Sonntag, 22. Oktober 2023
Kristallwelt (Henry und June/Erzählung/SF).
Alles schien vorbereitet für einen wundervollen Abend und, wie er hoffte, eine ebenso wunderbare Nacht. Er war frisch gebadet, Gel formte seine Haare, der Anzug, den er sich extra zu diesem Anlass gekauft hatte, stand ihm prächtig. Es war sein erstes, offizielles Date mit Eloise, und eigentlich - hätte nichts schiefgehen dürfen.
Als es so weit war, trat er aus der Tür, stieg in den Wagen und befand sich auf dem Weg. Im lauwarmen Schein des Sonntagnachmittags trieb er sein Fahrzeug federnd über die Straßen der Vorstadt, das Fenster heruntergekurbelt, den Arm weit hinausgelehnt. Aus den Boxen seines altmodischen Autoradios dröhnte laut eines seiner Lieblingslieder aus den Siebziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts.
Kurz hielt er an einem Blumenautomaten und zog ein paar blaue, künstliche Lilien aus einem der Fächer, dann trieb es ihn auf den Sternenboulevard hinaus, dessen Verlauf ihn, gerade wie eine sorgsam ausgelegte Schwarzpulverspur, durch das kristallene Zentrum der Stadt führen würde: vorbei an all den prunkvoll-klassizistischen Palästen aus geschnittenem Bergkristall, vorbei am kürzlich erst eröffneten Zeitdom, einem architektonischen Monstrum aus Marmor, honigfarbenem Bernstein und Glas. Finn erschauerte, als vor seinem geistigen Auge das Bild des Kristallgottes auftauchte, dessen Statue hoch oben in der Kuppel des Doms frei in der Luft schwebte, die Arme, wie um alles und jeden in sich zu begreifen, zu beiden Seiten hin ausgestreckt.
Er erinnerte sich an den Tag, an dem er den majestätischen Bau das erste Mal besichtigt hatte, erinnerte sich daran, wie ihm der Atem gestockt hatte, während er hinauf in die bunte Explosion des prismenhaft erstrahlenden Lichts gestarrt hatte - voller erhabener Gefühle, voller Ehrfurcht, ein staunend aufgesperrter Mund unter vielen.
Die nörgelnde Hupe eines rostigen Pick-Ups warf ihn in die Wirklichkeit zurück. Er stieß einen Fluch aus, und seine Augen hinter den Gläsern der verspiegelten Sonnenbrille fokussierten sich wieder auf die Straße.

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Montag, 2. Oktober 2023
Mommsen - und der Fluch der 11. (Sneak 1).
(...)

Mommsen verspürte nicht die geringste Lust, sich noch einmal in jene Regionen des Geistes zu begeben, für die er auch heute noch keine andere Bezeichnung finden konnte, als den wahrlich zweifelhaften Begriff der „Hölle“.
Während er also derart nachdenklich von seinem Appartement im vierundsechszigsten Stock des NestorBuildings über die Silhouette der nächtlichen Stadt sah, hinab auf die Dächer der unter ihm liegenden Gebäude, hinein in die von Laternen beleuchteten Straßen, die wie tief ausgestanzte Gräben zwischen den Häusern verliefen, und auf denen - um diese Zeit - nur noch spärlicher gewordenen Betrieb herrschte, zog sich sein Blick plötzlich zurück, und er sah nichts mehr, als nur noch das durchscheinende Abbild seines eigenen Gesichts, das ihn aus der Sicherheitsglasscheibe direkt vor ihm heraus anstarrte. Ein fahles, furchtsames, zerfurchtes, vorzeitig gealtertes Antlitz, das just in diesem Augenblick die Lippen zu einem bizarren Totenkopfgrinsen verzog.
War der Wahnsinn, fragte er sich, zurückgekehrt, um seinen alten Bekannten Moses Mommsen in die Arme zu schließen, ihn nachhause zu holen - wie einen verlorenen Sohn?

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Dienstag, 28. März 2023
Rahel (Erzählung/SF).
Es wummert.
Dumpf gräbt sich der Bass durch das Gemäuer. Nebenan geht die Jugend ihren Liebesspielen nach. Auch ich bin einmal jung gewesen, ich kann mich noch entsinnen. Zudem befand ich mich gerade auf dem Sprung, ebenfalls auf eine Party eingeladen, ein - für mich, in meinem Leben - prägnant spärliches Vorkommnis.
Obwohl es eigentlich zu warm war für die Jahreszeit, die herrschte, zog ich die Wollmütze über, band meinen Schal um und kroch in den Mantel. Die Party, zu der mich ein Freund eingeladen hatte, stand unter dem Motto „American Diner“. Sie wissen schon: Petticoats, Pomade, Schmalzlocken, eine verfrühte Korova-Milchbar der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre.
Dieser Freund, der mir die Ehre erwies mich einzuladen, ein Spross aus reichem Haus, hatte, soweit ich wusste, mit dem Geld seiner Mutter eine entsprechenden Themenblase in einem Zeitpark gemietet. Für diese eine, besondere Nacht.
Während ich noch vor der Tür auf das Flugtaxi wartete, das mich ans Ziel bringen sollte, fragte ich mich, ob Rachel auch auf der Party anwesend sein würde. Rachel ist einmal meine Frau gewesen. Vor langer Zeit. Sie war - sagen wir - speziell.
Zu speziell für meinen Geschmack.
Die eiförmige Kapsel des Flugtaxis summte aus der Nacht heraus heran. Seine rot lackierte, etwas angeschrammelte Nase kam näher und näher, schließlich hielt es quer vor meiner eigenen, klappte vier zerbrechlich wirkende Metallbeinchen aus und ließ aus dem mittlerweile geöffneten Einstieg eine kleine silbrige Treppe fallen.
„Avenir St. Mul - Zeitpark“, murmelte ich wie beiläufig, während ich noch im Begriff stand, mich in dem schmalen Ohrensessel, mit dem alle Einsitzer-Taxis ausgestattet sind, einzurichten.
Am Ziel angelangt, ließ ich die üblichen Kontroll-, Frage- und Testprozeduren der künstlichen FlugIntelligenz über mich ergehen, und stieg aus. Dürre Androiden der zweiten Generation empfingen mich am Eingangstor des Parks, beugten ihre langen Hälse mit empathisch schief gelegtem Kopf zu mir hinab, lächelten mich an so gut sie konnten und drückten mir schließlich ein Navigationspaneel in die Hand, das mich durch den spätabendlichen Zeitpark hindurch zur Party meines Freundes führen sollte. Da die automatischen Gleitbänder außer Betrieb waren, würde ich laufen müssen, was einige Minuten länger Zeit beanspruchen würde als auf den Bändern.
Ich aktivierte die optional angebotene Museumsfunktion.
Gemächlichen Schrittes ging es vorbei an Projektionsblasen, die - wenn nicht aktiv - nur nachtdunkle Orte links und rechts meines Weges darstellten. Vorbei ging es aber auch an aktiven Blasen, an den Landhausvillen gut betuchter Römer, in denen Menschen toga- oder tunikaumwunden, Cocktailgläser in den Händen, auf Liegen sich ergaben, vorbei an einem europäisch-mittelalterlichen Burgsaal, tuchbewährt, mit riesigen Kaminen, wo an Spießen über Feuern ganze Tiere brieten, während die Laute des Spielmanns im Chaos alkoholisierten Johlens und Kreischens nur sehr schwer zur Geltung kam, an Westernszenen in Saloons und ägyptischen Finessen, an Phillip‘s Hof zur Blütezeit des Imperiums der Spanier.
Ich folgte dem breiten Hauptweg mit der Nunmmer A18, bog irgendwann nach rechts in die Nebenstraße B7, und kurz darauf in eine Sackgasse zu meiner Linken, an deren Ende ich, in einiger Entfernung, das gelbe Licht des Diners sah.
Musikfetzen trieben an mein Ohr, gemischt mit dem Knattern und Röhren amerikanischer Karossen, der Motorräder und der Roller.
Noch einmal nahm ich den Kamm aus der Tasche meines Mantels, in der ich ihn zuvor vorausschauend deponiert hatte, und strich damit durch das glänzend gegelte Haar zu beiden Seiten meines Kopfes.

*

(...)


Neu.

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Dienstag, 31. Mai 2022
UNBERÜHRT/Expression I.
Aus Psyche & Phantastik, Band 1


Der alte Asiate saß stumm.
Sein fadendünnes Haar, lang und grau, ragte, gleich Brückenseilen, die im Nebel verschwinden, vom Wind getragen, horizontal ins Leere. Abenteurer überqueren solche Brücken, die, von maroden Stricken gehalten, über verwilderte Abgründe führen. Solange bis sie unter irgendeiner Last reißen und das Holz der Brückenplanken unwiederbringlich in die Tiefe stürzt. Lederne Hüte, abgewetzt und abgetragen - Abenteurerhüte und Peitschen.
Soweit man blicken konnte umgaben stufenartig angelegte Gärten die Terrasse, auf der wir saßen und uns anschwiegen. Eine schwere, alles erdrückende Schwüle lag in der Luft, hier im Süden Tabogas gab es keine Jahreszeiten, keine nächtliche Abkühlung, keine noch so geringe klimatische Veränderung der Lebensbedingungen. Dies war nicht Europa, nein, es war nicht einmal mehr die Erde.
Ich werde Ihnen davon erzählen, wie es mich hierher verschlagen hat, alleine und - bisher - ohne eine Möglichkeit der Rückkehr.
Träume von Raumschiffen, gigantischen Sternenkreuzern, tonlos blinkend inmitten der unendlichen, luftlosen Schwärze des Alls, erfüllen meine Nächte, rauben mir den Schlaf. Einen Schlaf, der in diesem Klima so oder so nichts wert ist.
Ein fremdartiges Insekt beginnt uns zu umschwirren. Inzwischen weiß ich, dass diese gefährlich anmutenden Wesen harmlos sind, weil sie ihr tödliches Gift, das sie durch einen langen Stachel injizieren, ausschließlich gegen die bevorzugte Beute, den tabogischen Fleischwurm zum Einsatz bringen. Dennoch bleibt es irritierend, die faustgroßen Kreaturen in unmittelbarer Nähe zu wissen. Vom lauten, enervierenden Summen, das sie erzeugen, ganz zu schweigen.
Seit nunmehr zehn Tagen warte ich darauf, dass der Asiate mit mir spricht. Er ist das einzige menschliche Wesen, dem ich auf dieser Welt bisher begegnet bin. Ich erhoffe mir genauere, über meine eigenen Mutmaßungen hinausgehende Informationen darüber, wo genau ich mich befinde, und wie ich vielleicht nach Hause zurückkehren kann.
Das widerwärtige Insekt verflüchtigt sich, schwirrt träge durch einen der glaslosen, gotischen Fensterbögen hinaus in die erdrückende Schwüle des Nachmittags. Affenartige Diener kommen und gehen. Manche sehen nach dem Rechten, andere bringen Tee und platzieren silbern ziselierte Tassen und Kannen auf dem Tisch.
Doch ich will mein Versprechen halten und Ihnen davon berichten, wie ich hierher gelangt bin, in diese Hölle, diese befremdliche Ausweglosigkeit meiner Existenz.

(***)

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Samstag, 5. März 2022
FremdlerArchive - sekundär.
Am Ende der Reise. Der letzte Psychonaut.

Erzählung, ca. 2006, entstammt eigentlich dem "BEHÖRDE-UNIVERSUM", also den "FREMDLER-ARCHIVEN (so der Buchtitel), käme aber vielleicht auch für "PSYCHE & PHANTASTIK I" in Frage.
Mache ich definitiv dieses Wochenende fertig, und dann schauen wir mal, wo ich es einordne.

Das BEHÖRDE-UNIVERSUM erfordert übrigens immer mehr Arbeit und Hirnschmalz als die eigenständigen Erzählungen, alldieweil ich da nämlich einen Index und eine Zeittafel führe (wobei jeder, der meine Arbeit näher verfolgt, inzwischen weiß, dass die Zeitrechnung des Behörde-Universums eine recht verschlungene ist, zunächst einmal grundsätzlich doppelt - Irdische Zeitrechnung/IZ und Universelle Zeitrechnung/UZ, und dann - vom Moment der "Teloorischen Konstruktparallaxe"/2.014 IZ/48.834 UZ an - noch einmal in zwei parallele Verläufe mit unterschiedlicher Geschichtsentwicklung geteilt - von denen der eine aber ziemlich bald wieder versiegt, war nur ein Impuls).

Also ..., die Erzählung wird definitiv fertig an diesem Wochenende, und ich hoffe, die Einpassung ins Sekundäre auch.

***

Nope, das ist eigentlich reines Behörde-Universum, eher nichts für Psyche & Phantastik I, geht also wohl exklusiv in die FremdlerArchive.

***

Ne, der "Psychonaut" bleibt eine dieser wundersamen Erzählungen, die zwar fertig sind, aber irgendwie doch nicht fertig werden. Erzählungen, an denen etwas nicht stimmt, und ich habe nicht die geringste Ahnung, was es ist. Ganz explizit hab ich da mindestens zwei davon, die mir gerade präsent sind, neben dem "Psychonaut" auch noch ein Problem namens "Der Abgrund".

An denen werkele ich schon seit Jahrzehnten, und es ist immer noch nicht soweit.

Unglaublich.

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Sonntag, 2. Januar 2022
Trübsinnige
- Aufzeichnungen des Vagabunden Karl Ungemach - über seine Reisen, Gedanken, Feststellungen und Begegnungen im Laufe der Jahre.

Erste Nomenklatur
DIE FRAGE NACH DEM HASS

Teil1: Prologisches

Punkt II (von III)

Maskenbälle, Russenglanz, in changierend Seidenkleidern,
hoch gepuffte Ärmellosigkeiten einer, draußen,
kalten Nacht.
Drinnen: Kerzenwärme, warmes Licht, Fächer für erhitzte Leiber
und - Gesichter.
Knotenhaare stundenlang, in Boudoirs und auf Kommoden,
spiegeln sich Flakons, samt
- Puderdosen.
Nana.

***
Anmerkung:

* Meine LYRIK ist extrem Rhythmus betont, und sehr visuell. Früher hätte ich dem Rhythmus ALLES geopfert. Heute suche ich die korrekte Verbindung zu Inhalt und Form, wobei FORM natürlich schon immer eine Rolle gespielt hat (im Falle einer extremen Rhythmusbetonung unvermeidlich).
Der Inhalt dagegen war mir zeitweise ziemlich schnurzegal, und so kam es früher des Öfteren zu lyrischen Ausbrüchen eines in Sinnlose Silben gefassten, PUREN Rhythmus (die höchst mögliche Annäherung, mal abgesehen von logischen Zeichen, aber das ist, wie abstrakte Malerei auch und obwohl vom Potential her ähnlich, eigentlich eine ganz andere Kategorie) - oder auch zu rhythmisch spannenden, in ihrer Konnektivität aber äußerst weit gedehnten Wortfolgen und Wortkreationen.

Ich werde demnächst mal mein Meisterwerk aus der Phase der Sinnlosen Silben posten (es gibt zwei oder drei Stücke aus der Ecke mit den Sinnlosen Silben, denke ich).

😄

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Dienstag, 30. November 2021
Das Geteilte Herz
Fantasy-Novelle/Kurzroman.

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Samstag, 9. Oktober 2021
Neu auf YouTube
Psyche & Phantastik: Die Kaffeepause (Kurzfilm I)

https://youtu.be/DC4WCEskoMk

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Montag, 16. August 2021
Ich glaube,
- da wird etwas zum Roman! Oder zumindest zur Novelle.

DAS GETEILTE HERZ
(Fantasy)

Da ich dafür deutlich mehr Dialogfertigkeit brauche, hab ich mir schon 2 Staffeln gescriptete Reality angesehen. Die einfachste Art des Dialogs.

😄

Below Deck/Below Deck Mediterranean, jeweils 2 Staffeln auf Netflix (von Endemol produziert, glaub ich - zumindest was die Mittelmeervariante angeht).

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Dienstag, 29. Juni 2021
Pedro
(Arbeitstitel, very exclusively, very!)

Leider muss ich die direkte Rede mit einem anderen Zeichen belegen. Anführung will der Blog nicht. Und das Kursive benutze ich für reine Gedanken.


Pedro verharrte an der See. Keiner wusste, warum.
*So geht das nicht weiter, Ernesto. Der Junge wird uns noch verrückt. Du musst etwas unternehmen, tu etwas, um Gottes Willen.*, mahnte Rodriguez, Ernestos älterer Bruder.
Ernesto aber fand keine Antwort auf dieses Ansinnen.
Schweigend, den hängenden Kopf hin und her bewegend, saß er mit gebeugtem Rücken auf einem Holzhocker in der Ecke der Hütte. Rodriguez sah eigentlich nur das leicht pendelnde Rund des blassgelben Strohsombreros, den sein Bruder auf dem Kopf trug.
*Was soll ich bloß tun?*, flüsterte Ernesto leise für sich. *Was soll ich denn nur tun?* Langsam hob er den Kopf. Seine Stimme wurde lauter.
*Was soll ich tun, Rodriguez?*
Die glasigen Augen starrten plötzlich fiebrig auf das Gegenüber.
Rodriguez beobachtete den Verzweifelten genau. Er glaubte, seinen Bruder zu kennen. Mitunter war mit Unbeherrschtheit zu rechnen, mit Zornesausbrüchen, Aggressionen, Gewalt.
*Sprich mit ihm*, sagte er im warmen Ton.


***

(...)

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