Samstag, 31. Juli 2021
David...
... Wellington.



Die letzte Astronautin, The Last Astronaut, 2019.

SF-THRILLER mit hohem Dark-Fantasy und Horror-Anteil.

TEIL 1 - CRITICS

Ein recht unterhaltsamer, jedoch auch zwiespältiger Genuss.

Stilistisch gut, mit netten Ideen, wenn auch hin und wieder sehr, sehr dicht am Groschenroman. Heißt: schnell gelesen, zügig, simpel im Satzbau und extrem sparsam mit den Adjektiven und damit der gröberen Anleitung der Fantasie des Lesers.
Und wenn man derartig das HARTE, UNVERVERMITTELTE Spiel treibt, und womöglich phasenweise ÜBERtreibt, dann hat man eben den Groschenroman.
Und wenn dann - von der Idee her - auch noch todbringende Ranken (eine Variation der unsterblichen Tentakel) und Riesenwürmer mit rund kreisenden Zahnfräsen auf der Bildfläche erscheinen, dann fragt man sich eben doch unwillkürlich, wohin genau man denn eigentlich seine alten Romanhefte deportiert hat. Ganz unten ins Regal mit den Verpackungen und, teilweise, Büromaterialien, in meinem Fall.
Alles nicht wirklich neu, manche Ideen - ohne Zweifel - prima, wirklich phantastisch (der Wald der Handbäume z.B.), manche aber auch, ob bewusst oder unbewusst verwendet bleibt offen, bloße, in den Plot reinverwurstete Versatzstücke der jüngeren und jüngsten filmisch-literarischen Populär- und Populärstphantastik.
Die Riesenwürmer, zumindest in der Szene, in der sie eingeführt werden, sind übrigens Herberts Sandwürmer auf Arrakis.
Das liegt in einer ganz anderen Ecke des Universums!
Und dann noch, soweit ich sehe, ohne Referenz! Oder sollten die Würmer selbst die Referenz sein? Ich vage es vehement zu bezweifeln, es wäre auch unpassend.
Lesen Sie sich mehr Grundlagen an, Herr Wellington! Und geben Sie Referenz! Damit das nicht wieder vorkommt! Das irritiert nur ihre Kollegen, und sämtliche Fraktionen des hoheitlichen Kronrats der Phantastik noch dazu.
Wir stehen ALLE auf den Schultern von Riesen.

Ansonsten: viel ALIEN, ein bisschen UNTERNEHMEN CAPRICORN (Peter Hyams, USA 1977, und ähnliches, was Ground Control, den Missionsleiter auf der Erde und die NASA angeht).

Aber ganz gut gemischt.

Hat der Mann eigentlich schon was Neues gewagt? Einen neuen Roman? Würde mich interessieren, ob er sich entwickelt, - oder ob er John Sinclair bleibt.

*

Im nächsten Teil der Besprechung erwartet uns das Ende, und damit die höchst bedeutsame Frage, ob David Wellington die Schwierigkeit, die diesem bereits tausendfach verwendeten Ansatz der Erschließung unbekannter Welten IMMER zu eigen ist (gemeint ist die Tatsache, dass die unvermeidliche Anhäufung phantastischer Dinge und Ereignisse, von denen jedes ein Highlight sein soll, auch zu einem befriedigenden Ende gebracht werden muss), - meistern kann.

Hab mir die letzten dreißig Seiten aufgehoben.

Wir stehen gerade der Endflucht aus dem bizarren Inneren des fremden Himmelsobjekts gegenüber.

Die Grundidee für das ganze Konstrukt ist übrigens bereits in "DIE PHANTASTISCHE REISE" (Richard Fleischer, USA 1966) zu finden.

Unter anderem.

Bevor wir nun tatsächlich zum Ende kommen, und sehen, ob die Geschichte rund ist, sollte ich aber vielleicht noch - der Vollständigkeit halber - die leichten Logikschwächen, vor allem die, in meinen Augen, unzureichende psychologische Grundmotivation der Hauptprotagonistin, und den allgemein ziemlich oberflächlichen, nahezu klischeehaften Schnitt der Charaktere erwähnen.
Hiermit getan.

TEIL 2 - FINALE UND FAZIT

(...)