Dienstag, 3. März 2026
Psyche & Phantastik I.
laghbas, 15:24h

SOLLTE dieses Jahr noch erscheinen.
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Donnerstag, 26. Februar 2026
Psyche&Phantastik I - Das rebellierende Ich. (Textsammlung).
laghbas, 08:37h
10 - HOMMAGE/Kind der Träume - Ray Bradbury.
„Wir suchen das Kind!“
Ultraviolettes Licht ließ die Gewänder der beiden schmalen, hoch aufgeschossenen Gestalten fluoreszieren. Es war nicht warm, noch kalt. Im Hintergrund, über dem rot erscheinenden Meer, versank die Sonne. Das Geräusch der an den Strand rauschenden Wellen zwang dazu, die Stimme zu erheben, um sich verständlich zu machen.
Das zusammengekauerte Wesen auf dem Stein zu Füßen der beiden Fremden reagierte nicht. Sein Schädel, samt hervorspringenden Augenwülsten, spärlich mit schwarzem, borstigem Haar besetzt, glich dem eines Affen. Mit leeren, verständnislosen Augen beschäftigte es sich damit, Kieselsteine in immer neuen Mustern anzuordnen, das fertige Gebilde aber jedes Mal sofort wieder zu zerstören und mit seiner Tätigkeit von vorne zu beginnen. Dabei ließ es keine Emotion erkennen, keine Freude, keine Langeweile, kein wirkliches Interesse am eigenen Tun.
„Es versteht uns nicht, Elektra. Lass uns umkehren, ich glaube nicht mehr an den Erfolg der Unternehmung.“
Traurigkeit ließ die Stimme der offensichtlich männlichen Gestalt unsicher wirken.
Seine Partnerin sah ihn aus leuchtend blauen, strahlenden Augen an. Ihre langen schwarzen Wimpern standen in verwirrendem Gegensatz zu ihrer kahlrasierten, blasshäutigen Schädeldecke.
„Wir können nicht einfach so aufgeben, Kiros, du weißt, was das bedeuten würde. Die Zeit läuft uns davon. Ich bitte dich, lass uns noch ein kleines Stück weitergehen, vielleicht…“
Ihr Blick wandte sich ab und schweifte suchend in der Umgebung umher. „Dort“, sie hob den Arm und zeigte auf eine Gruppe hoher, kalkiger Felsen am Ende des Strands, „wir ersteigen diese Felsen und sehen nach, was sich dahinter befindet.“
Kiros Antlitz verzog sich in Resignation, dennoch folgte er seiner Partnerin, die sich ohne eine Antwort abzuwarten bereits auf den Weg gemacht hatte.
Der Blick über die Ebene, der sich ihnen eröffnete, überstieg in seiner Bizarrerie all ihre Erwartungen. Verstaubte, ausgemusterte Kinderkarussells soweit das Auge reichte; am Himmel: hunderte von Flugschiffen aus samtigem Brokat, verziert mit Troddeln und goldenen und silbernen Bordüren. Das Meer klang leiser hier oben, ein leichter Wind ließ den Anblick der vergessenen Kinderträume noch trostloser erscheinen.
Die Dämmerung brach herein.
Niemand war zu sehen.
Quecksilberne Tränen rollten über Elektras Gesicht.
„Lass uns gehen“, flüsterte Kiros und legte seinen Arm tröstend um ihre schmalen Schultern.
Sie schlossen die Augen und verließen diese Welt.
*
(...)
„Wir suchen das Kind!“
Ultraviolettes Licht ließ die Gewänder der beiden schmalen, hoch aufgeschossenen Gestalten fluoreszieren. Es war nicht warm, noch kalt. Im Hintergrund, über dem rot erscheinenden Meer, versank die Sonne. Das Geräusch der an den Strand rauschenden Wellen zwang dazu, die Stimme zu erheben, um sich verständlich zu machen.
Das zusammengekauerte Wesen auf dem Stein zu Füßen der beiden Fremden reagierte nicht. Sein Schädel, samt hervorspringenden Augenwülsten, spärlich mit schwarzem, borstigem Haar besetzt, glich dem eines Affen. Mit leeren, verständnislosen Augen beschäftigte es sich damit, Kieselsteine in immer neuen Mustern anzuordnen, das fertige Gebilde aber jedes Mal sofort wieder zu zerstören und mit seiner Tätigkeit von vorne zu beginnen. Dabei ließ es keine Emotion erkennen, keine Freude, keine Langeweile, kein wirkliches Interesse am eigenen Tun.
„Es versteht uns nicht, Elektra. Lass uns umkehren, ich glaube nicht mehr an den Erfolg der Unternehmung.“
Traurigkeit ließ die Stimme der offensichtlich männlichen Gestalt unsicher wirken.
Seine Partnerin sah ihn aus leuchtend blauen, strahlenden Augen an. Ihre langen schwarzen Wimpern standen in verwirrendem Gegensatz zu ihrer kahlrasierten, blasshäutigen Schädeldecke.
„Wir können nicht einfach so aufgeben, Kiros, du weißt, was das bedeuten würde. Die Zeit läuft uns davon. Ich bitte dich, lass uns noch ein kleines Stück weitergehen, vielleicht…“
Ihr Blick wandte sich ab und schweifte suchend in der Umgebung umher. „Dort“, sie hob den Arm und zeigte auf eine Gruppe hoher, kalkiger Felsen am Ende des Strands, „wir ersteigen diese Felsen und sehen nach, was sich dahinter befindet.“
Kiros Antlitz verzog sich in Resignation, dennoch folgte er seiner Partnerin, die sich ohne eine Antwort abzuwarten bereits auf den Weg gemacht hatte.
Der Blick über die Ebene, der sich ihnen eröffnete, überstieg in seiner Bizarrerie all ihre Erwartungen. Verstaubte, ausgemusterte Kinderkarussells soweit das Auge reichte; am Himmel: hunderte von Flugschiffen aus samtigem Brokat, verziert mit Troddeln und goldenen und silbernen Bordüren. Das Meer klang leiser hier oben, ein leichter Wind ließ den Anblick der vergessenen Kinderträume noch trostloser erscheinen.
Die Dämmerung brach herein.
Niemand war zu sehen.
Quecksilberne Tränen rollten über Elektras Gesicht.
„Lass uns gehen“, flüsterte Kiros und legte seinen Arm tröstend um ihre schmalen Schultern.
Sie schlossen die Augen und verließen diese Welt.
*
(...)
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Sonntag, 22. Februar 2026
Psyche&Phantastik I - Das rebellierende Ich. (Textsammlung).
laghbas, 18:35h
8 - REBELLION I/Das dystopische Dokument. (Erzählung/SF).
Der Parametercountdown war aktiviert, die Uhr tickte in eckigen Ziffern, die den gesamten Sichtschirm des Monitors ausfüllten, herunter.
Vor wenigen Minuten war das Schiff gelandet und 3/4/Dreieck/Raute/VII/Stern wartete auf das Grüppchen vermögender, abenteuerlustiger Kaldarianer, die heute in den Genuss einer perfekten historischen Holosimulation kommen würden - zumindest wenn alles glatt ging und nicht irgendwelche unerwarteten Schwierigkeiten auftraten (was zwar sein konnte, aber - aller Erfahrung nach - eher unwahrscheinlich erschien).
3/4/Dreieck/Raute/VII/Stern transformierte in die historische Kostümierung, die zu der anstehenden Simulation passte, und blickte gelangweilt auf den Bildschirm. Einer plötzlichen Eingebung folgend minimierte er die Ansicht der herunterzählenden Zeitanzeige und startete einen halbherzigen Versuch, in das antike Datennetz der untergegangenen Zivilisation zu gelangen. Eigentlich ein illegales Verhalten, noch dazu während seiner Arbeitszeit, aber Neugier und Langeweile trieben ihn, ungeachtet der Tatsache, dass ihn eine empfindliche Strafe erwarten würde, falls man ihn ertappte, voran.
Wenige Augenblicke später wurde der Bildschirm schwarz und eine einfache Aneinanderreihung elektronischer Miditöne erklang.
Dann erschien die Meldung.
Er hatte den Zugang hergestellt. Schneller und einfacher als erwartet.
Fasziniert machte er sich daran, die unbekannten Regionen des primitiven, virtuellen Raums einer ersten, ziellosen Erkundung zu unterziehen. Besonderen Wert legte er dabei auf Signaturen, die auf verschlüsselte oder bewusst versteckte Dokumente oder Medieninhalte hinwiesen.
In einer unspektakulären Ecke des Datennetzes stieß er auf eine viel versprechende Benennungszeile.
Er übertrug den Namen des Dokuments in für ihn leichter verständliche Sprachzeichen und las - „Das dystopische Dokument.“
Er öffnete die Datei, zog den Kopfhörer über und schaltete den automatischen Vorlesemechanismus zu, der den Text in Kaldarian übersetzen und zum Vortrag bringen würde.
Eine Computerstimme begann zu lesen…
(...)
Der Parametercountdown war aktiviert, die Uhr tickte in eckigen Ziffern, die den gesamten Sichtschirm des Monitors ausfüllten, herunter.
Vor wenigen Minuten war das Schiff gelandet und 3/4/Dreieck/Raute/VII/Stern wartete auf das Grüppchen vermögender, abenteuerlustiger Kaldarianer, die heute in den Genuss einer perfekten historischen Holosimulation kommen würden - zumindest wenn alles glatt ging und nicht irgendwelche unerwarteten Schwierigkeiten auftraten (was zwar sein konnte, aber - aller Erfahrung nach - eher unwahrscheinlich erschien).
3/4/Dreieck/Raute/VII/Stern transformierte in die historische Kostümierung, die zu der anstehenden Simulation passte, und blickte gelangweilt auf den Bildschirm. Einer plötzlichen Eingebung folgend minimierte er die Ansicht der herunterzählenden Zeitanzeige und startete einen halbherzigen Versuch, in das antike Datennetz der untergegangenen Zivilisation zu gelangen. Eigentlich ein illegales Verhalten, noch dazu während seiner Arbeitszeit, aber Neugier und Langeweile trieben ihn, ungeachtet der Tatsache, dass ihn eine empfindliche Strafe erwarten würde, falls man ihn ertappte, voran.
Wenige Augenblicke später wurde der Bildschirm schwarz und eine einfache Aneinanderreihung elektronischer Miditöne erklang.
Dann erschien die Meldung.
Er hatte den Zugang hergestellt. Schneller und einfacher als erwartet.
Fasziniert machte er sich daran, die unbekannten Regionen des primitiven, virtuellen Raums einer ersten, ziellosen Erkundung zu unterziehen. Besonderen Wert legte er dabei auf Signaturen, die auf verschlüsselte oder bewusst versteckte Dokumente oder Medieninhalte hinwiesen.
In einer unspektakulären Ecke des Datennetzes stieß er auf eine viel versprechende Benennungszeile.
Er übertrug den Namen des Dokuments in für ihn leichter verständliche Sprachzeichen und las - „Das dystopische Dokument.“
Er öffnete die Datei, zog den Kopfhörer über und schaltete den automatischen Vorlesemechanismus zu, der den Text in Kaldarian übersetzen und zum Vortrag bringen würde.
Eine Computerstimme begann zu lesen…
(...)
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Montag, 16. Februar 2026
Psyche&Phantastik I - Das rebellierende Ich. (Textsammlung).
laghbas, 08:10h
1 - PROGRESSION/Tischdecke.
Kinder, Zukunft, Apfelbaum,
Leben, Sterben, Badeschaum,
Liebe ewig wie ein Stein,
wie kann man sich sicher sein?
Regelmäßig unentdeckt
wird die Tischdecke befleckt,
irgendwann auf diesem Weg, irgendwann auf dieser Reise,
stirbt die Möglichkeit - ganz leise,
übrig bleibt, morsch und zerbrechlich,
ein schmaler Steg nur, doch - tatsächlich
- könnte man ihn noch begehen,
würde man es nur verstehen,
langsam sich voranzutasten,
ohne Eilen, ohne Hasten!
Lang schon bin ich unterwegs, langsam nur, doch stetig,
rüber will ich, müh‘ mich redlich,
aller Ablenkung zum Trotz,
- bis ich auf die Tischdeck‘ kotz‘.
(1992)
Kinder, Zukunft, Apfelbaum,
Leben, Sterben, Badeschaum,
Liebe ewig wie ein Stein,
wie kann man sich sicher sein?
Regelmäßig unentdeckt
wird die Tischdecke befleckt,
irgendwann auf diesem Weg, irgendwann auf dieser Reise,
stirbt die Möglichkeit - ganz leise,
übrig bleibt, morsch und zerbrechlich,
ein schmaler Steg nur, doch - tatsächlich
- könnte man ihn noch begehen,
würde man es nur verstehen,
langsam sich voranzutasten,
ohne Eilen, ohne Hasten!
Lang schon bin ich unterwegs, langsam nur, doch stetig,
rüber will ich, müh‘ mich redlich,
aller Ablenkung zum Trotz,
- bis ich auf die Tischdeck‘ kotz‘.
(1992)
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Mittwoch, 4. Februar 2026
Psyche&Phantastik I - Das rebellierende Ich. (Textsammlung).
laghbas, 13:17h
6 - REBELLION/Lichtbringer.
(Erzählung/Fantasy).
(...)
*
Im Jahr Eintausendvierhundertvierzehn der Oberflächenkultur, zum Zeitpunkt unserer Geschichte also, bekleidet der ehrwürdige Menoch das höchste Amt der Priesterschaft. Wir beobachten ihn im Audienzsaal des Haupttempels im abendlichen Halbdunkel, gewandet in den priesterlichen, rostroten Talar mit dem goldgestickten Abzeichen der abstrahierten Flamme, dem Symbol seines Ordens. Die wichtigste Insignie seines Amtes jedoch, das priesterliche Zepter, auf dessen Spitze ein glimmender Unterseitenkristall prangt, liegt ganz am Ende des Saals auf einem schmucklosen Beistelltisch neben dem Thron, eingehüllt in Tücher aus dickem, grünen Brokat.
„Herr, warum willst du Veränderung?“
Menochs Stimme hallt verloren durch die Weite des Saals.
„Du sprichst zu mir, und ich weiß nicht, ist es Segen oder Fluch, mit dem du mich belegst. Deine Stimme, so gewaltig, so kraftvoll, sie weist mich an, aber ich bin nur ein Mensch und ich weiß nichts. Kann ich denn tatsächlich etwas für dich tun? Ich, Menoch, so gering, nicht mehr als nur ein Staubkorn in den unschätzbaren Wüsten deiner Schöpfung?“
Für einen kurzen Moment, in dem er den Kopf wie zerschlagen sinken, und seinen Blick zu Boden hin auf die groben, viereckigen Steinplatten fallen lässt, schweigt der Hohepriester, bevor er - leiser jetzt, verzweifelter - erneut zu klagen beginnt.
„Warum? Warum, mein Gott, sind deine Antworten niemals eindeutig? Niemals klar und laut und leicht verständlich? Warum quälst Du mich durch meinen freien Willen und überlässt mir die Wahl? Warum willst du Veränderung? Bist du der Gott der Veränderung, der Gott des Wandels? Ist das dein Wesen? Und bin ich - ein Werkzeug dieser Kraft?“
Wieder, nicht zum ersten Mal an diesem Abend, entringt sich ein gequälter Seufzer seiner Kehle.
“Warum, warum nur kann nichts bleiben? Unsere Welt verändert sich, ich weiß es aus den Träumen, den Eingebungen, die du mir schenkst. Ein Umbruch steht bevor, und mir - Menoch - ist eine Rolle dabei zugedacht. So ist es doch, Herr, oder? Ich bitte dich, gib mir Sicherheit, sage mir, dass es so ist, und weise mir meine Rolle zu. Damit ich das Richtige tue und Dir diene.“
Der hagere Priester verstummt. Müden Auges tritt er an den steinernen, massiv aus Felsgestein geschlagenen Thron, zu dem ihn sein Weg durch den Audienzsaal geführt hat, lässt sich nieder, und versinkt erneut in tiefes, grüblerischen Schweigen.
*
(...)
Der Tagesablauf sah, im Anschluss an die Weihe, die Ausgabe der heiligen Flüssigkeit vor. Das Holztor unter dem Balkon, auf dem Menoch noch vor wenige Minuten gestanden hatte, öffnete sich und stieß eine geschäftige Wolke aus Priestern aus, die große, mit tönernen Krügen beladene Holzkarren in den Hof zogen.
Die Zeremonienlehrer der einzelnen Gruppen setzten sich in Bewegung. Unter vielfältigen Bannern, einem über ihren Köpfen tänzelnder Pulk bunter Symbole, versammelten sie sich um die Karren. Kurz darauf kehrten sie, gefüllte Amphoren der Heiligen Flüssigkeit tragend, zu ihren Gruppen zurück.
Die Kinder wühlten derweil in ihren Taschen und zogen ihre Trinkschalen hervor. Die schmucklosen Holzgefäße waren mit ihren Namen und dem Jahr ihrer Nachfolge versehen; ihr ganzes Leben lang würden sie die Schalen von nun an mit sich tragen: eine Reliquie, die zu verlieren oder zu beschädigen als Unglück bringendes Omen galt, weil niemand mehr jemandem traute, der während der täglichen Riten die Lichtbringerin nicht aus seiner eigenen, namens- und datumsverzierten Schale entgegennahm.
Manon fand die Schale in einer Innentasche seiner Jacke, kramte sie hervor und starrte auf die eingebrannten Schriftzeichen.
Manon Elthmark – anno 1414 der Oberflächenkultur – Magister Almoth.
Mittlerweile hatten sich die Nachfolgenden um ihre Lehrer versammelt, die mit ausladenden Kellen die Bewahrerin in die dargebotenen Schalen der Nachfolge gossen. Über das Haupt eines jeden Kindes wurde der Segen gesprochen, dann durfte getrunken werden.
Alle fühlten wie die trügerische Süße der heiligen Flüssigkeit ihre Körper ein erstes Mal in Besitz nahm.
Manon erzitterte.
Nächtelang hatte er wachgelegen und diesen einen Augenblick wieder und wieder vor seinem geistigen Auge ablaufen lassen. Hunderte von Plänen hatte er geschmiedet und wieder verworfen, hunderte Pläne.
Jetzt aber war sein Kopf vollkommen leer.
Was sollte er tun? Wie es vermeiden, die Flüssigkeit aufnehmen zu müssen?
Nur noch wenige andere trennten ihn von den prüfenden Augen des Magisters. Seine Angst wurde übermächtig, seine Gedanken rasten.
Flucht? Nein, alle Tore waren verschlossen, und nur der eine, selbstmörderische Weg mitten hinein ins Herz des Tempels stand ihm offen. Etwas vortäuschen? Schmerz, Krankheit, Anfälle irgendeiner Art, eine Ohnmacht womöglich, um Zeit zu gewinnen und der Gefahr zumindest fürs erste zu entgehen?
Vielleicht. Vielleicht eine Möglichkeit.
Sich der vagen Hoffnung hingeben, im Andrang der anderen nicht aufzufallen, wenn er schlicht und einfach nicht nach vorne trat?
Nein, auch das war unmöglich, Almoth würde es bemerken, er hatte sich in den vergangenen Monaten als zu aufmerksam erwiesen, für alles, was „seine“ Kinder betraf. Almoth würde sein Ausbleiben registrieren, ihn gesondert aufrufen und dann - wäre, endgültig, jede Chance vertan.
Noch zwei samtblaue Rücken trennten Manon von seinem Lehrer und dessen unbarmherzigen Augen. Die Geräusche der Welt um ihn herum entfernten sich, zogen sich zurück. Nur das leise Plätschern der weißen Flüssigkeit, die der Zeremonienlehrer in die dargebotenen Schalen goss, blieb deutlich vernehmbar. Das Gurgeln und Gluckern eines Mahlstroms, der Materie, wie auch Leben, unbarmherzig in die Tiefe zog, unweigerlich, letztendlich, entschlossen. Auch das eintönige Gemurmel des immer gleichen, immer wiederholten priesterlichen Segens, den der Zeremonienlehrer leise sprach, während seine Hand auf den gesenkten Köpfen der Nachfolgenden ruhte, die die Bewahrerin demütig empfingen, blieb präsent. „Im Namen der Lichtbringerin, im Namen der Priesterschaft, im Namen der Schöpferkraft - trink und folge nach, trink und folge nach, trink und folge nach!“ Eindringlich sprach der Magister zu den Jugendlichen und Kindern, erzeugte Gänsehaut und Schaudern - jene trügerische Ergriffenheit des Gesegneten, der glaubt, an etwas Großem, etwas Erhabenem teilzuhaben.
Dann war es soweit.
„Im Namen der Lichtbringerin, im Namen der Priesterschaft, im Namen der Schöpferkraft – trink, Manon, trink und folge nach, trink und...“
Manon verlor das Bewusstsein.
Die Kulissen des Tempelhofs entschwanden, und wie als hätte die Zeit begonnen, sich zu verlangsamen, fiel er dem Boden entgegen. Sein erschlaffter Arm schlug auf die steinernen Fliesen des Hofes, seine Hand löste ihren Griff um den Rand der Holzschale, die - hüpfend wie ein verloren gegebener Ball auf abschüssigem Grund - hohl scheppernd davonsprang.
Manon Elthmark – anno 1414 der Oberfläche - Meister Almoth.
*
(...)
(Erzählung/Fantasy).
(...)
*
Im Jahr Eintausendvierhundertvierzehn der Oberflächenkultur, zum Zeitpunkt unserer Geschichte also, bekleidet der ehrwürdige Menoch das höchste Amt der Priesterschaft. Wir beobachten ihn im Audienzsaal des Haupttempels im abendlichen Halbdunkel, gewandet in den priesterlichen, rostroten Talar mit dem goldgestickten Abzeichen der abstrahierten Flamme, dem Symbol seines Ordens. Die wichtigste Insignie seines Amtes jedoch, das priesterliche Zepter, auf dessen Spitze ein glimmender Unterseitenkristall prangt, liegt ganz am Ende des Saals auf einem schmucklosen Beistelltisch neben dem Thron, eingehüllt in Tücher aus dickem, grünen Brokat.
„Herr, warum willst du Veränderung?“
Menochs Stimme hallt verloren durch die Weite des Saals.
„Du sprichst zu mir, und ich weiß nicht, ist es Segen oder Fluch, mit dem du mich belegst. Deine Stimme, so gewaltig, so kraftvoll, sie weist mich an, aber ich bin nur ein Mensch und ich weiß nichts. Kann ich denn tatsächlich etwas für dich tun? Ich, Menoch, so gering, nicht mehr als nur ein Staubkorn in den unschätzbaren Wüsten deiner Schöpfung?“
Für einen kurzen Moment, in dem er den Kopf wie zerschlagen sinken, und seinen Blick zu Boden hin auf die groben, viereckigen Steinplatten fallen lässt, schweigt der Hohepriester, bevor er - leiser jetzt, verzweifelter - erneut zu klagen beginnt.
„Warum? Warum, mein Gott, sind deine Antworten niemals eindeutig? Niemals klar und laut und leicht verständlich? Warum quälst Du mich durch meinen freien Willen und überlässt mir die Wahl? Warum willst du Veränderung? Bist du der Gott der Veränderung, der Gott des Wandels? Ist das dein Wesen? Und bin ich - ein Werkzeug dieser Kraft?“
Wieder, nicht zum ersten Mal an diesem Abend, entringt sich ein gequälter Seufzer seiner Kehle.
“Warum, warum nur kann nichts bleiben? Unsere Welt verändert sich, ich weiß es aus den Träumen, den Eingebungen, die du mir schenkst. Ein Umbruch steht bevor, und mir - Menoch - ist eine Rolle dabei zugedacht. So ist es doch, Herr, oder? Ich bitte dich, gib mir Sicherheit, sage mir, dass es so ist, und weise mir meine Rolle zu. Damit ich das Richtige tue und Dir diene.“
Der hagere Priester verstummt. Müden Auges tritt er an den steinernen, massiv aus Felsgestein geschlagenen Thron, zu dem ihn sein Weg durch den Audienzsaal geführt hat, lässt sich nieder, und versinkt erneut in tiefes, grüblerischen Schweigen.
*
(...)
Der Tagesablauf sah, im Anschluss an die Weihe, die Ausgabe der heiligen Flüssigkeit vor. Das Holztor unter dem Balkon, auf dem Menoch noch vor wenige Minuten gestanden hatte, öffnete sich und stieß eine geschäftige Wolke aus Priestern aus, die große, mit tönernen Krügen beladene Holzkarren in den Hof zogen.
Die Zeremonienlehrer der einzelnen Gruppen setzten sich in Bewegung. Unter vielfältigen Bannern, einem über ihren Köpfen tänzelnder Pulk bunter Symbole, versammelten sie sich um die Karren. Kurz darauf kehrten sie, gefüllte Amphoren der Heiligen Flüssigkeit tragend, zu ihren Gruppen zurück.
Die Kinder wühlten derweil in ihren Taschen und zogen ihre Trinkschalen hervor. Die schmucklosen Holzgefäße waren mit ihren Namen und dem Jahr ihrer Nachfolge versehen; ihr ganzes Leben lang würden sie die Schalen von nun an mit sich tragen: eine Reliquie, die zu verlieren oder zu beschädigen als Unglück bringendes Omen galt, weil niemand mehr jemandem traute, der während der täglichen Riten die Lichtbringerin nicht aus seiner eigenen, namens- und datumsverzierten Schale entgegennahm.
Manon fand die Schale in einer Innentasche seiner Jacke, kramte sie hervor und starrte auf die eingebrannten Schriftzeichen.
Manon Elthmark – anno 1414 der Oberflächenkultur – Magister Almoth.
Mittlerweile hatten sich die Nachfolgenden um ihre Lehrer versammelt, die mit ausladenden Kellen die Bewahrerin in die dargebotenen Schalen der Nachfolge gossen. Über das Haupt eines jeden Kindes wurde der Segen gesprochen, dann durfte getrunken werden.
Alle fühlten wie die trügerische Süße der heiligen Flüssigkeit ihre Körper ein erstes Mal in Besitz nahm.
Manon erzitterte.
Nächtelang hatte er wachgelegen und diesen einen Augenblick wieder und wieder vor seinem geistigen Auge ablaufen lassen. Hunderte von Plänen hatte er geschmiedet und wieder verworfen, hunderte Pläne.
Jetzt aber war sein Kopf vollkommen leer.
Was sollte er tun? Wie es vermeiden, die Flüssigkeit aufnehmen zu müssen?
Nur noch wenige andere trennten ihn von den prüfenden Augen des Magisters. Seine Angst wurde übermächtig, seine Gedanken rasten.
Flucht? Nein, alle Tore waren verschlossen, und nur der eine, selbstmörderische Weg mitten hinein ins Herz des Tempels stand ihm offen. Etwas vortäuschen? Schmerz, Krankheit, Anfälle irgendeiner Art, eine Ohnmacht womöglich, um Zeit zu gewinnen und der Gefahr zumindest fürs erste zu entgehen?
Vielleicht. Vielleicht eine Möglichkeit.
Sich der vagen Hoffnung hingeben, im Andrang der anderen nicht aufzufallen, wenn er schlicht und einfach nicht nach vorne trat?
Nein, auch das war unmöglich, Almoth würde es bemerken, er hatte sich in den vergangenen Monaten als zu aufmerksam erwiesen, für alles, was „seine“ Kinder betraf. Almoth würde sein Ausbleiben registrieren, ihn gesondert aufrufen und dann - wäre, endgültig, jede Chance vertan.
Noch zwei samtblaue Rücken trennten Manon von seinem Lehrer und dessen unbarmherzigen Augen. Die Geräusche der Welt um ihn herum entfernten sich, zogen sich zurück. Nur das leise Plätschern der weißen Flüssigkeit, die der Zeremonienlehrer in die dargebotenen Schalen goss, blieb deutlich vernehmbar. Das Gurgeln und Gluckern eines Mahlstroms, der Materie, wie auch Leben, unbarmherzig in die Tiefe zog, unweigerlich, letztendlich, entschlossen. Auch das eintönige Gemurmel des immer gleichen, immer wiederholten priesterlichen Segens, den der Zeremonienlehrer leise sprach, während seine Hand auf den gesenkten Köpfen der Nachfolgenden ruhte, die die Bewahrerin demütig empfingen, blieb präsent. „Im Namen der Lichtbringerin, im Namen der Priesterschaft, im Namen der Schöpferkraft - trink und folge nach, trink und folge nach, trink und folge nach!“ Eindringlich sprach der Magister zu den Jugendlichen und Kindern, erzeugte Gänsehaut und Schaudern - jene trügerische Ergriffenheit des Gesegneten, der glaubt, an etwas Großem, etwas Erhabenem teilzuhaben.
Dann war es soweit.
„Im Namen der Lichtbringerin, im Namen der Priesterschaft, im Namen der Schöpferkraft – trink, Manon, trink und folge nach, trink und...“
Manon verlor das Bewusstsein.
Die Kulissen des Tempelhofs entschwanden, und wie als hätte die Zeit begonnen, sich zu verlangsamen, fiel er dem Boden entgegen. Sein erschlaffter Arm schlug auf die steinernen Fliesen des Hofes, seine Hand löste ihren Griff um den Rand der Holzschale, die - hüpfend wie ein verloren gegebener Ball auf abschüssigem Grund - hohl scheppernd davonsprang.
Manon Elthmark – anno 1414 der Oberfläche - Meister Almoth.
*
(...)
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Samstag, 31. Januar 2026
Psyche&Phantastik I - Das rebellierende Ich. (Textsammlung).
laghbas, 08:46h
3 - SHE/Die Frau im Käfig oder - Der Liebestod.
(Erzählung, Lyrische Groteske).
Pendelnd, verschlagen, knirschen Kettenglieder in den Halterungen. Rings umher ein wilder Tanz aus Feuerschatten, auch von einem brennenden Kamin, dort hinten irgendwo im Saal. Alt ist die Burg, massiv und fest sind ihre Mauern. Doch selbst die schweren Teppiche, an Wänden und auf Böden, bannen Eiseskälte - nicht.
*
Maiphas ruht in einem Stuhl, dem Rundstuhl seiner Ahnen. Gelangweilt. Übersättigt. Die dicken, beringten Finger halten zierlich ein rubin-, saphirbestücktes Trinkgefäß. Schwerer, süßlich-saurer Wein, den er trinkt und trinkt und immer wieder aufstößt, brennend Kehle, Magen, all das Fleisch, die dicken Bratenscheiben, fett.
Ein Rascheln, plötzlich, Stroh auf Käfigboden, macht den Grafen zucken, horchen, um sich blicken.
"Eleonore?"
Erst Stille, während der er regungslos verharrt und lauscht, dann Wiederholung jenes Raschelns.
Ruckartig setzt sich Maiphas auf, roter Wein schwappt über und befleckt, besudelt seine Kleidung, seine Augen weiten sich, ein glasig-wirrer Glanz befällt sie. "Eleonore!", schrill stößt er das Wort erneut ins Nichts, springt auf, wirft den Pokal weit von sich, hetzt durch den Saal zum Hängekäfig, dessen Boden, binsenvoll, nur wenig unter Augenhöhe pendelt.
Dort kauert SIE, sein Weib, die große Liebe seines Lebens. Jenes einzig wahre Wesen, dem er sich nahe fühlt, jene eine, wunderbare Seele, welche er, wie nichts ansonsten zwischen hier und dort, den Sphären irdischer Gefangenschaft und jenen jenseits des Saturn, verehrt. In Wahrheit nur ein schwarzer Schatten, schwärzer, dunkler noch - als all die Dunkelheit um ihn herum. "Eleonore?", die zum Flüstern ruhig gehaltene Stimme, poesches Wispern, zittert, "Bist du wach?"
Dann plötzlich, wiederum, ein Rumoren von der andren Seite her, ein, zwei, harte Schläge an das Holz der Burgsaaltüren, deren Flügel, in sich bebend, sich ergeben und zwischen sich hindurch, wie feuchte Lappen, eine Menschenmeute in den Saal entlassen. Keilförmig, unter Führung eines jungen Lords (die Fackel hoch erhoben über seinem blondgelockten, jugendlichen Schopf), verharrt man, sucht sich im fremden Raume zu befinden, bis man, mit einem Aufschrei, einer Kampfansage gleich, Maiphas am Hängekäfig stehen sieht.
"Nein! Neeein! Haltet ein, Ihr versteht nicht, Ihr … !", versucht der Burggraf noch zu brüllen, sein bärtiges Gesicht verzerrt, die Hände aufgeworfen, ringend, sein ganzer Körper eine Mischung aus Erstarrtheit und entsetzter Flucht. Allein der Mob, er kennt kein Zögern, kennt kein Halten, stürmt heran, Mistgabeln, Fackeln, Sensen - hoch erhoben in die Luft.
Doch dann: "Nein, wartet!"
Es ist der junge Lord, Lord Edgar, der schließlich doch noch innehält und, beide Arme ausgestreckt, um Mob und Wut zu bannen, die Worte ruft: "SO GOTT ES WILL, DENN LASST IHN REDEN!"
Und sie gehorchen, halten an und schweigen still.
Irgendetwas, tief in Maiphas, rührt sich, sendet Hoffnungsschimmer über Nervenbahnen. Reden, denkt er, während er Gewand und Haar zu ordnen sucht, Reden - ist gut.
Zugleich jedoch bemerkt er jetzt, dass alle Aufmerksamkeit nicht mehr auf ihn, sondern auf etwas, dort - ein Stückchen neben, ein Stückchen hinter ihm, gerichtet ist. Er braucht nicht hinzusehen, er weiß sofort: SIE ist erwacht. Besser als jeder andere kennt er die Wirkung, die ihr Anblick auf den Verstand der Männer hat.
In den Augen jener groben Bauern, die dumpf nach seinem Leben trachten, sieht er sein Weib sich hinter Käfiggittern räkeln, ihr prächtig volles, langes Haar, voll Stroh, verfilzt und wie vor Schmutz toupiert; ihr Leib, nur karg verdeckt durch Kleiderfetzen; die schweren weißen Brüste, ausladend Hüften, Schenkel, ihre nackten, bloßen Füße. Noch halb verschlafen drückt sie den Leib ans Käfiggitter, schnurrt und schmollt und … schlägt die warm verhang‘nen Augen auf.
"Ich bitte Euch, Lord Edgar, nur auf ein Wort, ganz unter uns." Der Blick des Grafen, er zielt auf eine schmale Tür zum Nebenraum des großen Saals.
Lord Edgar zögert, dann bespricht er sich mit einem Bauernburschen. Er gibt die Fackel ab und nickt.
Man ist bereit, den Burgherrn anzuhören, der junge Lord wird mit ihm sprechen, der Rest der Meute wird das Ende des Gesprächs im Großen Saal erwarten.
*
(...)
Pendelnd, verschlagen, knirschen Kettenglieder in den Halterungen. Rings umher ein wilder Tanz aus Feuerschatten, auch von einem brennenden Kamin, dort hinten irgendwo im Saal. Alt ist die Burg, massiv und fest sind ihre Mauern. Doch selbst die schweren Teppiche, an Wänden und auf Böden, bannen Eiseskälte - nicht.
(Schluss/Refrain).
(Erzählung, Lyrische Groteske).
Pendelnd, verschlagen, knirschen Kettenglieder in den Halterungen. Rings umher ein wilder Tanz aus Feuerschatten, auch von einem brennenden Kamin, dort hinten irgendwo im Saal. Alt ist die Burg, massiv und fest sind ihre Mauern. Doch selbst die schweren Teppiche, an Wänden und auf Böden, bannen Eiseskälte - nicht.
*
Maiphas ruht in einem Stuhl, dem Rundstuhl seiner Ahnen. Gelangweilt. Übersättigt. Die dicken, beringten Finger halten zierlich ein rubin-, saphirbestücktes Trinkgefäß. Schwerer, süßlich-saurer Wein, den er trinkt und trinkt und immer wieder aufstößt, brennend Kehle, Magen, all das Fleisch, die dicken Bratenscheiben, fett.
Ein Rascheln, plötzlich, Stroh auf Käfigboden, macht den Grafen zucken, horchen, um sich blicken.
"Eleonore?"
Erst Stille, während der er regungslos verharrt und lauscht, dann Wiederholung jenes Raschelns.
Ruckartig setzt sich Maiphas auf, roter Wein schwappt über und befleckt, besudelt seine Kleidung, seine Augen weiten sich, ein glasig-wirrer Glanz befällt sie. "Eleonore!", schrill stößt er das Wort erneut ins Nichts, springt auf, wirft den Pokal weit von sich, hetzt durch den Saal zum Hängekäfig, dessen Boden, binsenvoll, nur wenig unter Augenhöhe pendelt.
Dort kauert SIE, sein Weib, die große Liebe seines Lebens. Jenes einzig wahre Wesen, dem er sich nahe fühlt, jene eine, wunderbare Seele, welche er, wie nichts ansonsten zwischen hier und dort, den Sphären irdischer Gefangenschaft und jenen jenseits des Saturn, verehrt. In Wahrheit nur ein schwarzer Schatten, schwärzer, dunkler noch - als all die Dunkelheit um ihn herum. "Eleonore?", die zum Flüstern ruhig gehaltene Stimme, poesches Wispern, zittert, "Bist du wach?"
Dann plötzlich, wiederum, ein Rumoren von der andren Seite her, ein, zwei, harte Schläge an das Holz der Burgsaaltüren, deren Flügel, in sich bebend, sich ergeben und zwischen sich hindurch, wie feuchte Lappen, eine Menschenmeute in den Saal entlassen. Keilförmig, unter Führung eines jungen Lords (die Fackel hoch erhoben über seinem blondgelockten, jugendlichen Schopf), verharrt man, sucht sich im fremden Raume zu befinden, bis man, mit einem Aufschrei, einer Kampfansage gleich, Maiphas am Hängekäfig stehen sieht.
"Nein! Neeein! Haltet ein, Ihr versteht nicht, Ihr … !", versucht der Burggraf noch zu brüllen, sein bärtiges Gesicht verzerrt, die Hände aufgeworfen, ringend, sein ganzer Körper eine Mischung aus Erstarrtheit und entsetzter Flucht. Allein der Mob, er kennt kein Zögern, kennt kein Halten, stürmt heran, Mistgabeln, Fackeln, Sensen - hoch erhoben in die Luft.
Doch dann: "Nein, wartet!"
Es ist der junge Lord, Lord Edgar, der schließlich doch noch innehält und, beide Arme ausgestreckt, um Mob und Wut zu bannen, die Worte ruft: "SO GOTT ES WILL, DENN LASST IHN REDEN!"
Und sie gehorchen, halten an und schweigen still.
Irgendetwas, tief in Maiphas, rührt sich, sendet Hoffnungsschimmer über Nervenbahnen. Reden, denkt er, während er Gewand und Haar zu ordnen sucht, Reden - ist gut.
Zugleich jedoch bemerkt er jetzt, dass alle Aufmerksamkeit nicht mehr auf ihn, sondern auf etwas, dort - ein Stückchen neben, ein Stückchen hinter ihm, gerichtet ist. Er braucht nicht hinzusehen, er weiß sofort: SIE ist erwacht. Besser als jeder andere kennt er die Wirkung, die ihr Anblick auf den Verstand der Männer hat.
In den Augen jener groben Bauern, die dumpf nach seinem Leben trachten, sieht er sein Weib sich hinter Käfiggittern räkeln, ihr prächtig volles, langes Haar, voll Stroh, verfilzt und wie vor Schmutz toupiert; ihr Leib, nur karg verdeckt durch Kleiderfetzen; die schweren weißen Brüste, ausladend Hüften, Schenkel, ihre nackten, bloßen Füße. Noch halb verschlafen drückt sie den Leib ans Käfiggitter, schnurrt und schmollt und … schlägt die warm verhang‘nen Augen auf.
"Ich bitte Euch, Lord Edgar, nur auf ein Wort, ganz unter uns." Der Blick des Grafen, er zielt auf eine schmale Tür zum Nebenraum des großen Saals.
Lord Edgar zögert, dann bespricht er sich mit einem Bauernburschen. Er gibt die Fackel ab und nickt.
Man ist bereit, den Burgherrn anzuhören, der junge Lord wird mit ihm sprechen, der Rest der Meute wird das Ende des Gesprächs im Großen Saal erwarten.
*
(...)
Pendelnd, verschlagen, knirschen Kettenglieder in den Halterungen. Rings umher ein wilder Tanz aus Feuerschatten, auch von einem brennenden Kamin, dort hinten irgendwo im Saal. Alt ist die Burg, massiv und fest sind ihre Mauern. Doch selbst die schweren Teppiche, an Wänden und auf Böden, bannen Eiseskälte - nicht.
(Schluss/Refrain).
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Donnerstag, 29. Januar 2026
Psyche&Phantastik I - Das rebellierende Ich. (Textsammlung).
laghbas, 12:22h
PROLOG/Bähker - ein Rahmen.
„Schreib alles auf! Das ist die Aufgabe, die die Alten Dir zugedacht haben. Am Ende deiner Reise.“
So lauteten die Worte, die Bähker immer wieder vernahm, in seinen Träumen, und manchmal sogar mitten am Tag, während ihn eigentlich ganz andere Dinge beschäftigten, jene Dinge nämlich, die sein Alltagsleben ausmachten - der Broterwerb (eine bedauerliche, aber leider zwingende Notwendigkeit) - die sozialen Kontakte - seine Familie.
Innerlich aber war er weit mehr als nur ein einfacher Bankangestellter in einer kleinen Filiale im Südwesten Deutschlands. Tief in seinem Inneren lebte der Chronist der Zeit, ein Welten-, ein Dimensionenwanderer, uralt, erfahren und weise.
Noch vor wenigen Jahren hatte er, vielleicht mehr noch als die Menschen, denen er seine zweite Identität bis dahin offenbart hatte, an sich selbst und seinen Wahrnehmungen gezweifelt. Denn - wer in sich zwei Identitäten ausmacht, und dazu neigt, sie beide als real anzuerkennen, der ist nicht mehr weit entfernt von den grauen, trostlosen Ufern einer Diagnose, die ihm das vernichtende Brandzeichen der Schizophrenie auf den Leib brennt. So etwas hing einem ein ganzes Leben lang nach, in Personalakten, Führungszeugnissen, medizinischen Gutachten, die, egal, was auch immer SIE sagen, niemals vernichtet werden, niemals verjähren, sondern sorgfältig aufbewahrt und im entscheidenden Moment aus irgendeinem abgedunkelten Archivkeller heraufgeholt und gelesen werden. Gerade in einer Zeit, in der man sich mit den Mitteln modernster Datenerfassung darum bemühte, alle Menschen des Planeten zu durchleuchten und final zu kategorisieren, wurde man das nicht mehr los.
Bähker hatte sich am Ende nie dazu hinreißen lassen, einen Psychologen aufzusuchen (eine Tatsache, für die er sich selbst gar nicht genug beglückwünschen konnte), denn so war er frei geblieben, frei, zu tun, was immer er wollte, frei, zu gehen, wohin auch immer ihm zu gehen der Sinn stand.
Und dann, nach all den dunklen, einsamen und schmerzvollen Stunden, Tagen, Wochen, Monaten und Jahren, begegnete er, in einer ärmlichen Kneipe in Berlin, wohin ihn seine Bank für ein weiteres, sinnloses Fortbildungsseminar geschickt hatte, Paul Mennsfeld. Paul hatte ihn ernst genommen, ihm nickend zugehört und immer wieder sein Verständnis bekundet. „Ich weiß, wovon du sprichst“, Worte, deren Klang Karl Bähker wie eine Erlösung erschienen.
Und so hatte er begonnen, aufzuzeichnen, was der Chronist, der Weltenwanderer, der er eigentlich war, auf seinen Reisen gesehen und erlebt hatte.
„Schreib alles auf! Das ist die Aufgabe, die die Alten Dir zugedacht haben. Am Ende deiner Reise.“
So lauteten die Worte, die Bähker immer wieder vernahm, in seinen Träumen, und manchmal sogar mitten am Tag, während ihn eigentlich ganz andere Dinge beschäftigten, jene Dinge nämlich, die sein Alltagsleben ausmachten - der Broterwerb (eine bedauerliche, aber leider zwingende Notwendigkeit) - die sozialen Kontakte - seine Familie.
Innerlich aber war er weit mehr als nur ein einfacher Bankangestellter in einer kleinen Filiale im Südwesten Deutschlands. Tief in seinem Inneren lebte der Chronist der Zeit, ein Welten-, ein Dimensionenwanderer, uralt, erfahren und weise.
Noch vor wenigen Jahren hatte er, vielleicht mehr noch als die Menschen, denen er seine zweite Identität bis dahin offenbart hatte, an sich selbst und seinen Wahrnehmungen gezweifelt. Denn - wer in sich zwei Identitäten ausmacht, und dazu neigt, sie beide als real anzuerkennen, der ist nicht mehr weit entfernt von den grauen, trostlosen Ufern einer Diagnose, die ihm das vernichtende Brandzeichen der Schizophrenie auf den Leib brennt. So etwas hing einem ein ganzes Leben lang nach, in Personalakten, Führungszeugnissen, medizinischen Gutachten, die, egal, was auch immer SIE sagen, niemals vernichtet werden, niemals verjähren, sondern sorgfältig aufbewahrt und im entscheidenden Moment aus irgendeinem abgedunkelten Archivkeller heraufgeholt und gelesen werden. Gerade in einer Zeit, in der man sich mit den Mitteln modernster Datenerfassung darum bemühte, alle Menschen des Planeten zu durchleuchten und final zu kategorisieren, wurde man das nicht mehr los.
Bähker hatte sich am Ende nie dazu hinreißen lassen, einen Psychologen aufzusuchen (eine Tatsache, für die er sich selbst gar nicht genug beglückwünschen konnte), denn so war er frei geblieben, frei, zu tun, was immer er wollte, frei, zu gehen, wohin auch immer ihm zu gehen der Sinn stand.
Und dann, nach all den dunklen, einsamen und schmerzvollen Stunden, Tagen, Wochen, Monaten und Jahren, begegnete er, in einer ärmlichen Kneipe in Berlin, wohin ihn seine Bank für ein weiteres, sinnloses Fortbildungsseminar geschickt hatte, Paul Mennsfeld. Paul hatte ihn ernst genommen, ihm nickend zugehört und immer wieder sein Verständnis bekundet. „Ich weiß, wovon du sprichst“, Worte, deren Klang Karl Bähker wie eine Erlösung erschienen.
Und so hatte er begonnen, aufzuzeichnen, was der Chronist, der Weltenwanderer, der er eigentlich war, auf seinen Reisen gesehen und erlebt hatte.
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Samstag, 30. August 2025
Mommsen - und der Fluch der 11. (Erzählung/Dark/Horror/SF). (Sneak 2).
laghbas, 21:03h
(...)
Unwirklich kreisten Polizeihubschrauber in der Dunkelheit über dem Fabrikgelände. Die weißen Lichtkegel ihrer Suchscheinwerfer wirbelten zerstreut über die schwarz-verfallenen Fabrikgebäude hinweg, eine beeindruckend filmhafte Szene, wie Mommsen fand.
Eins war klar. Wer immer sich in diesen riesigen Hallen aufhielt, er hatte nicht die geringste Chance, dem Zugriff zu entgehen, das Gelände war in zwei weiten Ringen umstellt und gesichert.
Mommsen schob sich, in weitem Kreis umgeben von Mitgliedern der speziell für solche Anlässe ausgebildeten Spezialeinheit, die sich jeweils ihren eigenen Weg über das Gelände suchten, aus der Deckung einer Verstrebung alter Betonrohre hervor und lief dann geduckt in eine neue Position unmittelbar neben dem offenstehenden Haupttor der ersten Fabrikhalle. Angespannt sah er sich nach den anderen um. Über Funk erfuhr er, dass auch sie jeweils eine gute Ausgangsposition gefunden hatten, es konnte losgehen.
Er gab das Kommando, das er, nach einer kurzen Verschnaufpause, während der er seinen stoßweise zu schnell gehenden Atem zu beruhigen suchte, ins Mikrofon zischte, und der Zugriff begann. Altes Glas klirrte, als schmutzige, großflächige Scheiben zerbrachen, das giftige Zischen der Gasgranaten und Rauchbomben erklang aus dem gähnend-schwarzen Inneren der Halle, als nur Sekunden später die Männer der Spezialeinheit, wilde Schreie ausstoßend, ihre angelegten Waffen zielend vorgehalten, vorwärtsstürmten. Mommsen zog sich die Gasmaske über das Gesicht. Mit klebrigem Druck saugte sich das Gummi an der schweißnassen Haut fest.
(...)
Unwirklich kreisten Polizeihubschrauber in der Dunkelheit über dem Fabrikgelände. Die weißen Lichtkegel ihrer Suchscheinwerfer wirbelten zerstreut über die schwarz-verfallenen Fabrikgebäude hinweg, eine beeindruckend filmhafte Szene, wie Mommsen fand.
Eins war klar. Wer immer sich in diesen riesigen Hallen aufhielt, er hatte nicht die geringste Chance, dem Zugriff zu entgehen, das Gelände war in zwei weiten Ringen umstellt und gesichert.
Mommsen schob sich, in weitem Kreis umgeben von Mitgliedern der speziell für solche Anlässe ausgebildeten Spezialeinheit, die sich jeweils ihren eigenen Weg über das Gelände suchten, aus der Deckung einer Verstrebung alter Betonrohre hervor und lief dann geduckt in eine neue Position unmittelbar neben dem offenstehenden Haupttor der ersten Fabrikhalle. Angespannt sah er sich nach den anderen um. Über Funk erfuhr er, dass auch sie jeweils eine gute Ausgangsposition gefunden hatten, es konnte losgehen.
Er gab das Kommando, das er, nach einer kurzen Verschnaufpause, während der er seinen stoßweise zu schnell gehenden Atem zu beruhigen suchte, ins Mikrofon zischte, und der Zugriff begann. Altes Glas klirrte, als schmutzige, großflächige Scheiben zerbrachen, das giftige Zischen der Gasgranaten und Rauchbomben erklang aus dem gähnend-schwarzen Inneren der Halle, als nur Sekunden später die Männer der Spezialeinheit, wilde Schreie ausstoßend, ihre angelegten Waffen zielend vorgehalten, vorwärtsstürmten. Mommsen zog sich die Gasmaske über das Gesicht. Mit klebrigem Druck saugte sich das Gummi an der schweißnassen Haut fest.
(...)
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Donnerstag, 7. August 2025
Der Geist in der Zelle. (Erzählung/SF).
laghbas, 12:59h
In einer aufwallenden Staubwolke landete die Akte auf dem Boden. Niemand hatte sie herausgezogen, keine Hand hatte nach ihr gegriffen oder sie berührt, jetzt und seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr. Als wäre ein plötzlicher Windstoß durch sie hindurchgefahren, bewegten sich raschelnd die eingespannten, synthetischen Seiten und, wie zufällig, blieben sie in einer vorherbestimmten Position still und offen liegen.
Seine gewebelosen Augen machten sich ans Lesen.
*
Ohio/Dezember 2095 - An das Politische Direktorium - CPPO/NewWashington.
Dies sind die Aufzeichnungen des Insassen Ohio-33467, aufgefunden nach seinem Tod in den frühen Morgenstunden des 11. Juni 2095. Obwohl die Untersuchungskommission vehement an den Schilderungen des Selbstmörders zweifelt - ja, geneigt ist, sie für die grotesken Fantasien eines durch und durch Wahnsinnigen zu halten -, wird empfohlen, sie dem Kollektiv zugänglich zu machen. Wir übersenden Ihnen hiermit das Ergebnis unserer Untersuchung, samt einiger von uns markierter (ins Kursiv gesetzter) Passagen, die wir zur Zensur anraten, da sie ein unerwünschtes Licht auf das gesamte Zellensystem werfen könnten. Der Text selbst gliedert sich in zwei Teile, von denen der erste eine kurze, allgemeine Einführung zu den Zellensystemen, ihrer Geschichte und Funktion, sowie den in diesem Fall relevanten Vorkommnissen beinhaltet, während der zweite - die entarteten, von ihm selbst formulierten Fantasien des toten Insassen Ohio-33467 im Original wiedergibt.
*
Metallische Gehäuse, fensterlos, hermetisch abgeschlossen, ohne unmittelbare Verbindung zur Außenwelt, Hunderttausende von ihnen existieren in den unzugänglichen Regionen der Hochgebirge oder den unauslotbaren Tiefen verschiedener Höhlensysteme weit unter der Oberfläche der Erde. Ihr Sinn und Zweck besteht in der gezielten Anregung und Förderung menschlicher Kreativität, einer kompromisslosen Ausreizung des in dieser Hinsicht abrufbaren, neurologisch-hormonellen Potentials. Jedem Mitglied des Kollektivs steht es mit Vollendung des dreiundzwanzigsten Lebensjahres frei, sich wirksam für den Rückzug in eine dieser hermetisch abgeschlossenen Zellen zu entscheiden. Man stellt einen einfachen Antrag und erlangt meist ohne weitere Komplikationen die Erlaubnis dazu. Bereits wenige Tage später wird die digitale Tonfolge des persönlichen Postempfängers den Eingang der Informationen zu Lagebedingungen und Standort des zugewiesenen Zellensystems anzeigen, und man verlässt seine Wohneinheit, verschließt ein letztes Mal die Tür hinter sich, um von da an ein ehrenvolles Leben im Dienste des Kollektivs zu führen. Sämtliche privaten Besitztümer werden zurückgelassen. Sie verbleiben in den Wohneinheiten der Antragssteller und werden später gegebenenfalls unter den Bedürftigen des Kollektivs verteilt. Nichts ist zur Mitnahme erlaubt, außer Büchern, digitalisierten Wissensbeständen und, vielleicht, individuellem Schreib- und Arbeitsmaterial. Alles andere, das der eine oder andere noch zu benötigen glaubt, muss nach Bezug der Zelle vor Ort beantragt werden. Seit Jahrzehnten resultieren alle bedeutenden Entdeckungen der logisch-empirischen Wissenschaft, aber auch der Geisteswissenschaft, der Kunst, der Theologie, der Philosophie, einzig aus der gezielt herausgeforderten und streng überwachten Kreativität der Zellenbewohner, denen - solange sie ihre Aufgabe erfüllen - ein sorgloses und bequemes Leben garantiert wird, einsam und spartanisch zwar, doch gänzlich frei von existentiellen Ängsten irgendeiner Art: man sorgt für sie, umgibt sie mit all der Sicherheit, die sie benötigen, um ihre Aufgabe zu erfüllen.
Natürlich - wie sollte es anders sein - provoziert diese Verheißung vollkommener existenzieller Sorglosigkeit immer wieder auch den Versuch des Missbrauchs. Diesbezüglich haben die Zellensysteme des Kollektivs mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie alle anderen, absichernden, staatlichen Versorgungs- und Wohlfahrtssysteme der Vergangenheit auch. Jedoch - der Ablauf des Lebens in der Abgeschiedenheit der Zellen lässt solche Missbrauchsversuche nicht lange unentdeckt. Wände, Fußböden und Decken der Zellen sind mit hoch sensiblen Messeinrichtungen durchsetzt, die unablässig, in jedem Augenblick, die geistige Leistungsfähigkeit der Bewohner aufzeichnen, den Aktivitätsgrad des neurologischen Apparats erfassen, um laufend mittels modernster Technologie diejenigen Parameter zu errechnen, die darüber Aufschluss geben, ob und in welchem Maße der Eingeschlossene noch produktiv funktioniert oder - im Gegenteil - in ein neurologisch dumpfes, ziel- und nutzloses Dahinvegetieren unter dem unabdingbaren Schwellenwert verfallen ist.
Letzteres ist selbstverständlich unter keinen Umständen erwünscht, es kann nicht toleriert werden.
*
(...)
Die Originalaufzeichnungen des Zellenbewohners Ohio-33467.
(Im Anschluss an seinen Selbstmord im Juni 2095 aufgefunden in seiner Zelle).
Ich erhielt meine Zuweisung, und wurde am 24. November 2093 - es war ein für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalter Tag - in meiner Zelle gebracht. Ich trat ein, hinter mir schloss sich unter laut vernehmlichen Geräuschen die stählerne Rundtür, sie verschwand, ohne vom Inneren der Zelle her noch eine Spur ihrer Existenz zu hinterlassen. Ich war glücklich. Auch in diesem entscheidenden Moment zweifelte ich keinen Augenblick an meiner Entscheidung. Endlich war ich der materiellen Welt, mit ihrer unendlichen Mühsal, ihren komplizierten Reglementierungen und Vorschriften, die inzwischen bis in die privatesten Bereiche des Daseins hineinlangten, weitestgehend entkommen, um, zumindest geistig, ein freies, mir selbst zugehöriges Leben zu führen.
Zu meiner allergrößten Freude hatte man mich dem Zellenverband Ohio zugeteilt. Was ich als große Ehre empfand, denn - das Ohio-System hatte große Leistungen hervorgebracht, nicht zuletzt, wie sie ja wissen, die auf der Arbeit des Bewohners O-18184 beruhende „Erste Allgemeingültige Formel des Allgeistes/AFA1“.
Ich blickte mich um.
Die Zelle, in Form eines doppelten Würfels angelegt, bot ein Bett, einen großflächigen Schreibtisch, Bücherregale, den unverzichtbaren Rechner, sowie eine auf den ersten Blick einladend erscheinende Sitzgruppe aus braunem Kunstleder, die um einen niedrigen, rechteckigen Glastisch herum aufgestellt worden war. Alles in allem - so mein erster Eindruck - konnte man sich nicht beschweren.
Unmittelbar begann ich mit der Arbeit.
Ich befreite meine Bücher, die noch in Kisten verpackt im Raum standen, und erstellte im Anschluss eine Liste neuer Literatur, die ich für meine Forschung benötigen würde.
Ich beabsichtigte, mich mathematisch-theologischen Spekulationen zu widmen, mein erklärtes Ziel bestand darin, in Anlehnung an die Arbeit meines Vorbilds O-18184, ein logisch-semantisches System zur Erweiterung der „AFA1“, ihrer logischen Struktur und den entsprechenden, semantischen Zugehörigkeiten zu erschaffen, das, basierend auf jener Methode jüdisch-mystischer Spekulation, die auch O-18184 in seiner Arbeit angewandt hatte, vor allem auch die Möglichkeit neuer praktischer Anwendungen erkunden sollte.
Der erste Tag meines neuen Lebens verging, und erst spät in der Nacht begab ich mich, zufrieden mit mir selbst und meiner Zukunft, zu Bett.
Doch ich kam nicht zur Ruhe.
(...)
Seine gewebelosen Augen machten sich ans Lesen.
*
Ohio/Dezember 2095 - An das Politische Direktorium - CPPO/NewWashington.
Dies sind die Aufzeichnungen des Insassen Ohio-33467, aufgefunden nach seinem Tod in den frühen Morgenstunden des 11. Juni 2095. Obwohl die Untersuchungskommission vehement an den Schilderungen des Selbstmörders zweifelt - ja, geneigt ist, sie für die grotesken Fantasien eines durch und durch Wahnsinnigen zu halten -, wird empfohlen, sie dem Kollektiv zugänglich zu machen. Wir übersenden Ihnen hiermit das Ergebnis unserer Untersuchung, samt einiger von uns markierter (ins Kursiv gesetzter) Passagen, die wir zur Zensur anraten, da sie ein unerwünschtes Licht auf das gesamte Zellensystem werfen könnten. Der Text selbst gliedert sich in zwei Teile, von denen der erste eine kurze, allgemeine Einführung zu den Zellensystemen, ihrer Geschichte und Funktion, sowie den in diesem Fall relevanten Vorkommnissen beinhaltet, während der zweite - die entarteten, von ihm selbst formulierten Fantasien des toten Insassen Ohio-33467 im Original wiedergibt.
*
Metallische Gehäuse, fensterlos, hermetisch abgeschlossen, ohne unmittelbare Verbindung zur Außenwelt, Hunderttausende von ihnen existieren in den unzugänglichen Regionen der Hochgebirge oder den unauslotbaren Tiefen verschiedener Höhlensysteme weit unter der Oberfläche der Erde. Ihr Sinn und Zweck besteht in der gezielten Anregung und Förderung menschlicher Kreativität, einer kompromisslosen Ausreizung des in dieser Hinsicht abrufbaren, neurologisch-hormonellen Potentials. Jedem Mitglied des Kollektivs steht es mit Vollendung des dreiundzwanzigsten Lebensjahres frei, sich wirksam für den Rückzug in eine dieser hermetisch abgeschlossenen Zellen zu entscheiden. Man stellt einen einfachen Antrag und erlangt meist ohne weitere Komplikationen die Erlaubnis dazu. Bereits wenige Tage später wird die digitale Tonfolge des persönlichen Postempfängers den Eingang der Informationen zu Lagebedingungen und Standort des zugewiesenen Zellensystems anzeigen, und man verlässt seine Wohneinheit, verschließt ein letztes Mal die Tür hinter sich, um von da an ein ehrenvolles Leben im Dienste des Kollektivs zu führen. Sämtliche privaten Besitztümer werden zurückgelassen. Sie verbleiben in den Wohneinheiten der Antragssteller und werden später gegebenenfalls unter den Bedürftigen des Kollektivs verteilt. Nichts ist zur Mitnahme erlaubt, außer Büchern, digitalisierten Wissensbeständen und, vielleicht, individuellem Schreib- und Arbeitsmaterial. Alles andere, das der eine oder andere noch zu benötigen glaubt, muss nach Bezug der Zelle vor Ort beantragt werden. Seit Jahrzehnten resultieren alle bedeutenden Entdeckungen der logisch-empirischen Wissenschaft, aber auch der Geisteswissenschaft, der Kunst, der Theologie, der Philosophie, einzig aus der gezielt herausgeforderten und streng überwachten Kreativität der Zellenbewohner, denen - solange sie ihre Aufgabe erfüllen - ein sorgloses und bequemes Leben garantiert wird, einsam und spartanisch zwar, doch gänzlich frei von existentiellen Ängsten irgendeiner Art: man sorgt für sie, umgibt sie mit all der Sicherheit, die sie benötigen, um ihre Aufgabe zu erfüllen.
Natürlich - wie sollte es anders sein - provoziert diese Verheißung vollkommener existenzieller Sorglosigkeit immer wieder auch den Versuch des Missbrauchs. Diesbezüglich haben die Zellensysteme des Kollektivs mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie alle anderen, absichernden, staatlichen Versorgungs- und Wohlfahrtssysteme der Vergangenheit auch. Jedoch - der Ablauf des Lebens in der Abgeschiedenheit der Zellen lässt solche Missbrauchsversuche nicht lange unentdeckt. Wände, Fußböden und Decken der Zellen sind mit hoch sensiblen Messeinrichtungen durchsetzt, die unablässig, in jedem Augenblick, die geistige Leistungsfähigkeit der Bewohner aufzeichnen, den Aktivitätsgrad des neurologischen Apparats erfassen, um laufend mittels modernster Technologie diejenigen Parameter zu errechnen, die darüber Aufschluss geben, ob und in welchem Maße der Eingeschlossene noch produktiv funktioniert oder - im Gegenteil - in ein neurologisch dumpfes, ziel- und nutzloses Dahinvegetieren unter dem unabdingbaren Schwellenwert verfallen ist.
Letzteres ist selbstverständlich unter keinen Umständen erwünscht, es kann nicht toleriert werden.
*
(...)
Die Originalaufzeichnungen des Zellenbewohners Ohio-33467.
(Im Anschluss an seinen Selbstmord im Juni 2095 aufgefunden in seiner Zelle).
Ich erhielt meine Zuweisung, und wurde am 24. November 2093 - es war ein für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalter Tag - in meiner Zelle gebracht. Ich trat ein, hinter mir schloss sich unter laut vernehmlichen Geräuschen die stählerne Rundtür, sie verschwand, ohne vom Inneren der Zelle her noch eine Spur ihrer Existenz zu hinterlassen. Ich war glücklich. Auch in diesem entscheidenden Moment zweifelte ich keinen Augenblick an meiner Entscheidung. Endlich war ich der materiellen Welt, mit ihrer unendlichen Mühsal, ihren komplizierten Reglementierungen und Vorschriften, die inzwischen bis in die privatesten Bereiche des Daseins hineinlangten, weitestgehend entkommen, um, zumindest geistig, ein freies, mir selbst zugehöriges Leben zu führen.
Zu meiner allergrößten Freude hatte man mich dem Zellenverband Ohio zugeteilt. Was ich als große Ehre empfand, denn - das Ohio-System hatte große Leistungen hervorgebracht, nicht zuletzt, wie sie ja wissen, die auf der Arbeit des Bewohners O-18184 beruhende „Erste Allgemeingültige Formel des Allgeistes/AFA1“.
Ich blickte mich um.
Die Zelle, in Form eines doppelten Würfels angelegt, bot ein Bett, einen großflächigen Schreibtisch, Bücherregale, den unverzichtbaren Rechner, sowie eine auf den ersten Blick einladend erscheinende Sitzgruppe aus braunem Kunstleder, die um einen niedrigen, rechteckigen Glastisch herum aufgestellt worden war. Alles in allem - so mein erster Eindruck - konnte man sich nicht beschweren.
Unmittelbar begann ich mit der Arbeit.
Ich befreite meine Bücher, die noch in Kisten verpackt im Raum standen, und erstellte im Anschluss eine Liste neuer Literatur, die ich für meine Forschung benötigen würde.
Ich beabsichtigte, mich mathematisch-theologischen Spekulationen zu widmen, mein erklärtes Ziel bestand darin, in Anlehnung an die Arbeit meines Vorbilds O-18184, ein logisch-semantisches System zur Erweiterung der „AFA1“, ihrer logischen Struktur und den entsprechenden, semantischen Zugehörigkeiten zu erschaffen, das, basierend auf jener Methode jüdisch-mystischer Spekulation, die auch O-18184 in seiner Arbeit angewandt hatte, vor allem auch die Möglichkeit neuer praktischer Anwendungen erkunden sollte.
Der erste Tag meines neuen Lebens verging, und erst spät in der Nacht begab ich mich, zufrieden mit mir selbst und meiner Zukunft, zu Bett.
Doch ich kam nicht zur Ruhe.
(...)
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Donnerstag, 2. Mai 2024
LAST SNEAK: Kristallwelt (Erzählung/SF).
laghbas, 11:04h
(...)
Eine Viertelstunde später tauchte die vermeintliche Rettung auf.
Sie hatten das verfallene Bahnhofsgelände hinter sich gelassen und bewegten sich durch die Unwirklichkeit einer spröden, von trockenen Ginstersbüschen durchsetzen Landschaft, als Finn etwas entdeckte: nicht weit entfernt, auf der Kuppe eines mit sattem Grün bedeckten Hügels, gewahrte er eine Gruppe Menschen, allem Anschein nach Bürger der Kristallstadt - eine Familie mit Kindern und, was in diesem Moment vielleicht wichtiger war als alles andere, einem blauen Van, dessen Türen einladend offen standen, während seine Besitzer damit beschäftigt waren, zwei Pferde über den Zaun einer Koppel hinweg zu streicheln und zu füttern.
Finn hätte am liebsten laut aufgeschrien.
Und genau das tat er dann auch. Er brüllte und winkte, wie ein Wahnsinniger.
Auch Eloise schrie aus Leibeskräften, allerdings tat sie es aus einem anderen Grund, denn sie hatte inzwischen über ihre Schulter gesehen und den keifenden Mob entdeckt, der sich ihnen Meter um Meter näherte.
Diesmal jedoch schien das Glück auf ihrer Seite zu sein.
Die Bürger der Kristallstadt hatten sie bemerkt, die Kinder reagierten und winkten voll ausgelassener Fröhlichkeit zurück.
So weit so gut, dachte Finn noch. Dann aber, während sie der Rettung näher und näher kamen, fielen ihm plötzlich Ungereimtheiten auf, die ihn an der Tatsächlichkeit seiner Wahrnehmungen zweifeln ließen. Die hoch aufgeschossene Gestalt des Vaters, der schließlich oben auf dem Hügel in einem grauen Staubmantel vor ihm stand - den Kopf gesenkt, das Gesicht unter der breiten Krempe eines ebenso grauen Huts verborgen – war, wie Finn entsetzt feststellte, das einzige lebende Wesen des Grüppchens. Die Frau, wie auch die Kinder, waren Leichen, mit Draht notdürftig am Gatter der Pferdekoppel befestigt, in sich spannungslos, halb verwest und mit leeren, blicklosen Augenhöhlen. Arme und Beine, bemerkte Finn, waren an lange Holzstöcke gebunden, deren Enden die männliche Gestalt in Händen hielt – wie ein Marionettenspieler, der seine Puppen führt und ihnen so den Anschein von Lebendigkeit verleiht. Sogar die beiden Pferde – stellte er fest - waren nur Trugbilder, denn unzählige fette Fliegen tummelten sich auf den sorgsam am Zaun drapierten Kadavern, während mehlige Maden sich durch das Fleisch fraßen, durch das an verschiedenen Stellen bereits die blank genagten Knochen schimmerten.
„Was zum Teufel…“, schoss es Finn durch den Kopf, und sein Unwille ließ am Ende keinen Platz mehr für reales Entsetzen.
Der Mann im Staubmantel hob den Kopf und fixierte ihn mit bedrohlichem Blick, seine Augen glühende Falter im Nichts. „Du hast doch nicht etwa gedacht, dass du damit durchkommst, Finn?“, wisperte er, „Ich, WIR!, werden eure verlogene, saubere Welt aus Kristall zerschlagen – eure glitzernden Dome und Paläste, eure Monumente, die frevlerischen Statuen eures barmherzigen Gottes, der nicht mehr ist als ein Idol, hinter dem ihr eure Verderbtheit zu verstecken sucht. Ja, Finn, auch du, und vielleicht gerade DU!“ Und mit diesen Worten hob er den Arm und zeigte mit ausgestrecktem Finger auf sein Gegenüber, das sprachlos, verdattert und bleich vor ihm stand. „Wie Ratten, werden wir über Euch herfallen und nichts zurücklassen als - Glassplitter und Staub.“
Finn wurde schlecht.
Er sah den überdimensionierten Finger, der auf ihn gerichtet war, und musste würgen.
(...)
***
In: "Psyche & Phantastik I".
***
Womögliche Titeländerung: „Stadt der Engel“.
Eine Viertelstunde später tauchte die vermeintliche Rettung auf.
Sie hatten das verfallene Bahnhofsgelände hinter sich gelassen und bewegten sich durch die Unwirklichkeit einer spröden, von trockenen Ginstersbüschen durchsetzen Landschaft, als Finn etwas entdeckte: nicht weit entfernt, auf der Kuppe eines mit sattem Grün bedeckten Hügels, gewahrte er eine Gruppe Menschen, allem Anschein nach Bürger der Kristallstadt - eine Familie mit Kindern und, was in diesem Moment vielleicht wichtiger war als alles andere, einem blauen Van, dessen Türen einladend offen standen, während seine Besitzer damit beschäftigt waren, zwei Pferde über den Zaun einer Koppel hinweg zu streicheln und zu füttern.
Finn hätte am liebsten laut aufgeschrien.
Und genau das tat er dann auch. Er brüllte und winkte, wie ein Wahnsinniger.
Auch Eloise schrie aus Leibeskräften, allerdings tat sie es aus einem anderen Grund, denn sie hatte inzwischen über ihre Schulter gesehen und den keifenden Mob entdeckt, der sich ihnen Meter um Meter näherte.
Diesmal jedoch schien das Glück auf ihrer Seite zu sein.
Die Bürger der Kristallstadt hatten sie bemerkt, die Kinder reagierten und winkten voll ausgelassener Fröhlichkeit zurück.
So weit so gut, dachte Finn noch. Dann aber, während sie der Rettung näher und näher kamen, fielen ihm plötzlich Ungereimtheiten auf, die ihn an der Tatsächlichkeit seiner Wahrnehmungen zweifeln ließen. Die hoch aufgeschossene Gestalt des Vaters, der schließlich oben auf dem Hügel in einem grauen Staubmantel vor ihm stand - den Kopf gesenkt, das Gesicht unter der breiten Krempe eines ebenso grauen Huts verborgen – war, wie Finn entsetzt feststellte, das einzige lebende Wesen des Grüppchens. Die Frau, wie auch die Kinder, waren Leichen, mit Draht notdürftig am Gatter der Pferdekoppel befestigt, in sich spannungslos, halb verwest und mit leeren, blicklosen Augenhöhlen. Arme und Beine, bemerkte Finn, waren an lange Holzstöcke gebunden, deren Enden die männliche Gestalt in Händen hielt – wie ein Marionettenspieler, der seine Puppen führt und ihnen so den Anschein von Lebendigkeit verleiht. Sogar die beiden Pferde – stellte er fest - waren nur Trugbilder, denn unzählige fette Fliegen tummelten sich auf den sorgsam am Zaun drapierten Kadavern, während mehlige Maden sich durch das Fleisch fraßen, durch das an verschiedenen Stellen bereits die blank genagten Knochen schimmerten.
„Was zum Teufel…“, schoss es Finn durch den Kopf, und sein Unwille ließ am Ende keinen Platz mehr für reales Entsetzen.
Der Mann im Staubmantel hob den Kopf und fixierte ihn mit bedrohlichem Blick, seine Augen glühende Falter im Nichts. „Du hast doch nicht etwa gedacht, dass du damit durchkommst, Finn?“, wisperte er, „Ich, WIR!, werden eure verlogene, saubere Welt aus Kristall zerschlagen – eure glitzernden Dome und Paläste, eure Monumente, die frevlerischen Statuen eures barmherzigen Gottes, der nicht mehr ist als ein Idol, hinter dem ihr eure Verderbtheit zu verstecken sucht. Ja, Finn, auch du, und vielleicht gerade DU!“ Und mit diesen Worten hob er den Arm und zeigte mit ausgestrecktem Finger auf sein Gegenüber, das sprachlos, verdattert und bleich vor ihm stand. „Wie Ratten, werden wir über Euch herfallen und nichts zurücklassen als - Glassplitter und Staub.“
Finn wurde schlecht.
Er sah den überdimensionierten Finger, der auf ihn gerichtet war, und musste würgen.
(...)
***
In: "Psyche & Phantastik I".
***
Womögliche Titeländerung: „Stadt der Engel“.
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