... newer stories
Samstag, 14. März 2026
Psyche&Phantastik I - Ego/Rebell/Raum. (Textsammlung).
laghbas, 05:40h
PROGRESSION/Membran.
Kein Dazwischen, kaum Substanz,
Erscheinungen im Inneren - im Äußeren.
Das alles ist vergänglich,
niemals fest, niemals beständig, immer werdend, in Bewegung,
strebend, sterbend, sich verbindend,
Strom,
Bewusstseinsstrom,
innerlich wie äußerlich,
eine Schwadronie - vorbei,
niemals haltend, zweigeteilt
durch die Membran, Membranum, spiegeldünn,
um Haaresbreite, vielleicht flüssig, außen, innen,
ein langer Marsch - vorbei
an der Membran.
Kein Dazwischen, kaum Substanz,
Erscheinungen im Inneren - im Äußeren.
Das alles ist vergänglich,
niemals fest, niemals beständig, immer werdend, in Bewegung,
strebend, sterbend, sich verbindend,
Strom,
Bewusstseinsstrom,
innerlich wie äußerlich,
eine Schwadronie - vorbei,
niemals haltend, zweigeteilt
durch die Membran, Membranum, spiegeldünn,
um Haaresbreite, vielleicht flüssig, außen, innen,
ein langer Marsch - vorbei
an der Membran.
... link
Donnerstag, 26. Februar 2026
Psyche&Phantastik I - Ego/Rebell/Raum.
laghbas, 08:37h
HOMMAGE/Kind der Träume - Ray Bradbury.
„Wir suchen das Kind!“
Ultraviolettes Licht ließ die Gewänder der beiden schmalen, hoch aufgeschossenen Gestalten fluoreszieren. Es war nicht warm, noch kalt. Im Hintergrund, über dem rot erscheinenden Meer, versank die Sonne. Das Geräusch der an den Strand rauschenden Wellen zwang dazu, die Stimme zu erheben, um sich verständlich zu ma-chen.
Das zusammengekauerte Wesen auf dem Stein zu Füßen der beiden Fremden reagierte nicht. Sein Schädel, samt hervorspringenden Augenwülsten, spärlich mit schwarzem, borsti-gem Haar besetzt, glich dem eines Affen. Mit leeren, verständnislosen Augen beschäftigte es sich damit, Kieselsteine in immer neuen Mustern anzuordnen, das fertige Gebilde aber jedes Mal sofort wieder zu zerstören und mit seiner Tätigkeit von vorne zu beginnen. Dabei ließ es keine Emotion erkennen, keine Freude, keine Langeweile, kein wirkliches Interesse am eigenen Tun.
„Es versteht uns nicht, Elektra. Lass uns umkehren, ich glaube nicht mehr an den Erfolg der Unternehmung.“
Traurigkeit ließ die Stimme der offensichtlich männlichen Gestalt unsicher wirken.
Seine Partnerin sah ihn aus leuchtend blauen, strahlenden Augen an. Ihre langen schwarzen Wimpern standen in verwirrendem Gegensatz zu ihrer kahlrasierten, blasshäutigen Schädeldecke.
„Wir können nicht einfach so aufgeben, Kiros, du weißt, was das bedeuten würde. Die Zeit läuft uns davon. Ich bitte dich, lass uns noch ein kleines Stück weitergehen, vielleicht …“
Ihr Blick wandte sich ab und schweifte suchend in der Umgebung umher. „Dort, … “, sie hob den Arm und zeigte auf eine Gruppe hoher, kalkiger Felsen am Ende des Strands, „ … wir ersteigen diese Felsen und sehen nach, was sich dahinter befindet.“
Kiros Antlitz verzog sich in Resignation, dennoch folgte er seiner Partnerin, die sich, ohne seine Antwort abzuwarten, bereits auf den Weg gemacht hatte.
Der Blick über die Ebene, der sich ihnen eröffnete, überstieg in seiner Bizarrerie all ihre Erwartungen. Verstaubte, ausgemusterte Kinderkarussells soweit das Auge reichte; am Himmel: hunderte von Flugschiffen aus samtigem Brokat, verziert mit Troddeln, goldenen und silbernen Bordüren. Das Meer klang leiser hier oben, ein leichter Wind ließ den Anblick der vergessenen Kinderträume noch trostloser erscheinen.
Die Dämmerung brach herein.
Niemand war zu sehen.
Quecksilberne Tränen rollten über Elektras Gesicht.
„Lass uns gehen.“, flüsterte Kiros und legte seinen Arm tröstend um ihre schmalen Schultern.
Sie schlossen die Augen und verließen diese Welt.
*
(...)
„Wir suchen das Kind!“
Ultraviolettes Licht ließ die Gewänder der beiden schmalen, hoch aufgeschossenen Gestalten fluoreszieren. Es war nicht warm, noch kalt. Im Hintergrund, über dem rot erscheinenden Meer, versank die Sonne. Das Geräusch der an den Strand rauschenden Wellen zwang dazu, die Stimme zu erheben, um sich verständlich zu ma-chen.
Das zusammengekauerte Wesen auf dem Stein zu Füßen der beiden Fremden reagierte nicht. Sein Schädel, samt hervorspringenden Augenwülsten, spärlich mit schwarzem, borsti-gem Haar besetzt, glich dem eines Affen. Mit leeren, verständnislosen Augen beschäftigte es sich damit, Kieselsteine in immer neuen Mustern anzuordnen, das fertige Gebilde aber jedes Mal sofort wieder zu zerstören und mit seiner Tätigkeit von vorne zu beginnen. Dabei ließ es keine Emotion erkennen, keine Freude, keine Langeweile, kein wirkliches Interesse am eigenen Tun.
„Es versteht uns nicht, Elektra. Lass uns umkehren, ich glaube nicht mehr an den Erfolg der Unternehmung.“
Traurigkeit ließ die Stimme der offensichtlich männlichen Gestalt unsicher wirken.
Seine Partnerin sah ihn aus leuchtend blauen, strahlenden Augen an. Ihre langen schwarzen Wimpern standen in verwirrendem Gegensatz zu ihrer kahlrasierten, blasshäutigen Schädeldecke.
„Wir können nicht einfach so aufgeben, Kiros, du weißt, was das bedeuten würde. Die Zeit läuft uns davon. Ich bitte dich, lass uns noch ein kleines Stück weitergehen, vielleicht …“
Ihr Blick wandte sich ab und schweifte suchend in der Umgebung umher. „Dort, … “, sie hob den Arm und zeigte auf eine Gruppe hoher, kalkiger Felsen am Ende des Strands, „ … wir ersteigen diese Felsen und sehen nach, was sich dahinter befindet.“
Kiros Antlitz verzog sich in Resignation, dennoch folgte er seiner Partnerin, die sich, ohne seine Antwort abzuwarten, bereits auf den Weg gemacht hatte.
Der Blick über die Ebene, der sich ihnen eröffnete, überstieg in seiner Bizarrerie all ihre Erwartungen. Verstaubte, ausgemusterte Kinderkarussells soweit das Auge reichte; am Himmel: hunderte von Flugschiffen aus samtigem Brokat, verziert mit Troddeln, goldenen und silbernen Bordüren. Das Meer klang leiser hier oben, ein leichter Wind ließ den Anblick der vergessenen Kinderträume noch trostloser erscheinen.
Die Dämmerung brach herein.
Niemand war zu sehen.
Quecksilberne Tränen rollten über Elektras Gesicht.
„Lass uns gehen.“, flüsterte Kiros und legte seinen Arm tröstend um ihre schmalen Schultern.
Sie schlossen die Augen und verließen diese Welt.
*
(...)
... link
Sonntag, 22. Februar 2026
Psyche&Phantastik I - Ego/Rebell/Raum. (Textsammlung).
laghbas, 18:35h
REBELLION/Das dystopische Dokument.
(Erzählung/SF).
Der Parametercountdown war aktiviert, die Uhr tickte in eckigen Ziffern, die den gesamten Bildschirm ausfüllten, herunter.
Vor wenigen Minuten war das Schiff gelandet, und 3/4/Dreieck/Raute/VII/Stern erwartete das Grüppchen vermögen-der, abenteuerlustiger Kaldarianer, die heute in den Genuss einer perfekten historischen Simulation kommen würden - zumindest wenn alles glatt ging und nicht irgendwelche unerwarteten Schwierigkeiten auftraten (was immer sein konnte, aber - aller Erfahrung nach - eher unwahrscheinlich erschien).
3/4/Dreieck/Raute/VII/Stern transformierte in die historische Kos-tümierung, die zu der anstehenden Simulation passte, und verfolgte gelangweilt den herabtickenden Countdown vor sich auf dem Bildschirm. Einer plötzlichen Eingebung nachgebend, mini-mierte er die Ansicht der herunterzählenden Zeitanzeige und startete einen halbherzigen Versuch, in das antike Datennetz der untergegangenen Zivilisation zu gelangen. Eigentlich ein illegales Verhalten, noch dazu während seiner Arbeitszeit, aber Neugier und Langeweile trieben ihn, ungeachtet der Tatsache, dass ihn eine empfindliche Strafe erwarten würde, falls man ihn ertappte, voran.
Wenige Augenblicke später wurde der Bildschirm schwarz und eine einfache Aneinanderreihung elektronischer Miditöne erklang.
Dann erschien die Meldung. Er hatte den Zugang hergestellt. Schneller und einfacher als erwartet.
Fasziniert machte er sich daran, die unbekannten Regionen des primitiven virtuellen Raums einer ersten, ziellosen Erkundung zu unterziehen. Besonderen Wert legte er dabei auf Signaturen, die auf verschlüsselte oder bewusst versteckte Dokumente oder Medi-eninhalte hinwiesen.
In einer unspektakulären Ecke des Datennetzes stieß er auf eine viel versprechende Benennungszeile.
Er übertrug den Namen der Datei in für ihn leichter verständliche Sprachzeichen und las - „Das dystopische Dokument.“
Er öffnete die Datei, zog den Kopfhörer über und schaltete den automatischen Vorlesemechanismus zu, der den Text in Kaldarian übersetzen und zum Vortrag bringen würde.
Eine Computerstimme begann zu lesen …
(...)
(Erzählung/SF).
Der Parametercountdown war aktiviert, die Uhr tickte in eckigen Ziffern, die den gesamten Bildschirm ausfüllten, herunter.
Vor wenigen Minuten war das Schiff gelandet, und 3/4/Dreieck/Raute/VII/Stern erwartete das Grüppchen vermögen-der, abenteuerlustiger Kaldarianer, die heute in den Genuss einer perfekten historischen Simulation kommen würden - zumindest wenn alles glatt ging und nicht irgendwelche unerwarteten Schwierigkeiten auftraten (was immer sein konnte, aber - aller Erfahrung nach - eher unwahrscheinlich erschien).
3/4/Dreieck/Raute/VII/Stern transformierte in die historische Kos-tümierung, die zu der anstehenden Simulation passte, und verfolgte gelangweilt den herabtickenden Countdown vor sich auf dem Bildschirm. Einer plötzlichen Eingebung nachgebend, mini-mierte er die Ansicht der herunterzählenden Zeitanzeige und startete einen halbherzigen Versuch, in das antike Datennetz der untergegangenen Zivilisation zu gelangen. Eigentlich ein illegales Verhalten, noch dazu während seiner Arbeitszeit, aber Neugier und Langeweile trieben ihn, ungeachtet der Tatsache, dass ihn eine empfindliche Strafe erwarten würde, falls man ihn ertappte, voran.
Wenige Augenblicke später wurde der Bildschirm schwarz und eine einfache Aneinanderreihung elektronischer Miditöne erklang.
Dann erschien die Meldung. Er hatte den Zugang hergestellt. Schneller und einfacher als erwartet.
Fasziniert machte er sich daran, die unbekannten Regionen des primitiven virtuellen Raums einer ersten, ziellosen Erkundung zu unterziehen. Besonderen Wert legte er dabei auf Signaturen, die auf verschlüsselte oder bewusst versteckte Dokumente oder Medi-eninhalte hinwiesen.
In einer unspektakulären Ecke des Datennetzes stieß er auf eine viel versprechende Benennungszeile.
Er übertrug den Namen der Datei in für ihn leichter verständliche Sprachzeichen und las - „Das dystopische Dokument.“
Er öffnete die Datei, zog den Kopfhörer über und schaltete den automatischen Vorlesemechanismus zu, der den Text in Kaldarian übersetzen und zum Vortrag bringen würde.
Eine Computerstimme begann zu lesen …
(...)
... link
Montag, 16. Februar 2026
Psyche&Phantastik I - Ego/Rebell/Raum. (Textsammlung).
laghbas, 08:10h
PROGRESSION/Tischdecke.
Kinder, Zukunft, Apfelbaum,
Leben, Sterben, Badeschaum,
Liebe ewig wie ein Stein,
wie kann man sich sicher sein?
Regelmäßig unentdeckt
wird die Tischdecke befleckt,
irgendwann auf diesem Weg, irgendwann auf dieser Reise,
stirbt die Möglichkeit - ganz leise,
übrig bleibt, morsch und zerbrechlich,
ein schmaler Steg nur, doch - tatsächlich
- könnte man ihn noch begehen,
würde man es nur verstehen,
langsam sich voranzutasten,
ohne Eilen, ohne Hasten!
Lang schon bin ich unterwegs, langsam nur, doch stetig,
rüber will ich, müh‘ mich redlich,
aller Ablenkung zum Trotz,
- bis ich auf die Tischdeck‘ kotz‘.
(1992)
Kinder, Zukunft, Apfelbaum,
Leben, Sterben, Badeschaum,
Liebe ewig wie ein Stein,
wie kann man sich sicher sein?
Regelmäßig unentdeckt
wird die Tischdecke befleckt,
irgendwann auf diesem Weg, irgendwann auf dieser Reise,
stirbt die Möglichkeit - ganz leise,
übrig bleibt, morsch und zerbrechlich,
ein schmaler Steg nur, doch - tatsächlich
- könnte man ihn noch begehen,
würde man es nur verstehen,
langsam sich voranzutasten,
ohne Eilen, ohne Hasten!
Lang schon bin ich unterwegs, langsam nur, doch stetig,
rüber will ich, müh‘ mich redlich,
aller Ablenkung zum Trotz,
- bis ich auf die Tischdeck‘ kotz‘.
(1992)
... link
... older stories