Mittwoch, 25. März 2026
Der Systemfalter. (Erzählung/SF).
Schmitt erwachte.
Ein weiterer Tag, der genauso sein würde wie alle anderen, lag vor ihm, ein streng durchgeplanter Ablauf, der einzig und alleine der Erfüllung seiner produktionstechnischen Aufgaben gewidmet sein würde, dem Dienst am Gemeinwesen, dem Staat, der Gesellschaft.
Manchmal bereute er die Errungenschaften dieser hoch modernisierten, fortgeschrittenen Zivilisation, in der er lebte. Ja, natürlich, es gab keine Krankheiten mehr, die moderne Medizin konnte alle Gebrechen heilen, Gen- Nano- und Clonemedizin waren auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer Entwicklung angelangt, so dass niemand mehr, wie früher, eines qualvollen Todes sterben musste. Auch alle übrigen Unwägbarkeiten des Lebens, das so genannte Chaotische, Unberechenbare, waren ausgeschaltet worden. Kein Mensch verlor mehr seine Arbeit, niemand wurde mehr in familiäre Tragödien verwickelt oder litt unter zermürbenden Eheproblemen, die ihn aus der Bahn warfen und seine Aufmerksamkeit von den Pflichten, die er im Dienst am Gemeinwesen zu erfüllen hatte, ablenken konnten. Das alles gehörte einer dunklen Vergangenheit an, die man überwunden hatte. Alles war geregelt, gesichert, mit entsprechenden Verhaltenvorschriften belegt, die Weichen für das Goldene Zeitalter der Menschheit, hehrer Traum so vieler Generationen hoffnungsfroher Romantiker und Idealisten, waren gestellt worden.
Und dennoch …

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Dienstag, 24. März 2026
Psyche & Phantastik I.


Herbst/Winter 2026.

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Samstag, 14. März 2026
Psyche&Phantastik I - Rebell. (Textsammlung).
15 - PROGRESSION III/Membran.

Kein Dazwischen, kaum Substanz,
Erscheinungen im Inneren - im Äußeren.
Das alles ist vergänglich,
niemals fest, niemals beständig, immer werdend, in Bewegung,
strebend, sterbend, sich verbindend,
Strom,
Bewusstseinsstrom,
innerlich wie äußerlich,
eine Schwadronie - vorbei,
niemals haltend, zweigeteilt
durch die Membran, Membranum, spiegeldünn,
um Haaresbreite, vielleicht flüssig, außen, innen,
ein langer Marsch - vorbei
an der Membran.

(1996)

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Donnerstag, 26. Februar 2026
Psyche&Phantastik I - Rebell. (Textsammlung).
10 - HOMMAGE/Kind der Träume - Ray Bradbury.

„Wir suchen das Kind!“
Ultraviolettes Licht ließ die Gewänder der beiden schmalen, hoch aufgeschossenen Gestalten fluoreszieren. Es war nicht warm, noch kalt. Im Hintergrund, über dem rot erscheinenden Meer, versank die Sonne. Das Geräusch der an den Strand rauschenden Wellen zwang dazu, die Stimme zu erheben, um sich verständlich zu machen.
Das zusammengekauerte Wesen auf dem Stein zu Füßen der beiden Fremden reagierte nicht. Sein Schädel, samt hervorspringenden Augenwülsten, spärlich mit schwarzem, borstigem Haar besetzt, glich dem eines Affen. Mit leeren, verständnislosen Augen beschäftigte es sich damit, Kieselsteine in immer neuen Mustern anzuordnen, das fertige Gebilde aber jedes Mal sofort wieder zu zerstören und mit seiner Tätigkeit von vorne zu beginnen. Dabei ließ es keine Emotion erkennen, keine Freude, keine Langeweile, kein wirkliches Interesse am eigenen Tun.
„Es versteht uns nicht, Elektra. Lass uns umkehren, ich glaube nicht mehr an den Erfolg der Unternehmung.“
Traurigkeit ließ die Stimme der offensichtlich männlichen Gestalt unsicher wirken.
Seine Partnerin sah ihn aus leuchtend blauen, strahlenden Augen an. Ihre langen schwarzen Wimpern standen in verwirrendem Gegensatz zu ihrer kahlrasierten, blasshäutigen Schädeldecke.
„Wir können nicht einfach so aufgeben, Kiros, du weißt, was das bedeuten würde. Die Zeit läuft uns davon. Ich bitte dich, lass uns noch ein kleines Stück weitergehen, vielleicht…“
Ihr Blick wandte sich ab und schweifte suchend in der Umgebung umher. „Dort“, sie hob den Arm und zeigte auf eine Gruppe hoher, kalkiger Felsen am Ende des Strands, „wir ersteigen diese Felsen und sehen nach, was sich dahinter befindet.“
Kiros Antlitz verzog sich in Resignation, dennoch folgte er seiner Partnerin, die sich ohne eine Antwort abzuwarten bereits auf den Weg gemacht hatte.
Der Blick über die Ebene, der sich ihnen eröffnete, überstieg in seiner Bizarrerie all ihre Erwartungen. Verstaubte, ausgemusterte Kinderkarussells soweit das Auge reichte; am Himmel: hunderte von Flugschiffen aus samtigem Brokat, verziert mit Troddeln und goldenen und silbernen Bordüren. Das Meer klang leiser hier oben, ein leichter Wind ließ den Anblick der vergessenen Kinderträume noch trostloser erscheinen.
Die Dämmerung brach herein.
Niemand war zu sehen.
Quecksilberne Tränen rollten über Elektras Gesicht.
„Lass uns gehen“, flüsterte Kiros und legte seinen Arm tröstend um ihre schmalen Schultern.
Sie schlossen die Augen und verließen diese Welt.

*

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