Mittwoch, 12. August 2026
Psyche & Phantastik II - Baphomet/Sukkubus.
SIE. Baphomet/Sukkubus.


3./Allan Harford.

Eine bleiche, ausgemergelte Gestalt öffnete mir die Tür.
Kaum erkannte ich ihn wieder. Sein Gesicht - erstarrt in wächserner Blässe - wirkte um Jahre älter als es ihm nach Anzahl seiner Lebensjahre zugestanden hätte. Kurz registrierte ich einen Funken Lebenskraft, der in seinen Augen aufschien. Einem Menschen gleich, der unendliche Tage durch eine trockene Wüste gewandert war, und der plötzlich - eine Oase, vielleicht aber auch nur den Wunschtraum einer solchen, vor sich sieht.
Wir reichten uns die Hände.
Sein Händedruck war schwach, kraftlos, schlaff. Seine Haut fühlte sich kalt, ledern und klamm zugleich an.
Zu meinem Erstaunen fing er, noch während wir uns an den Händen hielten, bitterlich zu weinen an, immer und immer wieder versicherte er mich seiner unendlichen Dankbarkeit bezüglich meines Kommens. Allan Harford befand sich - es war offensichtlich - in einem höchst bemitleidenswerten Zustand, nicht nur seine Gestalt, sein Tränenausbruch und die fragile, kraftlose Art seiner Begrüßung belegten es, nein, alles an ihm strahlte eine zerbrechliche Exaltiertheit aus, die - für mein Empfinden - nur mit dem Begriff des „Ungesunden“ näher bestimmt werden konnte.

(...)

4./Die Heimsuchung.

„Sie sucht mich heim, Tristan, sie verfolgt mich, … “, bestürzt bemerkte ich, wie er seine Hände rang, „ … sie quält meinen Geist, zerstört meinen Verstand, Tristan. Sie degradiert mich zum Tier! Ich bin nicht mehr Herr meiner selbst, ein Schatten nur, und Tag für Tag, Nacht für Nacht, schreitet mein Verfall voran. Ich sehe in den Spiegel, Tristan, ich suche den Mann, der ich einst gewesen bin, - ich finde ihn nicht! Was habe ich getan? Mein Gott, was habe ich verbrochen? Welcher Sünde habe ich mich schuldig gemacht?"
Noch während er die Worte ausstieß, wurde ich Zeuge einer erschreckenden Verwandlung. Tatsächlich! Der Mann vor meinen Augen zerfiel. Sein Wesen, seine Ausstrahlung, transformierten zu einer offenen Wunde, aus der, viel zu schnell, viel zu viel Blut entwich; seine mit einem Mal von Schatten umlagerten Augen zogen sich weit in ihre Höhlen zurück; sein Antlitz schien, einerseits, in sich zusammenzufallen, andererseits sich ins Unendliche hinaus auszudehnen. Er begann zu zittern, seine Stimme klang, während er zwischendurch immer wieder in absurde, in hohem Maße irritierende Anfälle selbstverhöhnenden Gelächters verfiel, belegt, verzweifelt. „Ich begehre sie, … “, grinste er mich, für einen Moment innehaltend, mit idiotischem Gesichtsausdruck und schief gehaltenem Kopf von unten herauf an, „ … aber diese Begierde bringt mich um, verstehst du? Sie vernichtet mich. Ich bin versklavt. Von einem Vampir, der mir die Lebenskraft aus dem Leib saugt, sie, sie, - immer nur SIE!“

(...)

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