran. Seine rot lackierte, etwas angeschrammelte Nase kam näher und näher, schließlich hielt es quer vor meiner eigenen, klappte vier zerbrechlich wirkende Metallbeinchen aus und ließ aus dem mittlerweile geöffneten Einstieg eine kleine silbrige Treppe fallen.
„Avenir St. Mul - Zeitpark“, murmelte ich wie beiläufig, während ich noch im Begriff stand, mich in dem schmalen Ohrensessel, mit dem alle Einsitzer-Taxis ausgestattet sind, einzurichten.
Am Ziel angelangt, ließ ich die üblichen Kontroll-, Frage- und Testprozeduren der künstlichen FlugIntelligenz über mich ergehen, und stieg aus. Dürre Androiden der zweiten Generation empfingen mich am Eingangstor des Parks, beugten ihre langen Hälse mit empathisch schief gelegtem Kopf zu mir hinab, lächelten mich an so gut sie konnten und drückten mir schließlich ein Navigationspaneel in die Hand, das mich durch den spätabendlichen Zeitpark hindurch zur Party meines Freundes führen sollte. Da die automatischen Gleitbänder außer Betrieb waren, würde ich laufen müssen, was einige Minuten länger Zeit beanspruchen würde als auf den Bändern.
Ich aktivierte die optional angebotene Museumsfunktion.
Gemächlichen Schrittes ging es vorbei an Projektionsblasen, die - wenn nicht aktiv - nur nachtdunkle Orte links und rechts meines Weges darstellten. Vorbei ging es aber auch an aktiven Blasen, an den Landhausvillen gut betuchter Römer, in denen Menschen toga- oder tunikaumwunden, Cocktailgläser in den Händen, auf Liegen sich ergaben, vorbei an einem europäisch-mittelalterlichen Burgsaal, tuchbewährt, mit riesigen Kaminen, wo an Spießen über Feuern ganze Tiere brieten, während die Laute des Spielmanns im Chaos alkoholisierten Johlens und Kreischens nur sehr schwer zur Geltung kam, an Westernszenen in Saloons und ägyptischen Finessen, an Phillip‘s Hof zur Blütezeit des Imperiums der Spanier.
Ich folgte dem breiten Hauptweg mit der Nunmmer A18, bog irgendwann nach rechts in die Nebenstraße B7, und kurz darauf in eine Sackgasse zu meiner Linken, an deren Ende ich, in einiger Entfernung, das gelbe Licht des Diners sah.
Musikfetzen trieben an mein Ohr, gemischt mit dem Knattern und Röhren amerikanischer Karossen, der Motorräder und der Roller.
Noch einmal nahm ich den Kamm aus der Tasche meines Mantels, in der ich ihn zuvor vorausschauend deponiert hatte, und strich damit durch das glänzend gegelte Haar zu beiden Seiten meines Kopfes.
*
(...)
Neu.
Dumpf gräbt sich der Bass durch das Gemäuer. Nebenan geht die Jugend ihren Liebesspielen nach. Auch ich bin einmal jung gewesen, ich kann mich noch entsinnen. Zudem befand ich mich gerade auf dem Sprung, ebenfalls auf eine Party eingeladen, ein - für mich, in meinem Leben - prägnant spärliches Vorkommnis.
Obwohl es eigentlich zu warm war für die Jahreszeit, die herrschte, zog ich die Wollmütze über, band meinen Schal um und kroch in den Mantel. Die Party, zu der mich ein Freund eingeladen hatte, stand unter dem Motto „American Diner“. Sie wissen schon: Petticoats, Pomade, Schmalzlocken, eine verfrühte Korova-Milchbar der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre.
Dieser Freund, der mir die Ehre erwies mich einzuladen, ein Spross aus reichem Haus, hatte, soweit ich wusste, mit dem Geld seiner Mutter eine entsprechenden Themenblase in einem Zeitpark gemietet. Für diese eine, besondere Nacht.
Während ich noch vor der Tür auf das Flugtaxi wartete, das mich ans Ziel bringen sollte, fragte ich mich, ob Rachel auch auf der Party anwesend sein würde. Rachel ist einmal meine Frau gewesen. Vor langer Zeit. Sie war - sagen wir - speziell.
Zu speziell für meinen Geschmack.
Die eiförmige Kapsel des Flugtaxis summte aus der Nacht heraus heran. Seine rot lackierte, etwas angeschrammelte Nase kam näher und näher, schließlich hielt es quer vor meiner eigenen, klappte vier zerbrechlich wirkende Metallbeinchen aus und ließ aus dem mittlerweile geöffneten Einstieg eine kleine silbrige Treppe fallen.
„Avenir St. Mul - Zeitpark“, murmelte ich wie beiläufig, während ich noch im Begriff stand, mich in dem schmalen Ohrensessel, mit dem alle Einsitzer-Taxis ausgestattet sind, einzurichten.
Am Ziel angelangt, ließ ich die üblichen Kontroll-, Frage- und Testprozeduren der künstlichen FlugIntelligenz über mich ergehen, und stieg aus. Dürre Androiden der zweiten Generation empfingen mich am Eingangstor des Parks, beugten ihre langen Hälse mit empathisch schief gelegtem Kopf zu mir hinab, lächelten mich an so gut sie konnten und drückten mir schließlich ein Navigationspaneel in die Hand, das mich durch den spätabendlichen Zeitpark hindurch zur Party meines Freundes führen sollte. Da die automatischen Gleitbänder außer Betrieb waren, würde ich laufen müssen, was einige Minuten länger Zeit beanspruchen würde als auf den Bändern.
Ich aktivierte die optional angebotene Museumsfunktion.
Gemächlichen Schrittes ging es vorbei an Projektionsblasen, die - wenn nicht aktiv - nur nachtdunkle Orte links und rechts meines Weges darstellten. Vorbei ging es aber auch an aktiven Blasen, an den Landhausvillen gut betuchter Römer, in denen Menschen toga- oder tunikaumwunden, Cocktailgläser in den Händen, auf Liegen sich ergaben, vorbei an einem europäisch-mittelalterlichen Burgsaal, tuchbewährt, mit riesigen Kaminen, wo an Spießen über Feuern ganze Tiere brieten, während die Laute des Spielmanns im Chaos alkoholisierten Johlens und Kreischens nur sehr schwer zur Geltung kam, an Westernszenen in Saloons und ägyptischen Finessen, an Phillip‘s Hof zur Blütezeit des Imperiums der Spanier.
Ich folgte dem breiten Hauptweg mit der Nunmmer A18, bog irgendwann nach rechts in die Nebenstraße B7, und kurz darauf in eine Sackgasse zu meiner Linken, an deren Ende ich, in einiger Entfernung, das gelbe Licht des Diners sah.
Musikfetzen trieben an mein Ohr, gemischt mit dem Knattern und Röhren amerikanischer Karossen, der Motorräder und der Roller.
Noch einmal nahm ich den Kamm aus der Tasche meines Mantels, in der ich ihn zuvor vorausschauend deponiert hatte, und strich damit durch das glänzend gegelte Haar zu beiden Seiten meines Kopfes.
*
(...)
Neu.
... link
Dienstag, 31. Mai 2022
UNBERÜHRT/Expression I.
laghbas, 15:44h
Aus Psyche & Phantastik, Band 1
Der alte Asiate saß stumm.
Sein fadendünnes Haar, lang und grau, ragte, gleich Brückenseilen, die im Nebel verschwinden, vom Wind getragen, horizontal ins Leere. Abenteurer überqueren solche Brücken, die, von maroden Stricken gehalten, über verwilderte Abgründe führen. Solange bis sie unter irgendeiner Last reißen und das Holz der Brückenplanken unwiederbringlich in die Tiefe stürzt. Lederne Hüte, abgewetzt und abgetragen - Abenteurerhüte und Peitschen.
Soweit man blicken konnte umgaben stufenartig angelegte Gärten die Terrasse, auf der wir saßen und uns anschwiegen. Eine schwere, alles erdrückende Schwüle lag in der Luft, hier im Süden Tabogas gab es keine Jahreszeiten, keine nächtliche Abkühlung, keine noch so geringe klimatische Veränderung der Lebensbedingungen. Dies war nicht Europa, nein, es war nicht einmal mehr die Erde.
Ich werde Ihnen davon erzählen, wie es mich hierher verschlagen hat, alleine und - bisher - ohne eine Möglichkeit der Rückkehr.
Träume von Raumschiffen, gigantischen Sternenkreuzern, tonlos blinkend inmitten der unendlichen, luftlosen Schwärze des Alls, erfüllen meine Nächte, rauben mir den Schlaf, einen Schlaf, der in diesem Klima so oder so nichts wert ist.
Ein fremdartiges Insekt beginnt uns zu umschwirren. Inzwischen weiß ich, dass diese gefährlich anmutenden Wesen harmlos sind, weil sie ihr tödliches Gift, das sie durch einen langen Stachel injizieren, ausschließlich gegen die bevorzugte Beute, den tabogischen Fleischwurm zum Einsatz bringen. Dennoch bleibt es irritierend, die faustgroßen Kreaturen in unmittelbarer Nähe zu wissen. Vom lauten, enervierenden Summen, das sie erzeugen, ganz zu schweigen.
Seit nunmehr zehn Tagen warte ich darauf, dass der Asiate mit mir spricht. Er ist das einzige menschliche Wesen, dem ich in dieser Welt bisher begegnet bin. Ich erhoffe mir genauere, über meine eigenen Mutmaßungen hinausgehende, Informationen darüber, wo genau ich mich befinde und wie ich vielleicht nach Hause zurückkehren kann.
Das widerwärtige Insekt verflüchtigt sich, schwirrt träge durch einen der glaslosen, gotischen Fensterbögen hinaus in die erdrückende Schwüle des Nachmittags. Affenartige Diener kommen und gehen. Manche sehen nach dem Rechten, andere bringen Tee und platzieren silbern ziselierte Tassen und Kannen auf dem Tisch.
Doch ich will mein Versprechen halten und davon erzählen, wie ich hierher gelangt bin, in diese Hölle, diese befremdliche Ausweglosigkeit meiner Existenz.
(***)
Der alte Asiate saß stumm.
Sein fadendünnes Haar, lang und grau, ragte, gleich Brückenseilen, die im Nebel verschwinden, vom Wind getragen, horizontal ins Leere. Abenteurer überqueren solche Brücken, die, von maroden Stricken gehalten, über verwilderte Abgründe führen. Solange bis sie unter irgendeiner Last reißen und das Holz der Brückenplanken unwiederbringlich in die Tiefe stürzt. Lederne Hüte, abgewetzt und abgetragen - Abenteurerhüte und Peitschen.
Soweit man blicken konnte umgaben stufenartig angelegte Gärten die Terrasse, auf der wir saßen und uns anschwiegen. Eine schwere, alles erdrückende Schwüle lag in der Luft, hier im Süden Tabogas gab es keine Jahreszeiten, keine nächtliche Abkühlung, keine noch so geringe klimatische Veränderung der Lebensbedingungen. Dies war nicht Europa, nein, es war nicht einmal mehr die Erde.
Ich werde Ihnen davon erzählen, wie es mich hierher verschlagen hat, alleine und - bisher - ohne eine Möglichkeit der Rückkehr.
Träume von Raumschiffen, gigantischen Sternenkreuzern, tonlos blinkend inmitten der unendlichen, luftlosen Schwärze des Alls, erfüllen meine Nächte, rauben mir den Schlaf, einen Schlaf, der in diesem Klima so oder so nichts wert ist.
Ein fremdartiges Insekt beginnt uns zu umschwirren. Inzwischen weiß ich, dass diese gefährlich anmutenden Wesen harmlos sind, weil sie ihr tödliches Gift, das sie durch einen langen Stachel injizieren, ausschließlich gegen die bevorzugte Beute, den tabogischen Fleischwurm zum Einsatz bringen. Dennoch bleibt es irritierend, die faustgroßen Kreaturen in unmittelbarer Nähe zu wissen. Vom lauten, enervierenden Summen, das sie erzeugen, ganz zu schweigen.
Seit nunmehr zehn Tagen warte ich darauf, dass der Asiate mit mir spricht. Er ist das einzige menschliche Wesen, dem ich in dieser Welt bisher begegnet bin. Ich erhoffe mir genauere, über meine eigenen Mutmaßungen hinausgehende, Informationen darüber, wo genau ich mich befinde und wie ich vielleicht nach Hause zurückkehren kann.
Das widerwärtige Insekt verflüchtigt sich, schwirrt träge durch einen der glaslosen, gotischen Fensterbögen hinaus in die erdrückende Schwüle des Nachmittags. Affenartige Diener kommen und gehen. Manche sehen nach dem Rechten, andere bringen Tee und platzieren silbern ziselierte Tassen und Kannen auf dem Tisch.
Doch ich will mein Versprechen halten und davon erzählen, wie ich hierher gelangt bin, in diese Hölle, diese befremdliche Ausweglosigkeit meiner Existenz.
(***)
... link
Samstag, 5. März 2022
FremdlerArchive - sekundär.
laghbas, 05:32h
Am Ende der Reise. Der letzte Psychonaut.
Erzählung, ca. 2006, entstammt eigentlich dem "BEHÖRDE-UNIVERSUM", also den "FREMDLER-ARCHIVEN (so der Buchtitel), käme aber vielleicht auch für "PSYCHE & PHANTASTIK I" in Frage.
Mache ich definitiv dieses Wochenende fertig, und dann schauen wir mal, wo ich es einordne.
Das BEHÖRDE-UNIVERSUM erfordert übrigens immer mehr Arbeit und Hirnschmalz als die eigenständigen Erzählungen, alldieweil ich da nämlich einen Index und eine Zeittafel führe (wobei jeder, der meine Arbeit näher verfolgt, inzwischen weiß, dass die Zeitrechnung des Behörde-Universums eine recht verschlungene ist, zunächst einmal grundsätzlich doppelt - Irdische Zeitrechnung/IZ und Universelle Zeitrechnung/UZ, und dann - vom Moment der "Teloorischen Konstruktparallaxe"/2.014 IZ/48.834 UZ an - noch einmal in zwei parallele Verläufe mit unterschiedlicher Geschichtsentwicklung geteilt - von denen der eine aber ziemlich bald wieder versiegt, war nur ein Impuls).
Also ..., die Erzählung wird definitiv fertig an diesem Wochenende, und ich hoffe, die Einpassung ins Sekundäre auch.
***
Nope, das ist eigentlich reines Behörde-Universum, eher nichts für Psyche & Phantastik I, geht also wohl exklusiv in die FremdlerArchive.
***
Ne, der "Psychonaut" bleibt eine dieser wundersamen Erzählungen, die zwar fertig sind, aber irgendwie doch nicht fertig werden. Erzählungen, an denen etwas nicht stimmt, und ich habe nicht die geringste Ahnung, was es ist. Ganz explizit hab ich da mindestens zwei davon, die mir gerade präsent sind, neben dem "Psychonaut" auch noch ein Problem namens "Der Abgrund".
An denen werkele ich schon seit Jahrzehnten, und es ist immer noch nicht soweit.
Unglaublich.
Erzählung, ca. 2006, entstammt eigentlich dem "BEHÖRDE-UNIVERSUM", also den "FREMDLER-ARCHIVEN (so der Buchtitel), käme aber vielleicht auch für "PSYCHE & PHANTASTIK I" in Frage.
Mache ich definitiv dieses Wochenende fertig, und dann schauen wir mal, wo ich es einordne.
Das BEHÖRDE-UNIVERSUM erfordert übrigens immer mehr Arbeit und Hirnschmalz als die eigenständigen Erzählungen, alldieweil ich da nämlich einen Index und eine Zeittafel führe (wobei jeder, der meine Arbeit näher verfolgt, inzwischen weiß, dass die Zeitrechnung des Behörde-Universums eine recht verschlungene ist, zunächst einmal grundsätzlich doppelt - Irdische Zeitrechnung/IZ und Universelle Zeitrechnung/UZ, und dann - vom Moment der "Teloorischen Konstruktparallaxe"/2.014 IZ/48.834 UZ an - noch einmal in zwei parallele Verläufe mit unterschiedlicher Geschichtsentwicklung geteilt - von denen der eine aber ziemlich bald wieder versiegt, war nur ein Impuls).
Also ..., die Erzählung wird definitiv fertig an diesem Wochenende, und ich hoffe, die Einpassung ins Sekundäre auch.
***
Nope, das ist eigentlich reines Behörde-Universum, eher nichts für Psyche & Phantastik I, geht also wohl exklusiv in die FremdlerArchive.
***
Ne, der "Psychonaut" bleibt eine dieser wundersamen Erzählungen, die zwar fertig sind, aber irgendwie doch nicht fertig werden. Erzählungen, an denen etwas nicht stimmt, und ich habe nicht die geringste Ahnung, was es ist. Ganz explizit hab ich da mindestens zwei davon, die mir gerade präsent sind, neben dem "Psychonaut" auch noch ein Problem namens "Der Abgrund".
An denen werkele ich schon seit Jahrzehnten, und es ist immer noch nicht soweit.
Unglaublich.
... link
Sonntag, 2. Januar 2022
Trübsinnige
laghbas, 17:10h
- Aufzeichnungen des Vagabunden Karl Ungemach - über seine Reisen, Gedanken, Feststellungen und Begegnungen im Laufe der Jahre.
Erste Nomenklatur
DIE FRAGE NACH DEM HASS
Teil1: Prologisches
Punkt II (von III)
Maskenbälle, Russenglanz, in changierend Seidenkleidern,
hoch gepuffte Ärmellosigkeiten einer, draußen,
kalten Nacht.
Drinnen: Kerzenwärme, warmes Licht, Fächer für erhitzte Leiber
und - Gesichter.
Knotenhaare stundenlang, in Boudoirs und auf Kommoden,
spiegeln sich Flakons, samt
- Puderdosen.
Nana.
***
Anmerkung:
* Meine LYRIK ist extrem Rhythmus betont, und sehr visuell. Früher hätte ich dem Rhythmus ALLES geopfert. Heute suche ich die korrekte Verbindung zu Inhalt und Form, wobei FORM natürlich schon immer eine Rolle gespielt hat (im Falle einer extremen Rhythmusbetonung unvermeidlich).
Der Inhalt dagegen war mir zeitweise ziemlich schnurzegal, und so kam es früher des Öfteren zu lyrischen Ausbrüchen eines in Sinnlose Silben gefassten, PUREN Rhythmus (die höchst mögliche Annäherung, mal abgesehen von logischen Zeichen, aber das ist, wie abstrakte Malerei auch und obwohl vom Potential her ähnlich, eigentlich eine ganz andere Kategorie) - oder auch zu rhythmisch spannenden, in ihrer Konnektivität aber äußerst weit gedehnten Wortfolgen und Wortkreationen.
Ich werde demnächst mal mein Meisterwerk aus der Phase der Sinnlosen Silben posten (es gibt zwei oder drei Stücke aus der Ecke mit den Sinnlosen Silben, denke ich).
😄
Erste Nomenklatur
DIE FRAGE NACH DEM HASS
Teil1: Prologisches
Punkt II (von III)
Maskenbälle, Russenglanz, in changierend Seidenkleidern,
hoch gepuffte Ärmellosigkeiten einer, draußen,
kalten Nacht.
Drinnen: Kerzenwärme, warmes Licht, Fächer für erhitzte Leiber
und - Gesichter.
Knotenhaare stundenlang, in Boudoirs und auf Kommoden,
spiegeln sich Flakons, samt
- Puderdosen.
Nana.
***
Anmerkung:
* Meine LYRIK ist extrem Rhythmus betont, und sehr visuell. Früher hätte ich dem Rhythmus ALLES geopfert. Heute suche ich die korrekte Verbindung zu Inhalt und Form, wobei FORM natürlich schon immer eine Rolle gespielt hat (im Falle einer extremen Rhythmusbetonung unvermeidlich).
Der Inhalt dagegen war mir zeitweise ziemlich schnurzegal, und so kam es früher des Öfteren zu lyrischen Ausbrüchen eines in Sinnlose Silben gefassten, PUREN Rhythmus (die höchst mögliche Annäherung, mal abgesehen von logischen Zeichen, aber das ist, wie abstrakte Malerei auch und obwohl vom Potential her ähnlich, eigentlich eine ganz andere Kategorie) - oder auch zu rhythmisch spannenden, in ihrer Konnektivität aber äußerst weit gedehnten Wortfolgen und Wortkreationen.
Ich werde demnächst mal mein Meisterwerk aus der Phase der Sinnlosen Silben posten (es gibt zwei oder drei Stücke aus der Ecke mit den Sinnlosen Silben, denke ich).
😄
... link
Dienstag, 30. November 2021
Das Geteilte Herz
laghbas, 14:16h
Fantasy-Novelle/Kurzroman.
... link
... nächste Seite